Gemüsemarkt

Bauernmarkt Haus Riswick Kleve bietet nur regionale Waren

Wenn Biobauer Ludger Wittenhorst Kräuter und Salat in Tüten verpackt, dann nur in kompostierbaren Tüten aus Maismehl.

Wenn Biobauer Ludger Wittenhorst Kräuter und Salat in Tüten verpackt, dann nur in kompostierbaren Tüten aus Maismehl.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kreis Kleve.   Hier gibt es Eier, Kräuter, Fleisch und keine Bananen: Auf dem Klever Bauernmarkt machen sich fröhliche Bauern ernste Gedanken über das Wetter.

Das Wetter ist am sonnigen Markttag an Haus Riswick unter den Kunden kaum ein Thema. „Schön heute“. Ja, aber die sonnig-gut gelaunten Fachleute hinter den Ständen machen sich durchaus ernste Gedanken. „Die ersten Kartoffeln sind abgefroren“, sagt Heinrich Westerhoff („Bauer Heinrich ist mein Künstlername“).

Die ganze Natur braucht dringend Regen

„Trotz Folie und Vlies. Vier Grad waren zu kalt, einen Schaden haben alle.“ Die Pflanzen warfen Blätter ab und müssen nun neu Energie sammeln. Das wirft die Ernte um 14 Tage zurück.

„Zum Glück haben wir guten Boden in Schneppenbaum, sandig-lehmig. mit einer dicken Lehmschicht drunter.“ Beregnung ist für ihn „nicht interessant. Wenn das alle täten, sinkt das Grundwasser“ nennt der Landwirt die Zusammenhänge.

Klimaveränderungen merken die Bauern deutlich. „Die Extreme beim Wetter kommen zu schnell: zu heiß, zu trocken, zu nass“, sagt Westerhoff. Acht Sorten Kartoffeln, frühe späte, weich- und festkochend, hatte er im vorigen Jahr angeboten und allmählich seien skeptischen Kunden an die Rote Laura gewöhnt, rot außen, innen hell. „Ich konnte die Kunden überzeugen, von zwei Zentnern auf 25 Zentner Pflanzkartoffeln“, freut sich der Fachmann.

Kunden auf diesem Markt nur mit regionalen Waren (Westerhoff: „Hier gibt es keine Bananen“) sind aufmerksam. Viele sind Stammkunden, Haus Riswick für sie der soziale Treffpunkt. „Sind meine Enkelkinder schon durch?“ fragt eine Seniorin die Gemüsefrau.

Bio ist in aller Munde, manchmal findet es auch den Weg in den Magen. „Ein Biobauer pro Wochenmarkt, mehr kommen nicht“, beobachtet Ludger Wittenhorst, der mit seinem Bruder zusammen die Marktstände hier auf Riswick und samstags auf dem Klever Markt Linde bestellt. „Bio heißt standortangepasst“, also verkauft der Emmericher an Gemüse, was auf dem Sandboden des Eltenbergs gut wächst. „Von dem Feldsalat und dem Asia so rund 200 Gramm“, sagt die Kundin und Wittenhorst greift in den knackigen, etwas scharfen „Mizuma“, wiegt und strahlt: „Ich bin ein Frauenversteher“.

Eine andere Kundin kommt mit schlechtem Gewissen: „Ich habe die Tasche vergessen, nun muss ich doch Verpackungspapier nehmen.“ „Sie können es ja bügeln und wieder mitbringen“, witzelt der Bio-Bauer, der zwar auch Tüten anbietet, weil sich Salat und Kräuter darin besser transportieren lassen, aber natürlich Tüten aus kompostierbarem Maismehl.

„Die ganze Natur braucht dringend Regen. Biologischer Anbau hat eindeutige Vorteile“, sieht Wittenhorst. Weniger Kunstdünger, für deren Herstellung man Energie aufwenden muss. Man solle dem Acker nicht mit Gewalt Ernten abringen, „das ist auch für das Tierreich von Vorteil.“

Kühe mit Weidegang

„Das hier ist Fleisch von Kühen mit Hörnern, die Weidegang haben“ preist Bernd Verhoeven vom Rouenhof aus Kervendonk seine Bio-Burger an, die neben den Würstchen von Bullenkälbern auf dem Schwenkgrill brutzeln. Auch seine Lammhaxe und Lammrippchen sind kurz vor Ostern begehrte Ware. Fröhlich zeigt Verhoeven auf das Plakat in seinem Verkaufswagen, der ebenfalls samstags auf dem Klever Markt steht. „Das ist meine Katja, auf der der Künstler da reitet“, der Maler, der seine abstrakten Werke in der Klever Galerie Ebbers ausstellt.

Auch dem Bio-Züchter macht das Wetter Kopfschmerzen: „Die Trockenheit ist ein Riesenproblem. 2016 hat alles unter Wasser gestanden, 2017 war gut, voriges Jahr zu trocken und Wettergott Hubert Reyers sagt Regen nicht vor Mitte Mai voraus“. Verhoevens Ziegen lieben aber die Luzerne, Zottelwicke und roten Klee, damit sie für seinen Biokäse die Milch geben.

Grüne Eier sind würziger

„Für uns bleibt die einzige Möglichkeit, den Humusgehalt im Boden zu erhöhen. Dazu haben wir Klee und Getreide gesät. Aber das wird vertrocknen. Dann haben wir Tausend Euro Saatgut in den Sand gesetzt.“

Sand, darin scharren die Hühner, die bei Familie Benger in Freilandhaltung leben. Drei mobile Stallanlagen machen es möglich, dass sich die Wiesen dahinter erholen, erzählt Birgit Schüren.

Zu Ostern sind die grünlichen Eier, deren Gelb würziger schmeckt, besonders gefragt. Die aus Südamerika stammenden Grünleger sind aber empfindlichere Tiere, 350 von ihnen – und die zahlreichen traditionellen Kollegen mit weißen und roten Ohrscheiben und entsprechend weißen und braunen Eiern – sorgen dafür, dass Ostern kein Engpass entsteht.

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