Blindenzeitung

Alles Wichtige zum Nachhören – nicht nur für Klever

Sie stehen für das Niederrhein-Echo: Arthur Hebben, Johannes Intveen, Margret Esser, davor lesend Werner Kuhnen.

Sie stehen für das Niederrhein-Echo: Arthur Hebben, Johannes Intveen, Margret Esser, davor lesend Werner Kuhnen.

Foto: Andreas Daams / NRZ

Kleve.  Woche für Woche wiederholt sich die Produktion der einzigen Blindenzeitung im Kreis Kleve. Niederrhein-Echo wird von Ehrenamtlichen verwirklicht.

Tonbänder und Kassetten waren gestern. Auch die dicken Standmikrofone, bei denen man nie wusste, wie man den Kopf nun halten soll, um gleichzeitig hineinzusprechen und dabei noch den Text lesen zu können, ohne ihn durchs Mikro zu verdecken. Heute sieht alles ganz professionell und modern aus in den Räumen der Kisters-Stiftung, wo die Leute vom Niederrhein-Echo sitzen. Ein Mitarbeiter überwacht die Pegel hinter der Glasscheibe im Technikraum, im Studio spricht ein anderer gerade einen Text ein.

Eine akustische Zeitung mit original niederrheinischem Sprechsound

Woche für Woche wiederholt sich die Produktion der einzigen Blindenzeitung im Kreis Kleve. „Blinde sind aufs Vorlesen angewiesen“, sagt Johannes Intveen, einer der 30 Personen, die ehrenamtlich die akustische Zeitung herstellen. Statt mechanischer Computerstimmen gibt es hier original niederrheinischen Sprechsound, im Hintergrund klirrt schon mal ein Löffel in einer Tasse Kaffee. Mehr als 90 Minuten pro Woche sprechen die Freiwilligen ein. Die Texte stammen aus regionalen Zeitungen, auch aus der NRZ.

„Alle sechs Wochen ist man dran, dann wählt man die Texte aus“, berichtet Margret Esser. Sie ist die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins. 24 Gliederungsebenen hat die gesprochene Zeitung, darunter findet sich die Rubrik Heiteres, aber auch lokale Politik, Gerichtsberichte, Kirchliches und Vereinsgeschehen. Die Daten gehen am selben Tag noch an ein Kopierwerk, in dem die Texte früher auf Kassette gezogen wurden. Heute erscheinen sie als CD und im Daisy/MP3-Format, so dass man sich die Zeitung wie ein Hörbuch herunterladen kann.

Ein Massenpublikum hat das Niederrhein-Echo nicht

Ein Massenpublikum hat das Niederrhein-Echo nicht. „Wir hatten mal 30 Hörer, aktuell liegen wir bei etwa 20“, erzählt Arthur Hebben, einer der ehrenamtlichen technischen Mitarbeiter.

Als Karl-Heinz Gottlob und Kurt Gockel 1982 damit begannen, die Idee einer kreisweiten Hörzeitung umzusetzen, fand die Produktion noch im heimischen Wohnzimmer statt. Seit 1993 darf der gemeinnützige Verein die Räume der Kisters-Stiftung nutzen, zunächst in der Kermisdahlstraße, nun in der Boschstraße.

48 Euro kostet das Abo der Blindenzeitung im Jahr

Aber wie gewinnt man neue Abonnenten? 48 Euro kostet das Abo im Jahr, nur können Blinde keine Flyer lesen, die der Verein an verschiedenen Stellen ausgelegt hat. „Wir sind darauf angewiesen, dass Angehörige oder Freunde den Betroffenen von uns berichten“, sagt Hebben. Außerdem sucht das Team neue Mitstreiter, die die Texte einsprechen oder bei der Technik helfen.

„Ich bin 1990 durch einen Zeitungsartikel auf das Niederrhein-Echo aufmerksam geworden und seitdem dabei“, erzählt Margret Esser. Ihr macht der ehrenamtliche Einsatz sichtlich Spaß.

Interessenten, die mitmachen oder aber die Zeitung hören wollen, können sich bei Margret Esser, , oder Johannes Intveen, , melden.

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