Flüchtlinge

Abgeschoben - Verein kämpfte vergeblich für Flüchtling

Nazim Hussein (2. von links) während eines Sprachkurses in Kleve.

Nazim Hussein (2. von links) während eines Sprachkurses in Kleve.

Kreis Kleve.   Klever Verein Haus Mifgash hatte sich dafür eingesetzt, dass der aus Pakistan stammende Nazim Hussein in Deutschland bleiben kann - vergeblich.

Nazim Hussein ist inzwischen wohl in Pakistan eingetroffen. Der 36-Jährige ist am Mittwoch Abend von der zentralen Unterbringungseinrichtung für Abschiebehäftlinge in Büren nach Hannover gebracht worden. Von dort startete das Flugzeug, mit dem er in sein Heimatland abgeschoben worden ist.

Damit war alle Mühe seiner Essener Anwältin und der Mitglieder des Klever Vereins Haus Mifgash dies zu verhindern vergeblich. Noch am Dienstag sei ein Eilantrag der Anwältin abgelehnt worden, teilt Thomas Ruffmann von Haus Mifgash auf Anfrage der NRZ mit. „Damit war der Weg für die Abschiebung frei.“

Empfehlender Charakter

Besonders unverständlich scheint im Fall Husseins die Eile, mit der abgeschoben wurde. Wie berichtet sollte am gestrigen Donnerstag die Härtefallkommission des Landes über den Fall verhandeln. „Zwar,“ so Ruffmann, „hat ihr Urteil lediglich empfehlenden Charakter. Normalerweise aber halten sich Ausländerbehörden daran.“ Jetzt, sagt Ruffmann, sei es völlig egal, ob und was die Kommission empfehle und ob sie überhaupt noch über den Fall berate.

Um noch irgendetwas für Nazim Hussein tun zu können, hat der Klever Verein Haus Mifgash in aller Eile noch den Petitionsausschuss des Landes angerufen, der den entsprechenden Antrag auch angenommen habe. „Aber es hat alles nichts genutzt“, macht Ruffmann aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. „Was uns vom Verein am meisten empört, ist die Tatsache, dass der Abschiebetermin angesetzt wurde, bevor die Härtefallkommission überhaupt getagt hat.“ Und die Ausländerbehörde des Kreises Kleve habe diesen Termin gekannt, so Ruffmann.

Erfolgloses Gespräch

Auch ein persönliches Gespräch mit Landrat Wolfgang Spreen, das er und Ron Manheim führten, blieb letztlich erfolglos. Völlig unverständlich ist es für die Aktiven, dass Hussein verhaftet wurde, als er seine Duldungserlaubnis in der Kreisverwaltung verlängern lassen wollte (NRZ berichtete). „Uns macht die Abschreckungspolitik wütend und verzweifelt“, erklärt Ruffmann. Die Ausländerbehörde des Kreises Kleve gelte als die härteste im Land. „Sie hat sich bewusst gegen das Abwarten des Termins mit der Härtefallkommission entschieden“, glaubt er.

Dabei sei Nazim Hussein gut integriert gewesen, erzählt Thomas Ruffmann. Der 36-Jährige hat gut drei Jahre lang in Kleve gelebt. Zunächst als Ein Euro-Jobber bei den Umweltbetrieben arbeitete er anschließend in einem Gartenbaubetrieb in Reichswalde, der ihn ab dem neuen Jahr weiterbeschäftigen wollte.

Hussein, der zur Mehrheit der Schiiten in seinem Land gehört, sei dort massiv von einer sunnitischen Terrorgruppe bedroht worden, berichtet Ruffmann. „Er hat insgesamt zehn Fluchtversuche unternommen, bis er schließlich über die Türkei nach Griechenland gelangt ist.“ In Athen lebte und arbeitete der Pakistani acht Jahre lang, wurde schließlich auch dort Opfer von Drohungen und floh erneut.

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