Coronakrise

Berufskolleg Kleve setzt auf „Teleteaching“ im Unterricht

Der Einsatz von Tablets im Unterricht ist den Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Kleve nicht fremd. So können sie ihre Ergebnisse vom Tablet aus mit einem Klick auf der digitalen Tafel zeigen.  

Der Einsatz von Tablets im Unterricht ist den Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Kleve nicht fremd. So können sie ihre Ergebnisse vom Tablet aus mit einem Klick auf der digitalen Tafel zeigen.  

Foto: verbücheln

Kleve.  Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung des Unterrichts am Berufskolleg, das mit Teleteaching den Unterrichtsausfall bekämpft.

Am Berufskolleg Kleve wird „Tele-Teaching“ gegen den Unterrichtsausfall eingesetzt. Der Einsatz von Tablets, Apps und Clouds im Unterricht ist hier bereits etabliert, wird nun aber weiter ausgebaut.

Seit März haben viele Schülerinnen und Schüler ihre Schule bisher nur an einigen Tagen besucht. Die Abstands- und Hygienevorschriften im Zuge der Eindämmung der Corona-Pandemie lassen nichts anderes zu. Das Berufskolleg Kleve geht hier neue Wege: Denn eine Vielzahl der Schülerinnen und Schüler im Vollzeit- und Berufsschulbereich können nun auch von Zuhause aus am Unterricht teilnehmen. Durch die Einführung des so genannten Teleteachings via Office 365 hat die Schule die Unterrichtszeiten mehr als verdoppeln können.

Die Stundenzahl wurde durch Corona um 65 Prozent rediziert

„Ohne Teleteaching war die Wochenstundenzahl unserer Schülerinnen und Schüler um rund 65 Prozent reduziert. Das war für uns keine tragbare Situation, da alle Schülerinnen und Schüler in ein bis drei Jahren Abschlüsse erzielen wollen. Daher haben wir frühzeitig – schon vor den Osterferien – reagiert“, sagt Schulleiter Peter Wolters.

Für die Implementierung von Office 365 war eigentlich ein halbes Jahr vorgesehen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Projektverantwortlichen Frank Janßen und Ludger Stratenschulte die Umstellung in drei Wochen durchgezogen und 124 Kolleginnen und Kollegen geschult. Jetzt findet der Unterricht so statt: Eine Hälfte der Klasse sitzt im Klassenraum, die andere Hälfte wird über Office 365 dazugeschaltet. Die Schülerinnen und Schüler zuhause können die Tafel sehen, hören, was die Mitschüler und der Lehrer sprechen, und sich auch selbst am Unterrichtsgespräch beteiligen.

In einigen Bildungsgängen, wie zum Beispiel der Fachschule für Wirtschaft, findet der Unterricht sogar ausschließlich Zuhause statt. „Hier ist der Umweltschutz ein großer Vorteil: Für den Fachschulunterricht fahren normalerweise samstags rund 50 Autos durch den Kreis; jetzt können sie zuhause bleiben, was den Studierenden, die die Fachschule neben der Berufstätigkeit absolvieren, auch Lebenszeit bringt.“

Die schnelle Anpassung an die neuen Umstände haben zwei wichtige Faktoren ermöglicht: Zum einen die gute technische Ausstattung der Kreisschule. In allen Klassenräumen gibt es einen stationären PC, eine Dokumentenkamera mit integriertem Mikrophon und eine digitale Tafel. Zudem verfügt die Schule über Wlan, 90 Tablets für Schüler und Lehrer sowie Streaming-Boxen im Klassenraum.

Wichtiger als die Ausrüstung ist aber die Bereitschaft des Kollegiums, sich mit der Technik auseinanderzusetzen. „Unser Schulleiter hat die Weiterentwicklung quasi in unserer DNA verankert. Dadurch herrscht zwar manchmal ein Treiben wie in einem Bienenschwarm, aber wir gehen als Schule voran“, sagt Janßen. Seit 2015 ist die Schule an der Pilotisierung von „Logineo NRW“ beteiligt. Dabei handelt es sich um eine digitale Arbeitsplattform für Schulen. Lehrerinnen und Lehrer können hier über dienstliche E-Mail-Adressen kommunizieren, Termine in gemeinsamen Kalendern organisieren und Materialien in einem geschützten Cloudbereich austauschen. „Wir sind eine der wenigen Schulen in NRW, die in diesem Bereich schon viel Erfahrung und Know-how haben. Alle relevanten Daten sind zum Beispiel digital in unserem Intranet abgelegt. Wir werden aber noch viel weiter gehen, ohne das Kollegium zu überfordern, da die Systeme einfacher werden“, sagt Janßen.

Office 365 biete zusätzliche Funktionen wie zum Beispiel den digitale Unterricht via Videotelefonie. In Zukunft soll das Learning-Management-System den Unterricht unterstützen und Papier einsparen – unabhängig von der Corona-Pandemie. „Zum Beispiel könnten erkrankte Schüler sofort auf alle Materialien des verpassten Unterrichtstages zugreifen oder gemeinsam an Projekten und Dateien arbeiten.“

Einen rein digitalen Unterricht soll es nicht geben

Allen Beteiligten ist klar: Einen rein digitalen Unterricht soll es nicht geben. Dafür ist der persönliche Kontakt zu wichtig. „Eine günstige Lernatmosphäre für erfolgreiche Lernprozesse werden getragen durch vertrauensvolle Schüler- und Lehrer-Beziehungen. Dies lässt sich durch digitales Distanzlernen nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen“, betont Wolters. Auch erfordert das digitale Lernen ein höheres Maß an Selbstdisziplin sowie einer anderen technischen Ausstattung der Schülerinnen und Schüler. „Es haben zwar alle ein Smartphone, für das Teleteaching oder der Bearbeitung von digitalen Arbeitsmaterialien ist ein größerer Bildschirm aber deutlich angenehmer“, sagt Janßen.

Hier möchte Wolters schnell nachjustieren und für das nächste Schuljahr Tablets anschaffen. „Der Kreis Kleve als Schulträger hat sich auf die Fahnen geschrieben, seine Schulen technisch sehr gut auf das kommende Jahrzehnt vorzubereiten. Insofern fühlen wir uns in allen Modernisierungsbemühungen sehr gut unterstützt.“

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