Landwirtschaft

Bei der Höfetour in Bedburg-Hau herrschte Hochbetrieb

Besuch im Kuhstall bei der Höfetour in Bedburg-Hau.

Besuch im Kuhstall bei der Höfetour in Bedburg-Hau.

Foto: Andreas Daams / NRZ Kleve

Bedburg-Hau.  Sechs landwirtschaftliche Betriebe in Bedburg-Hau nahmen an der Höfetour 2019 teil. In Ställen und Gewächshäusern herrschte Hochbetrieb.

Die Sonne lacht, die Fahrradfahrer schwitzen. Sechs landwirtschaftliche Betriebe in Bedburg-Hau nahmen am Sonntag an der Höfetour 2019 teil. Besseres Wetter hätten sich die sechs Unternehmen nicht wünschen können. Schließlich ist der Vorbereitungsaufwand enorm, von Verköstigung bis zu Toiletten, von unterhaltsamen Elementen bis zur seriösen Aufklärung über das, was man da eigentlich macht.

Norbert Paessens betreibt einen Milchviehbetrieb

Das ist zum Beispiel Norbert Paessens ein Anliegen. Gemeinsam mit seinen beiden Kindern und zwei Mitarbeitern betreibt er einen Milchviehbetrieb mit 360 Kühen. „Da wird immer viel über Massentierhaltung geredet, aber das ist so doch gar nicht richtig“, sagt er. Die Paessens haben viel investiert in ihre Ställe mit ausgefeilter Robotertechnik. „Wir haben mal mit 20 Kühen angefangen“, erinnert sich Paessens. Heute spazieren die Kühe selbstständig zu den Melkrobotern, wenn sie gemolken werden wollen. „Wir haben aber auch einige, die wollen hingeführt werden“, schmunzelt er. Die Milch wird geprüft, ehe sie in den Tank kommt. Kühe können sich von Bürsten automatisch schrubben lassen, wenn sie möchten.

30 Kubikmeter Gülle laufen täglich in die Biogasanlage

Es gibt Roboter, die den Spaltenboden säubern. Und eine Station, in der die Kühe bei Laufproblemen eine Art Pediküre bekommen – aber das von Hand. Bleibt die Gülle – ein Riesenthema in der öffentlichen Diskussion. Bei Paessens laufen 30 Kubikmeter Gülle täglich in eine eigens dafür errichtete Biogasanlage. Das Gas betreibt eine Turbine, deren Abwärme wiederum die Gülle auf die erforderliche Temperatur erhitzt. Der erzeugte Strom fließt zu einem Drittel in den Betrieb, der Rest wird ins Netz eingespeist.

Paessens: „Sonst wäre das nicht zu finanzieren.“ Vorteil für den Betrieb: Die Gülle kann ein Jahr lang lagern, bis sie im Frühjahr ausgebracht wird – wiederum von Maschinen, die die Nährstoffe direkt an die Wurzeln der Pflanzen bringen. Es ist schon spannend zu sehen, wie sich Landwirtschaft innerhalb weniger Jahrzehnte verändert. Das bestätigt Christa Boekstegers, die mit ihrem Mann und drei Mitarbeitern einen Gartenbau betreibt, spezialisiert auf Eriken, Primeln und Solanum.

Gartenbau Boekstegers stellte sich vor

Auch Boekstegers beteiligt sich an der Höfetour, um das Image der Landwirtschaft etwas aufzupolieren – und vielleicht einen Mitarbeiter zu finden. „Das ist extrem schwierig geworden“, sagt sie. 1950 begann der Betrieb mit Gemüse, die Spezialisierung war nötig, um weiter existieren zu können.

So gehen etwa 80 Prozent der Eriken nach Skandinavien, der Rest hauptsächlich an Aldi. Sorgenfrei arbeiten können sie nicht: „Mein Mann wird bei jedem Gewitter unruhig.“ So kamen letztes Jahr auf einen Schlag 100 Liter Regen runter – da mussten die Nachbarn beim Abpumpen helfen. Die zahllosen Besucher, die auch noch die Betriebe von Elverfeldt, Wellmanns, Reimer und Hannen abfuhren, dürften beim Einblick in die Familienbetriebe einiges dazugelernt haben.

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