Stadtleben

Vollkornbrot statt Super und Diesel

Seit Anfang April verkauft Bäckermeister Torsten Woeste seine Backwaren auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle Barfs an der Westfalenstraße. Die Kunden können dort direkt vor der Ladentür parken

Seit Anfang April verkauft Bäckermeister Torsten Woeste seine Backwaren auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle Barfs an der Westfalenstraße. Die Kunden können dort direkt vor der Ladentür parken

Foto: Michael May

Iserlohn geschäftlich.   Bäckermeister Torsten Woeste verkauft seine Produkte jetzt verkehrsoptimiert - an einer früheren Tankstelle an der Westfalenstraße.

Die große Überdachung mit der auffälligen, gelb-roten Beschriftung könnte stilistisch auch zu einer neuen Tankstellenkette gehören. Ziemlich groß, ziemlich plakativ. Die Einfahrt mit den Durchfahrtsgassen ist ebenfalls dafür typisch, doch wo Zapfsäulen stehen müssten, sind jetzt Blumenkübel zu finden. Torsten Woeste hat den Verkaufsbereich der früheren Tankstelle Barfs an der Westfalenstraße 14 für seine „Vollkornbäckerei“ wiederbelebt. Seit Monatsbeginn gibt es dort Brot und Backwaren in Bio-Qualität.

Torsten Woeste, seit 15 Jahren Bäckermeister im eigenen Betrieb, produziert mit seinen Mitarbeitern an der Hansbergstraße am Rande des Gewerbegebietes Calle. Das wird auch so bleiben, denn nach einem Anbau hat er seinen Mietvertrag aktuell um zehn Jahre verlängert. Bislang befand sich seine eigene Verkaufsstelle an der Mendener Straße, wo es während der Öffnungszeiten meist nur wenige freie Parkplätze gab. „Die Leute kommen nur, wenn ein Parkplatz frei ist, sonst fahren sie vorbei“, lautet Woestes Erfahrung. Es sei schon 13 Jahre her, erzählt er, als ihm ein Kunde den Tipp gab, er solle sich für den Verkauf eine aufgegebene Tankstelle suchen. Dort könnten die Kunden dann prima vorfahren und einkaufen.

Nur die alte Nachbarschaft vermisst die kurzen Wege

„Wir haben halt immer sowas gesucht“, erzählt der Bäckermeister rückblickend, der den Hinweis auf die Tankstelle Barfs ebenfalls von einem Kunden bekam. Nach der Insolvenz stand das Gebäude teilweise leer, hat inzwischen einen neuen Besitzer aus dem Kraftfahrzeuggewerbe. Familie Barfs hatte im hinteren Bereich immer auch eine Werkstatt betrieben.

Die Planung für seinen neuen Verkauf begann schon im vergangenen Jahr, konnte letztlich aber erst jetzt im Frühjahr realisiert werden. Ein Schreiner aus Oestrich hat die Inneneinrichtung erstellt, dabei auch Teile des bisherigen, mittlerweile geschlossenen Ladens an der Mendener Straße genutzt. Sie besteht aus Lärchen- und Buchenholz – nachhaltig, regional und natürlich nach den Vorgaben des Lebensmittelrechts. Dort gibt es nun sein bekanntes Brot- und Brötchen-Sortiment aus vollem Korn und in Bio-Qualität, ergänzt um ein kleines Sortiment an Bio-Produkten und neuerdings auch Snacks und Getränke zum Mitnehmen oder Sofortessen.

Die Zahl der Kunden in seiner Verkaufsstelle sei enorm gestiegen, berichtet Torsten Woeste. „Die meisten sind begeistert“, sagt er über die Reaktion der Kunden. Nur wer bisher zu Fuß zur Mendener Straße kam, ist über den Umzug weniger erfreut. Kritische Kunden haben nach einer möglichen Belastung des Bereichs durch die frühere Tankstelle gefragt. Woeste kann das entkräften, denn erfolgte Bodenproben hätten keine Belastung gezeigt.

30 Mitarbeiter und viele Verkaufsstellen in der Region

Weitere Verkaufsstellen hat Woeste übrigens nicht in Planung. Mit seinen Produkten und über 40 Wiederverkäufern – etwa Bioläden und Reformhäuser – in einem durchaus weiten Umkreis sieht sich Woeste daher wirtschaftlich in einer „relativ glücklichen Situation“, wie er sagt. Die Bio-Produkte seien sehr gefragt. „Nische kann man nicht mehr sagen.“ Der Betrieb ist mittlerweile die größte Bäckerei in Iserlohn. Neben ihm selbst und seiner Ehefrau Bianca arbeiten 30 Personen für die Vollkornbäckerei Woeste: neun in der Backstube, acht im Verkauf, hinzu kommen Fahrer und Reinigungskräfte.

Der Mann, der ihm seinerzeit die Idee mit der Tankstelle gegeben habe, sei kurz nach der Eröffnung in der neuen Filiale gewesen, erzählt Torsten Woeste. „Der Kunde war zufällig da und konnte sich nicht mehr an den Tipp erinnern. Aber er fand es toll.“

Was fehlt, ist die elektronische Anzeigetafel mit dem aktuellen Brötchenpreisen, wie man es von der „Tanke“ gewohnt ist. Die wird es natürlich auch dauerhaft nicht geben, aber immerhin: Eine Tafel mit den Firmen auf dem alten Barfs-Gelände soll demnächst aufgestellt werden: die Bäckerei, eine Autovermietung und zukünftig ein Reifenhandel.

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