Niederrheiner in Afrika

16 Mediziner und Techniker helfen im Buschkrankenhaus

Eher ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz für den Kevelaerer Zahnarzt Dr. Roland Klein.

Eher ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz für den Kevelaerer Zahnarzt Dr. Roland Klein.

Foto: Aktion pro Humanität

Am Niederrhein/Gohomey.  Was für ein Einsatz! 16 Mediziner und Techniker vom Niederrhein arbeiten zehn Tage lang im Buschrankenhaus in Benin, Westafrika. Ehrenamtlich.

Es ist wieder so etwas wie eine Reise in eine andere Welt. Vor wenigen Tagen haben sich 16 Ärzte, Techniker und Helfer vom Niederrhein auf den Weg nach Westafrika gemacht – ehrenamtlicher Einsatz im Buschkrankenhaus der „Aktion pro Humanität“ in Benin.

Ehrenamtlich im Einsatz

Die Kevelaerer Medizinern und APH-Gründerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers und ihr Mann Peter Tervooren haben mit ihrem Team monatelang daraufhingearbeitet – da wurden OP-Pläne aufgestellt, Einsatzlisten geschrieben, Materialien zusammengestellt, Spenden ertrommelt, Urlaube geopfert. Nun arbeiten die Niederrheiner bei mehr als 35 Grad, Dauerregen und dampfender Schwüle im westafrikanischen Busch, in Gohomey, dem spendenfinanzierten Krankenhaus der APH, das seit fast fünf Jahren nun auch einen Operations-Container hat. Ein Segen für die Bevölkerung vor Ort.

Chef de Mission ist einmal mehr Dr. Johannes Kohler, der viele Jahre als Chefarzt der Chirurgie am Krankenhaus in Xanten wirkte und seit seinem Unruhestand wieder in Baden-Baden lebt – dem Niederrhein und APH ist er treu geblieben.

Und er hat ein engagiertes Team an seiner Seite: natürlich seine Frau Beate, die sich u.a. um die medizinischen Dokumentationen kümmert; OP-Pfleger Dirk Henricy (St. Josef Hospital Xanten); Anästhesist Dr. Wolfgang Paul (St.-Clemens-Hospital Geldern), Annemarie Pieper (Intensivschwester aus Xanten) mit ihrem Mann, dem Moerser Kinderarzt Hans Hermann Pieper; Dr. Rüdiger Kerner (Chefarzt am Marienhospital Kevelaer) mit „seinem“ Endoskopie-Team Hildegard Kleinen und Dr. Rosa Tuinenborg (beide Marienhospital) und Silvia Kölbel; dem Kevelaerer Ärzteehepaar Dr. Roland Klein (Zahnarzt) und Angelika Klein (Allgemeinmedizinerin) und ihrer Tochter Dr. Kathrin Sophie Klein (frischgebackene Zahnärztin); und dann natürlich Dr. Elke Kleuren-Schryvers und Peter Tervooren (Kevelaer) und aus Mannheim der Fotograf Johannes Vogt, der in den APH-Anfangsjahren vor mehr als 20 Jahren einmal Projektleiter in Benin war.

Mehr Informationen zur Aktion pro Humanität finden Sie hier

Zu den ganz sicher schönsten Momenten der ersten Tage in Gohomey gehörte die offizielle Inbetriebnahme des neu gebauten Bettenhauses – nun ist Platz für etwa 65 Patienten – und man darf hoffen, dass sich künftig nicht mehr zwei Kranke ein Bett teilen müssen.

In der neuen Pädiatrie, der kleinen Kinderabteilung, herrscht Hochbetrieb. „225 Kinder sind hier seit dem 1. November schon behandelt worden“, berichtet Dr. Elke Kleuren-Schryvers. Nach lang anhaltenden kräftigen Regenfällen mit schweren Überschwemmungen sind viele Kleinkinder aber auch Erwachsene an Malaria erkrankt, leiden an Darm-Infektionen, häufig auch an Meningitis.

Ein Schicksal berührt besonders

Die Überflutungen der Felder – eine für Benin ungewöhnliche Situation – hat die Ernte zerstört. Etwa 3500 Menschen in der Region rund um Gohomey haben ihre Hütten und ihren gesamten Besitz verloren. Die Niederrheiner haben zu Beginn der Woche ein Soforthilfeprogramm gestartet und selbst Hilfsgüter in die

betroffenen Gebiete gebracht – u.a. Moskitonetze, Decken, Lebensmittel, Medikamente.

Ein Schicksal berührt das gesamte Team in diesen Tagen ganz besonders: Johannes Kohler und sein Team operierten einen achtjährigen Jungen, der seit sieben Jahren nach einem schlimmen Unfall mit einer krummgewachsenen Unterschenkelverletzung sich nur auf den Knien rutschend oder sehr stark und schief humpelnd fortbewegen konnte. Der Vater des Jungen starb vor vielen Jahren, die alleinstehende Mutter hat kein Einkommen – schon gar nicht für eine Operation.

In einem mehrstündigen Eingriff konnte das Bein gerichtet werden – der Junge hat eine Chance, aufrecht gehen zu können.

Es sind wohl diese Momente, die die Mediziner und Techniker immer wieder antreiben, sich ehrenamtlich auf den Weg nach Afrika zu machen und im Buschkrankenhaus der APH zu helfen.

Und dann noch das: Am Abend eines anstrengenden Tages wurde das APH-Team von Voodoo-Priestern in der Nachbarschaft zu einem kleinen Fest eingeladen. Eine besondere Ehre – wenn auch etwas ungewöhnlich für niederrheinische Europäer.

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