Kirchenkreis hilft im Kongo

„Wir sind dort Partner, keine Besserwisser“

Hier werden Kinder in einer Gesundheitsstation gegen Masern geimpft. Im Kongo, wo der Evangelische Kirchenkreis Iserlohn seit 1985 Partner ist, sind Bildung und Gesundheit ohne die Unterstützung kaum denkbar.

Hier werden Kinder in einer Gesundheitsstation gegen Masern geimpft. Im Kongo, wo der Evangelische Kirchenkreis Iserlohn seit 1985 Partner ist, sind Bildung und Gesundheit ohne die Unterstützung kaum denkbar.

Foto: Privat

Iserlohn.   Seit 1985 arbeiten der Kirchenkreis Iserlohn und Gemeinden im Kongo als Partner zusammen. Mehrere hunderttausend Euro sind geflossen.

Auf dem Tisch im Pfarrhaus der Letmather Friedens-Kirchengemeinde liegt ein fliederfarbener Reisepass. Er gehört dem Pfarrer Burckhardt Heinrich Hölscher (64). Es ist dem Seelsorger ein Herzensanliegen, noch einmal zu erleben, wie sich die Partnerschaft mit den Freunden im Glauben entwickelt hat, seit man 1985 beschlossen hat, im Kongo zu helfen, einem der ärmsten Länder, das reich an Liebe und Mitgefühl ist.

34 Jahre später, nicht mehr lange vor Burckhardt Hölschers Ruhestand, wird die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises, Dr. Martina Espelöer, wie auch Pfarrer Martin Ahlhaus, der Ingenieur Hans Zimmermann sowie die Ärztinnen Dr. Ute Müller und Heike Völkner, nach Ostern gemeinsam mit ihm nach Boende und Lofoy am Äquator reisen. Sie will sehen, was geschaffen worden ist während der Jahrzehnte der Zusammenarbeit, in denen mehrere hunderttausend Euro gesammelt und wertvolle medizinische Geräte übers Meer gelangt sind, wo Schulen gebaut und Krankenstationen errichtet wurden, wie sich die Region verändert hat, die nahezu unberührt ist von den mörderischen Kämpfen andernorts im Kongo, weil es dort keine reichen Bodenschätze gibt, für die es zu töten lohnen würde, so das zynische Kalkül der Warlords.

„Es geht“, sagt Pfarrer Hölscher, „auch um die Verbundenheit und Einheit im Glauben und um die Würdigung der kulturellen Unterschiede, die es nach wie vor gibt und weshalb man sich zwar näher begegnen kann, aber immer noch nicht auf Augenhöhe. „Aber das Selbstbewusstsein“, ist Burckhardt Hölscher überzeugt, „das ist stetig gewachsen in der Zeit der Partnerschaft, die am Anfang eine Patenschaft war, aber von oben herab will man sich schon lange nicht mehr begegnen“.

Martina Espelöer wird, wenn alle in zwei Wochen heil gelandet sind und mit dem Flugzeug, durch den Busch und über den Kongo-Fluss in Lofoy angekommen sind im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, die so demokratisch leider nicht ist, wie der Name verheißt, einen Vertrag unterschreiben, der die Partnerschaft weiter besiegelt und vertiefen soll, auf dass in weiteren 34 Jahren vielleicht die Augenhöhe, die Burckhardt Hölscher so wichtig ist, erreicht werden wird. „Wir erneuern den Vertrag bewusst alle fünf Jahre“, sagt Burckhardt Hölscher, wir definieren die Ziele neu, es geht immer weiter, diese Partnerschaft bleibt nicht stehen.“

Eliki Bonanga ist Präsident der Kirche der Jünger Christi im Kongo, 45.000 Mitglieder haben die Gemeinden in Boende und Lofoy, die seit fast vier Jahrzehnten mit dem Kirchenkreis Iserlohn verbunden sind. „Die Kirche ist dort ein Hoffnungsträger, die Gemeinden wachsen, es ist – wenn man es genau nimmt – genau anders herum, wenn wir das von hierzulande aus betrachten“, sagt Superintendentin Martina Espelöer. Die Kirche ist Hoffnung, weil es ohne sie keine Schule, keine Bildung, keine medizinische Versorgung, keine Ausbildung, mithin keine Zukunft gäbe. „Wenn wir über Fluchtursachen sprechen, die Menschen dazu bringen, Schwarzafrika zu verlassen, dann sehen wir hier, was man erreichen kann, wenn man den Menschen eine Perspektive gibt.“

600 Patienten werden jedes Jahr in der Station versorgt

Es gibt viel mehr. In Bonsombo, einem Dorf mit Krankenstation, wird es nach dem Besuch der Iserlohner ein zweites Ultraschallgerät geben. Es wird mit der Kraft der Sonne betrieben. Es gibt viel Sonne dort nahe am Äquator aber wenig von dem, was wir hier Elektrizität nennen. In den Gesundheitszentren, die in den vergangenen Jahren mit den Spenden und der Unterstützung aus Iserlohn aufgebaut werden konnten, werden jedes Jahr 6000 Patienten versorgt. Die Grundschulen, die es schon gibt, werden weiter ausgebaut, neue errichtet, allein in den vergangenen zehn Jahren sind annähernd 200.000 Euro von hier aus in den Kongo geflossen, viele hunderttausend Euro mehr, seit es die Partnerschaft gibt. Die Bedingungen für die Menschen haben sich seit 1985 deutlich sichtbar verbessert. Das merkt man ihnen an. „Das Selbstbewusstsein wächst. Wir können viel von den Partnern und Freunden dort lernen“, sagt Burckhardt Hölscher. Vielleicht die Gabe, auch das Leben und die kleinen Dinge als Glück zu begreifen? „Auch das“, sagt der Pfarrer.

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