Attacke

Festnahmen nach Angriff auf 17-Jährigen in VHS-Kurs in Goch

Drei junge Männer haben einen 17-Jährigen während eines VHS-Hauptschulabschlusskurses in der Leni-Valk-Schule angegriffen.

Drei junge Männer haben einen 17-Jährigen während eines VHS-Hauptschulabschlusskurses in der Leni-Valk-Schule angegriffen.

Foto: Stadt Goch/Torsten Matenaers

Goch.   Drei junge Männer drangen in Goch in einen VHS-Kurs ein und attackierten einen 17-Jährigen mit Waffen. Die Polizei hat sie festgenommen.

Die Polizei hat am Donnerstagvormittag alle Tatverdächtigen des brutalen Überfalls auf einen Jugendlichen während einer Volkshochschul-Veranstaltung in den Räumen der Leni-Valk-Realschule in Goch festgenommen. Bei der Attacke gegen 18 Uhr am Mittwochabend hatten drei junge Männer in dem Klassenraum einen 17-Jährigen mit einer Stange, einem Schlagstock und einer Softairpistole angegriffen und verletzt.

Elf Schüler im Alter zwischen 17 und 22 Jahren hatten an dem Lehrgang zum Erwerb des Hauptschulabschlusses unter Leitung eines 69-jährigen Dozenten teilgenommen, der von der VHS veranstaltet wird. Zwei der drei Eindringlinge schlugen unvermittelt auf den 17-Jährigen ein, auch noch, als dieser beim Versuch zu fliehen zu Boden stürzte. Ein dritter Täter verletzte ihn mit mehreren Schüssen aus einer Softairpistole am Rücken. Eine weitere Jugendliche, die sich während der Tat auf dem Flur vor dem Klassenraum aufgehalten hatte, flüchtete anschließend mit den Tätern. Der Tatort liegt im Erdgeschoss der Schule in einem Zwischentrakt, der vom Hauptgebäude in Richtung Neubau führt.

Festnahmen in Klever Wohnung und Schule

„Teilnehmer des VHS-Kurses haben drei der vier Personen erkannt“, sagte Michael Ermers, Sprecher der Kreispolizei Kleve, die eine zehnköpfige Ermittlungskommission eingerichtet hat. Am Donnerstagvormittag nahm die Kripo in einer Klever Wohnung eine 17-jährige Jugendliche und zwei Männer im Alter von 19 und 21 Jahren fest. Zudem stellten die Beamten als Tatwaffen einen Teleskopschlagstock und eine mit Gas betriebene Softairpistole sicher. Zur selben Zeit nahmen Polizisten in einer Klever Schule einen 22-jährigen Mann fest.

„Die Vernehmungen der Tatverdächtigen dauern an“, sagte Ermers am späten Nachmittag. Informationen daraus kündigte er für Freitagmorgen an. Dann werde auch die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob die drei festgenommenen Männer dem Haftrichter vorgeführt werden. Die 17-jährige Jugendliche, die nicht aktiv am Tatgeschehen beteiligt war, wurde am Donnerstagnachmittag aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen.

Das 17-jährige Opfer wurde mit einem Rettungswagen zum Krankenhaus gebracht, wo laut Polizei eine Platzwunde am Kopf, ein Fingerbruch und erhebliche Prellungen festgestellt wurden. „Auf eigenen Wunsch hat er das Krankenhaus verlassen“, stellte Polizeisprecher Michael Ermers fest. Der 17-Jährige stellte später fest, dass aus seiner Jacke Geld und ein Handy gestohlen worden waren. Sowohl der attackierte Jugendliche als auch die betroffenen Schüler und ihr Lehrer wurden von einem Team des polizeilichen Opferschutzes betreut.

VHS-Kurs wird weiterlaufen

„Wir sind sehr froh darüber, dass die polizeilichen Ermittlungen so früh zu einem Erfolg geführt haben“, sagte Torsten Matenaers, Sprecher der Stadt Goch. „Keiner der Tatbeteiligten geht zur Leni-Valk-Realschule oder ist Teilnehmer des VHS-Kurses.“ Bis auf den Tatort bestehe somit kein weiterer Zusammenhang zur Stadt Goch, so Matenaers. Dementsprechend sehe die Stadt aktuell keinen Anlass irgendwelche Konsequenzen aus dem Überfall zu ziehen. Der VHS-Kurs werde regulär weiterlaufen.

Theo Reintjes, Direktor der VHS Goch-Kevelaer-Uedem-Weeze, wird heute Abend zusammen mit Fachbereichsleiter Ruzhdi Kicmari die Teilnehmer des Kurses besuchen. „Das sind Leute, die sich dazu durchgerungen haben, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Wir wollen ihnen sagen, dass sie durch solch einen schlimmen Vorfall nicht locker lassen sollen“, stellte Reintjes klar, der zugleich betonte, dass der Ort des Angriffs nach bisherigen Erkenntnissen zufällig gewählt worden sei. „Mit der VHS oder Goch hat er nichts direkt zu tun.“

Dozent zeigte sich „betroffen, aber gefasst“

„Wir bieten den Teilnehmern und dem Dozenten alle mögliche Hilfestellungen über den Opferschutz der Polizei und die Unfallversicherung an“, sagte Reintjes. „Wer heute Abend nicht zum Kurs kommen möchte, gilt natürlich als entschuldigt. Den Termin aber abzusagen, wäre das falsche Signal.“ Reintjes hat bereits ein langes Gespräch mit dem Dozenten geführt, der sich darin „betroffen, aber auch sehr gefasst und objektiv“ gezeigt habe.

Die VHS-Leitung werde sich mit der Stadt Goch und der Polizei über eventuelle Schutzmöglichkeiten austauschen, kündigte Theo Reintjes an. „Wir sind aber eine offene Gesellschaft und wollen dies auch bleiben.“

„Ein solcher Angriff vor den Augen der anderen Teilnehmer und des Dozenten zeugt von einer besonderen Kaltblütigkeit“, sagte Michael Mertens, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), gegenüber der NRZ. Er geht von einer geplanten Tat aus. Ein Schulgebäude und eine Bildungsveranstaltung – das seien eigentlich Schutzräume: „So ein Vorfall besorgt die gesamte Öffentlichkeit“, mahnte Mertens. Es sei deswegen ganz wichtig, die Hintergründe jetzt rasch aufzuklären.

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau, sagte: „Gewalt darf in keiner Form in unserer Gesellschaft akzeptiert werden, dies gilt in besonderem Maße für Bildungseinrichtungen und Schulen.“ Ein angst- und gewaltfreies Lernklima sei eine entscheidende Voraussetzung für die Qualität des Unterrichts. Behlau weiter: „Eine klare Haltung gegen jede Form von Gewalt zu zeigen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – nicht nur in der Schule.“

Vor dem Hintergrund, dass es sich um eine Veranstaltung der VHS gehandelt habe, laufe der Betrieb an der Schule ganz normal, sagte Veronika Bergmann, Leiterin der Leni-Valk-Realschule, auf NRZ-Anfrage.

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