Radfahren

Bruno Janßen ist in Kleve oft mit dem Handbike unterwegs

Bruno Janßen ist oft mit seinem Handbike in Kleve unterwegs. 

Bruno Janßen ist oft mit seinem Handbike in Kleve unterwegs. 

Foto: Andreas Daams / nRZ

Kleve.  Bruno Janßen ist einer der beiden Klever Stadtradeln-Stars. Der Lehrer ist aber auch in Sachen Musik und Hilfe für El Salvador unterwegs.

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium, kurz KAG, kennt er schon als Schüler. Bruno Janßen, 1962 in Kleve geboren, wechselte nach der Realschule aufs KAG. Einmal, auf dem Rückweg von der Schule, etwa 300 Meter vor dem Elternhaus, wurde sein Mofa von einem Auto erfasst. Seither ist er querschnittsgelähmt. „Die acht Monate in der Klinik waren halb so wild“, erinnert er sich. „Aber knallhart wurde es, als ich in meine gewohnte Umgebung zurückkehrte.“ Zumal die Zeiten damals anders waren – das Stichwort Barrierefreiheit dürfte in Verwaltungen noch kaum vorgekommen sein.

Schlagzeug ist seine Leidenschaft

Nach dem Abitur studierte Janßen Biologie und Erdkunde in Bochum, machte anschließend wieder am KAG sein Referendariat und arbeitet seither dort als Lehrer. „Damals war ja kaum eine Schule rollstuhlgerecht“, erzählt er. Dass er wegen der Behinderung nicht mehr sein geliebtes klassisches Schlagzeug spielen konnte, empfand er als besonders schmerzhaft. Aber seine Leidenschaft einfach sang- und klanglos aufzugeben, widerstrebte ihm auch. Also suchte er nach Alternativen – und fand in Dortmund eine Musikschule, an der Latin Percussion unterrichtet wurde.

Er lernte bei Profis, in berufsbegleitenden Kursen, und schließlich bot er am KAG selber einen Workshop an. Daraus entstanden zunächst die Konga Queens und dann die Conga Quings. Heute kann man am KAG von der sechsten Klasse bis zum Abitur in verschiedenen Formationen trommeln. „Manche ehemalige Schüler nehmen sogar freitags frei, um mitproben zu können“, freut sich Janßen. Mit zahlreichen Auftritten in der Stadt, aber auch in Xanten, sogar beim Kirchentag, wurde der Einsatz belohnt.

Engagement für Lateinamerika

Großes Engagement hat Janßen auch auf einem ganzen anderen Gebiet bewiesen. Schon als Schüler arbeitete er in Solidaritätsgruppen für Lateinamerika mit. Irgendwann lud er zwei Leute aus Nueva Esperanza in El Salvador in den Erdkundeunterricht ein. Janßen: „Daraus entwickelte sich die AG Fairständnis und eine Schulpartnerschaft.“ Die AG finanziert einen Schulfahrdienst in der zentralamerikanischen Gemeinde. Mehrfach ist Bruno Janßen nach El Salvador gereist, zuletzt 2012 mit Schülern. Das geht momentan nicht mehr: Jugendbanden terrorisieren das Land, auch in Nueva Esperanza gab es ein Massaker mit fünf Toten. Aber Schüler und Lehrer aus El Salvador kommen nach wie vor ans KAG und vermitteln Einblicke in eine völlig andere Lebenswelt.

Dass Bruno Janßen nun auch noch als Stadtradel-Star eine Art Botschafter für das Fahrrad ist, ist nicht verwunderlich. Er hat mit dem Handbike schon an Marathon-Wettbewerben teilgenommen und nutzt sein Gefährt selbstverständlich für die Kurzstrecken in Kleve. „Da bin ich doch viel schneller als mit dem Auto“, hat er festgestellt. Die neue Radbahn zwischen Kleve und Nijmegen findet er fantastisch. „Leider sind die innerstädtischen Fahrradwege damit nicht vergleichbar.“

Alleenradweg anpacken

Von der Gemeinde Bedburg-Hau wünscht er sich, dem Alleenradweg noch einmal anzupacken: „Eine Strecke von Xanten bis Kleve wäre für den Kulturtourismus ideal.“ Dann ist da noch der barrierefreie Tourismus. Zwar gibt es an der Hochschule in Kleve das Fach „Alternativen Tourismus“ mit einem Schwerpunkt „Barrierefreier Tourismus“. „Ein Absolvent hat in Xanten ein tolles Konzept entwickelt“, erzählt Bruno Janßen. „Aber in Kleve tut sich merkwürdigerweise nichts.“ Da ist also noch viel Luft nach oben.

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