Historie

Das Erbe der Germanen im Klever Tiergartenwald

Josefa Liebrand geht jeden Tag mit ihrem Hund im Reichswald spazieren. Sie hat bereits viele Hügelgräber entdeckt.

Josefa Liebrand geht jeden Tag mit ihrem Hund im Reichswald spazieren. Sie hat bereits viele Hügelgräber entdeckt.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Im Reichswald befinden sich Grabhügel, die 3000 Jahre alt sind. Josefa Liebrand setzt sich für den Erhalt des einzigartigen Kulturschatzes ein.

Wenn man genau hinschaut, kann man sie leicht entdecken. Rund um den Spielberg in Kleve-Donsbrüggen blickt man gleich auf eine ganze Reihe dieser kleinen Erdhügel. Kreisrund aufgeschüttet wurden sie, zwischen einem und zweieinhalb Meter hoch. Und jetzt, wo der Schnee der frühen Dezembertage sich auf die Erde gelegt hat, sind diese Erhebungen besonders gut zu erkennen. Josefa Liebrand ist tief beeindruckt von diesen Zeugnissen der Geschichte: Vermutlich 3000 Jahre sind die Grabhügel der Donsbrügger Heide alt. „Das muss man sich mal vorstellen: Zu dieser Zeit wurden in Ägypten noch Pyramiden errichtet. Wir verfügen hier im Reichswald über einen unglaublichen historischen Schatz“, sagt die engagierte Waldschützerin aus Kleve, die seit einigen Jahren das Erbe der Germanen am unteren Niederrhein aufarbeitet: „Ich finde das fantastisch“.

Wenn man es nicht weiß, dann fallen die runden Hügel nicht weiter auf. Nach 3000 Jahren haben Erosion und Bewuchs eine Menge Veränderungen in die Landschaft gebracht. Die Hügelgräber im Reichswald werden nicht gepflegt, sondern nach Möglichkeit in Ruhe gelassen. Auf ihnen wachsen Bäume und Sträucher und nur selten wird ein Grabhügel so besonders hervorgehoben wie der Spielberg, der jetzt vom Klevischen Verein als besonderer Punkt des Tiergartenwaldes wieder hergerichtet worden ist. Johan Moritz von Nassau-Siegen, der große Gartenarchitekt des 17. Jahrhunderts, hat seine Aussichtsplattform wohl bewusst an die Stelle des bronzezeitlichen Grabhügels gesetzt.

„Die Hügelgräber des Reichswaldes sind gut erforscht“, sagt Wolfgang Wegener vom Landschaftsverband Rheinland in Bonn. Allerdings halte man sich mit größeren Veröffentlichungen dezent zurück, auch würde man die Denkmäler nach Möglichkeit nicht in eine öffentliche Liste eintragen: „Grabhügel sind schon oft beraubt worden“, sagt Wegener. In Zeiten der Sondensuchgeräte sei es einfach, besondere Gegenstände im Reichswald zu finden. Vor allem die Niederländer seien extrem „fix dabei“.

Die meisten Hügelgräber des Reichswaldes seien in der Tat um 1000 vor Christus entstanden. Es waren germanische und friesische Stämme, die ihre Toten begraben haben. „Meistens waren es aber Brandbestattungen und keine Leichenbestattungen“, erzählt Wegener. Der Tote wurde mit Teilen seiner Tracht auf einem Scheiterhaufen verbrannt und dann in einer Urne beigesetzt. Auch in der Nähe des Spielberges hat man in der Vergangenheit typische Urnen gefunden.

Über die germanischen Beerdigungsriten sei bereits viel geforscht worden: „Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, sagt Wegener. Die Nationalsozialisten waren auf der Suche nach germanischen Wurzeln aus vorchristlicher Zeit. „In der Regel gab es einen Haupthügel für den Stammesführer und darum gruppierten sich mehrere kleinere Hügel für andere Stammesmitglieder.“

Im Klever Reichswald lassen sich diese Strukturen gut nachvollziehen. Auch hier gibt es zwischen Sternberg und Spielberg größere und kleinere Hügel, in Gruppen angeordnet. Claus Weber schrieb 2005 einen Beitrag über den Tiergartenwald im Klevischen Kalender. Er schrieb, dass die Grabhügel in drei Perioden angelegt wurden: In der Jüngeren Steinzeit (3000 vor Christus), in der Jüngeren Bronzezeit (1000 vor Christus) und in der Römerzeit. „Die Grabhügel der Donsbrügger Heide wurden sehr wahrscheinlich in der Älteren Eisenzeit um 750 vor Christus errichtet“, schreibt Weber. Sowohl der Aufbau als auch die Ausmaße der Grabhügel würden darauf deuten.

Josefa Liebrand, die Waldschützerin, hat die Gedenkstätten der Bronzezeit auf Karten markiert. Sie findet es extrem traurig, dass heute so unachtsam mit diesen uralten Grabstätten umgangen wird. Sie deutet auf einen Weg, der mitten durch einen Hügel führt: „Das tut mir in der Seele weh. Aber wenn niemand weiß, dass diese Hügel hier 3000 Jahre alt sind und eine so reiche Geschichte haben, dann kann man dies auch nicht wertschätzen“, sagt sie.

Persönlich hat sie vor fünf Jahren die Faszination für den Wald entdeckt. Nach vielen Spaziergängen – auf der Suche nach Ruhe und Stille – hat sie die Hügel in der Landschaft wahrgenommen. Aber nicht nur das: Auch das ihrer Meinung nach sehr rabiate Vorgehen von „Wald und Holz“ bei der Beforstung hat sie aktiv werden lassen. „Wenn ich diese riesigen Maschinen hier sehe, die so viel zerstören, dann ärgert mich das sehr. Ich hoffe, dass ein Bewusstsein für diese wichtigen Kulturdenkmäler entsteht und damit auch der Wald geschützt wird.“

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