Nutzungsuntersagung

Vereine entsetzt über JuZ-Schließung

Verwaist sind seit Donnerstag die Flure des Jugendzentrums am Karnacksweg, in dem unter anderem bislang die Jugendkunstschule ihre Räume hatte.

Verwaist sind seit Donnerstag die Flure des Jugendzentrums am Karnacksweg, in dem unter anderem bislang die Jugendkunstschule ihre Räume hatte.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Dass ihnen die Nutzungsuntersagung für das JuZ Karnacksweg nicht persönlich mitgeteilt wurde, macht Vertreter von Gruppen und Vereinen wütend.

Große Fassungslosigkeit herrscht seit dem späten Donnerstagnachmittag bei den Vertretern von Vereinen und Organisationen, die bislang im Jugendzentrum (JuZ) Karnacksweg untergebracht waren. Wie berichtet hat die Stadt Iserlohn ihnen die Nutzung ab sofort untersagt, weil die Baugenehmigung ausschließlich eine Nutzung als Jugendzentrum erlaubt.

Dr. Reinhard Veit, Vorsitzender des Vereins Jugendkunstschule, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich bin aufgebracht.“ Am Donnerstagnachmittag habe einer der Dozenten im Flur von JuZ-Leiter Frank Bathe erfahren, dass die Räume im Obergeschoss ab sofort nicht mehr nutzbar seien. „Er hat ihm dann den Zettel mit dem Schreiben der Stadt in die Hand gedrückt, ich wurde persönlich noch nicht von offizieller Seite informiert“, erzählt er. Veit kann den Umgang mit der Jugendkunstschule, immerhin anerkannter Träger der Jugendhilfe, überhaupt nicht nachvollziehen. „Die Stadt hat doch eine gewisse Verpflichtung unserer Einrichtung gegenüber“, sagt er. Und er fragt sich: „Was sind wir eigentlich wert?“

Den Dozenten würde durch die Nutzungsuntersagung sozusagen ein Arbeitsverbot sowie den Kindern und Jugendlichen ein Lernverbot erteilt. Laufende Kurse müssen abgesagt, Gebühren zurückgezahlt werden. „Wir werden behandelt wie der letzte Dreck“, lautet der Eindruck von Dr. Reinhard Veit.

Für das „FriedensPlenum“ und den Verein Friedensfestival erklärt Detlev Paul: „Wir sind natürlich erstmal geschockt, weil wir immer davon ausgegangen sind, dass Drittgruppen zum Konzept des Hauses gehören und wir somit Bestandteil des JuZ sind.“ Die Nachricht treffe die Gruppen unerwartet, eine schriftliche Information von Seiten der Verwaltung habe es bis dato nicht gegeben. Paul selbst ist Mitglied im Mitbestimmungsgremium des JuZ. „Wir haben immer alles, was getan wird, mit den Beschäftigten abgesprochen“, sagt er. Und: „Wir wünschen uns, dass das JuZ als soziokulturelles Zentrum erhalten bleibt – sobald sichergestellt ist, dass keine Gefahr für Leib und Leben besteht.“ „FriedensPlenum“ und Friedensfestival-Verein seien nun auf der Suche nach alternativen Räumen.

Martin Stolte, Erster Beigeordneter sowie Ressortleiter Generationen und Soziales, hatte das Schreiben, das am Donnerstag adressiert an „alle Nutzer des Jugendzentrums Karnacksweg“ herausgeschickt wurde, in Vertretung unterzeichnet. Die Kritik angesichts des aus Nutzersicht schlechten Informationsflusses aus Richtung Verwaltung weist er deutlich zurück: „Es blieb uns in der Kürze der Zeit gar nichts anderes übrig, als die Nutzer teils im Vorbeigehen zu informieren.“ Er bezeichnet die Nutzungsuntersagung, die sich niemand „ohne Weiteres nebenbei ausgedacht“ habe, als „total bedauerlich“.

Alternativen sollen so schnell wie möglich angeboten werden

Stolte kündigte am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass mit Hochdruck nach Möglichkeiten gesucht werde, den Gruppen und Vereinen anderweitig Räume anzubieten. „Wir wollen möglichst ab Dienstag eine Übersicht haben, die kurzfristige Unterbringung zu klären.“ Ebenso kündigte er an, dass dann „vom Rathaus direkt auf die Nutzer zugegangen“ werde. Der Erste Beigeordnete weiß, dass ein Umzug für viele Nutzer „natürlich einen Rückschritt“ bedeute.

Gleichzeitig verspricht er, dass gemeinsam mit Fachleuten möglichst schnell geschaut werde, wie das Haus wieder nutzbar gemacht werden könne. Ob und wie das gelingt, vermochte er noch nicht zu sagen. Auch Martin Stolte ist sich darüber bewusst, dass am Karnacksweg über Jahrzehnte „ein Konzept entstanden ist, aus dem viele Kooperationen entstanden sind“. Doch letztlich zähle eben die Sicherheit der Nutzer beziehungsweise Kunden, und die sei derzeit nicht gewährleistet.

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