Hochschule

Bei der MINT-Sommerschule in Kleve ist Frauen-Power gefragt

Carla Dias (Studentin/Organisatorin) mit Elisa und Lotte (beide 14) bei der MINT-Sommerschule nur für Mädchen. Hochschule Girls Summer School

Carla Dias (Studentin/Organisatorin) mit Elisa und Lotte (beide 14) bei der MINT-Sommerschule nur für Mädchen. Hochschule Girls Summer School

Foto: Andreas Daams

Kleve.  An der Hochschule Rhein-Waal machen Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren eine Woche lang einen praktischen Streifzug durch die MINT-Fächer.

Für Elise (14) ist die Sache klar. Medizin soll es später mal sein. Da kombiniert man die Naturwissenschaften. Jetzt, bei den Kurswahlen für die Oberstufe, konnte sie sich nicht zwischen Physik, Biologie und Chemie entscheiden. Darum hat sie gleich alles gewählt. Überhaupt freut sie sich wieder auf die Schule. Und darum findet sie es auch toll, die letzte Ferienwoche in der Hochschule Rhein-Waal zu verbringen. Bei der MINT-Sommerschule nur für Mädchen. Hier wird gelernt und gebastelt, ausprobiert und getüftelt.

Ausgedacht hat sich das Projekt eine Studentin. Vor drei Jahren war das. „Seither wird es sozusagen unter Studentinnen vererbt“, sagt Doris Gerland, an der Bionik-Fakultät zuständig für Marketing. In diesem Jahr hat Carla Dias die „Girls Summer School“ organisiert. Sie hat Professoren gefragt, ob sie mitmachen, sich ums Essen gekümmert und um den ausgleichenden Sport zwischen den Lern- und Tüftelzeiten.

14 Mädchen sind dabei

„In Deutschland sind die meisten Ingenieurinnen Ausländerinnen“, erzählt sie. Das müsse nicht so bleiben. „Dabei sind naturwissenschaftliche Studiengänge für Mädchen kein Problem, wenn sie es wollen.“ Eine Woche in Ruhe arbeiten, ohne Jungs – das ist die Idee. „Gemischte Gruppen reagieren völlig anders“, hat William M. Megill beobachtet. Er ist Professor für Bionik an der Klever Hochschule. In gemischten Gruppen, sagt er, dominierten schon mal gerne die Jungs. Und die Mädchen seien tendenziell zurückhaltender. Obwohl sie total fit seien.

Jetzt stehen 14 Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren in der Bionik-Halle und bauen Modelle von Fischen oder Elefanten. Funktionsfähige Modelle: Die künstlichen Fische sollen schwimmen, die künstlichen Elefanten ihren Rüssel bewegen. Es geht hier und heute um bionische Prinzipien.

An anderen Tagen steht Mathematik im Mittelpunkt oder Physik. Quasi nebenbei gibt es handwerkliche Tipps: Wie geht man mit der Bohrmaschine um? Und warum sind Kabelbinder eine so tolle Erfindung? „Lebensretter“ nennt Carla Dias die Plastikbänder.

Angst vor Englisch geht verloren

Weil nicht alle helfenden Studenten und Studentinnen Deutsch sprechen, wird außerdem oft Englisch gesprochen. „Die Angst vor Englisch kriegen wir hier auch weg“, freut sich Megill.

Lotte (14) ist jedenfalls ganz begeistert. Sie besucht das Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und will später auf jeden Fall irgendetwas in der naturwissenschaftlichen Richtung machen. „Ich habe mich schon immer für technische Sachen interessiert“, erzählt sie. Hier lernt sie Mädchen kennen, die ganz ähnliche Interessen haben. „Das macht riesigen Spaß.“

Ein Mädchen ist sogar extra aus Köln gekommen, sie will demnächst an der Klever Hochschule studieren und nutzt die Gelegenheit, sich einen Eindruck von der HSRW zu verschaffen. Aber jetzt geht es erst einmal um ganz praktische Sachen. Wie kriegt man die Bauteile des Fischs so richtig fest? „Nimm Kabelbinder“, sagt Elise. Gelernt ist gelernt.

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