Wohnprojekt in Kleve

Wohnen noch verboten: Das erste Hausboot auf dem Spoykanal

Georg Liebrand hat das erste Hausboot in Kleve gebaut.

Georg Liebrand hat das erste Hausboot in Kleve gebaut.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.  Georg Liebrand hat es selbst gebaut, darf aber noch nicht darin wohnen. Gemeinsam mit der Hochschule Rhein-Waal wird nun zu Neuheiten geforscht.

Die besten Ideen werden oft in der Not geboren. Als Georg Liebrand vor zwei Jahren nach einem längeren Hilfsprojekt in Asien wieder nach Kleve kam, fand er keine geeignete Wohnung: Ohne Job und ohne Kontakte ist es anno 2019 auch in der Kreisstadt schwer geworden, eine Unterkunft zu finden. Der 60-Jährige Klever hatte 30 Telefonate bei vielversprechenden Angeboten geführt und dann einsehen müssen: Das wird so nix. „Ich war ziemlich verzweifelt“, sagt er.

Ein Hausboot in Eigenleistung

Also hat sich Georg Liebrand hingesetzt und einen Plan geschmiedet: Ich baue mir selbst ein Haus – ein Hausboot auf dem Wasser. Sieben Jahre lang hat er als Bootsbauer gearbeitet und mit diesen Kenntnissen sich ans Werk gemacht. Mit der finanziellen – und ideellen – Unterstützung der Herbert Looschelders-Stiftung konnte er seinen Traum verwirklichen. Seit Juni ist Kleves erstes Hausboot auf dem Spoykanal zu Wasser gelassen. Georg Liebrand könnte darin jetzt wohnen, wenn er denn dürfte. Aber dazu später.

Zirka 1200 Stunden Arbeit hat er in sein Projekt gesteckt. Gemeinsam mit seiner Schwester – und Architektin – Josefa hat er das Hausboot entworfen. Die 40-Quadratmeter-Wohnung schwimmt auf mehreren Kunststoffbehältern, die mehrere Tonnen Gewicht tragen können. Ein Stahlgerüst hält die Schwimmer zusammen und bildet den Untergrund für das Hausboot. Mit Hilfe von Sperrholzplatten und viel Epoxid-Harz entstand der Aufbau, der sogar den energetischen Ansprüchen genügt.

80.000 Euro Materialkosten

Eine 20 Zentimeter dicke Isolierung aus Styropor in Wänden, Fußboden und Decke sorgt dafür, dass er gute Energiewerte vorweisen kann. Und die Fenster sind dreifach verglast. Insgesamt wurden für das Projekt gut 80.000 Euro Materialkosten aufgewendet. Das Hausboot wurde im Wendebecken des Klever Spoykanals zu Wasser gelassen – quasi vis à vis des Winterlagers der Klever Segelgemeinschaft.

Das 40 Quadratmeter große Hausboot bietet alles, was man zum Wohnen benötigt: Eine Schlafecke, ein Koch- und Wohnbereich, ein WC mit Dusche und eine kleine Rumpelkammer, in der noch elektrische Installationen untergebracht werden können.

Forschung auf dem Hausboot

Das Hausboot dient auch Forschungszwecken. Gemeinsam mit der Hochschule Rhein-Waal wird an innovativen Lösungen für das autarke Wohnen auf dem Wasser gesucht. Zu diesem Zweck wurde zwischen der H. Looschelders Sozial- u. Ökologiestiftung und der Hochschule Rhein-Waal eine Kooperationsvereinbarung geschlossen.

Einige Lösungen hat Liebrand bereits selbst erfunden. Schmutz- und Grauwasser werden in speziellen Tanks aufbewahrt und dann in regelmäßigen Abständen fachgerecht entsorgt. Das Frischwasser bezieht er noch von Land, für Toilette und Dusche nutzt er bereits das Regenwasser. Strom bekommt er auch von Land: Aber das soll sich noch ändern. Mit Hilfe der Hochschule Rhein-Waal soll das Hausboot autark werden.

Solarzellen auf dem Dach sollen die Stromversorgung bereit stellen und später vielleicht auch ein Klimagerät ermöglichen. Gerne möchte Liebrand zur Kühlung des Hausbootes das Wasser des Spoykanals nutzen, welches in der Regel bei 20 Grad liegt.

Geht es nach Georg Liebrand könnte sein Projekt auch dazu beitragen, den Spoykanal sauberer zu machen. Er denkt darüber nach, eine kleine Außenterrasse zu bauen und damit verbunden schwimmende Gärten. In diesen Gärten könnten Pflanzen wachsen, die viele Nährstoffe benötigen. Liebrand denkt über die „Cancun-Pflanze“ nach, die man auch als Salat essen kann. „Ich habe dieses bereits in Asien durchgeführt und könnte mir gut vorstellen, dass dies auch im Spoykanal funktioniert“, sagt Liebrand.

Anlaufstelle für Bürger und Studenten

Zurzeit darf er in seinem Hausboot noch nicht wohnen. Die Looschelders-Stiftung verhandelt mit der Stadt Kleve über einen Gestattungsvertrag für 18 Monate, der finanzielle Dinge klären soll und auch den Sinn und Zwecke des Projektes. Ein dauerhaftes Wohnen ist bislang ausgeschlossen. „Aber ohne ein dauerhaftes Wohnen kann man auch keine Erfahrungswerte sammeln“, sagt Herbert Looschelders, der gerne im Rahmen eines genossenschaftlichen Projekts weitere Hausboote im Spoykanal errichten würde.

Der Wunsch ist, dass das Hausboot künftig im Bereich der Hochschule Rhein-Waal liegt und dort als Anlauf- und Begegnungsstelle für Klever Bürger und Studierende dienen kann und somit das Netzwerk zwischen der Hochschule und der Klever Bürgerschaft aufbaut und stärkt.

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