Stadtentwicklung

Richtfest Am Zeughaus 14: IGW-Aushängeschild nimmt Form an

Fast wäre es nicht mehr zu retten gewesen: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Ecke Am Zeughaus/Südengraben soll mit historischen Ziegeln von der Oberen Mühle wieder „aufgepäppelt“ werden.

Fast wäre es nicht mehr zu retten gewesen: Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus an der Ecke Am Zeughaus/Südengraben soll mit historischen Ziegeln von der Oberen Mühle wieder „aufgepäppelt“ werden.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  Das vormals einsturzgefährdete Fachwerkhaus Am Zeughaus 14 hat Richtfest gefeiert, im Sommer soll hier ein Café-Bistro öffnen.

Als Julia Kunze am Samstagvormittag zum Zimmermannshammer greift und auf dem Dachstuhl des entkernten Fachwerkhauses Am Zeughaus 14 den symbolischen letzten Nagel attackiert, zählen die Besucher des Richtfestes am Erdboden zunächst noch die Schläge mit. Schon bald hämmert die Diplom-Ingenieurin jedoch so eifrig, dass jede Hoffnung auf eine belastbare amtliche Angabe verloren ist – der allgemeinen Hochstimmung tut das jedoch keinen Abbruch.

Prestigeprojekt erhält Altes und schafft neues Leben

Diese Handwerksleistung von Julia Kunze, Leiterin des Bereichs Bestands- und Stadtentwicklung bei der IGW, kann zumindest in Sachen Engagement gleichziehen mit dem Vortrieb, den die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft bei der Umgestaltung des Quartiers am Fritz-Kühn-Platz entfaltet hat. Das denkmalgeschützte Fachwerkhaus zählt zweifellos zu den besonderen Prestigeprojekten der IGW, nicht zuletzt, weil sich die Rettung der historischen Bausubstanz so schwierig gestaltete. Verfaulte Stützbalken, eingesunkene Fußböden: es grenzt an ein Wunder, dass der Bau vor Einsturz und vollständigem Abriss bewahrt wurde.

Auch die Zielsetzung ist ambitioniert: In Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) soll hier im Sommer 2020 ein Café-Bistro öffnen, das nicht nur das Vakuum gastronomischer Angebote in diesem Bereich füllen, sondern auch Langzeitarbeitslosen über vom Jobcenter geförderte Qualifizierungsmaßnahmen Rückwege in den ersten Arbeitsmarkt ebnen soll. „Wir hoffen, dass man hier im Juni den ersten Cappuccino trinken kann“, erklärte IGW-Chef Olaf Pestl. Was am Ende auf der Speisekarte stehen wird, ist noch nicht klar, für wichtig erachten die Verantwortlichen aber in jedem Fall einen Mittagstisch.

AWO-Leiter Meinolf Remmert berichtete von „intensiven Gesprächen“, die derzeit mit dem Jobcenter geführt würden. Sorge vor Abstrichen bei der kulinarischen Qualität müssten zukünftige Gäste nicht haben: „Da wird immer unter der Anleitung von Fachpersonal gearbeitet. Im Ergebnis wird man wahrscheinlich gar nichts davon merken.“ Als Aufsichtsratvorsitzender würdigte auch Michael Schmitt beim Richtfest den „langen Weg“, den das Projekt seit der Abbruchverfügung von 2015 beschritten hat und zeigte sich zuversichtlich, dass im Quartier ein „echtes Aushängeschild“ entstehe. „Ich freue mich, dass wir alte Gebäude mit neuem Leben füllen“, sprach er buchstäblich von oben herab, nachdem die Glocken der Bauernkirche dem kleinen Nachbarn ein Ständchen geläutet hatte.

Café-Bistro soll zumindest die schwarze Null schaffen

Als besondere Herausforderung nannte Olaf Pestl auch die beengten Verhältnisse, die die Zufahrt mit Lkw genauso erschweren wie das ortsnahe Vorhalten von Material. Aus der Nähe betrachtet macht das Ergebnis einen soliden Eindruck. Das hölzerne Skelett des Gebäudes macht jeden Raum sichtbar, von innen lässt sich von jedem Standort aus die Umgebung betrachten. Das soll sich schon bald ändern, wenn die Gefache wieder aufgefüllt werden – um dabei so viel historische Bausubstanz zu verwenden wie möglich, werden sich die Handwerker an Ziegeln von der Oberen Mühle bedienen, die zeitlich und räumlich einen vergleichbaren Ursprung haben.

Bei der Herrichtung als Gastwirtschaft rechnet Olaf Pestl nicht mit Schwierigkeiten: „Im Altbau wird nur der Schankraum entstehen, die Küche können wir im Neubau dahinter betreiben.“ Preislich ist für die Getränke und Speisen ein durchschnittliches Niveau zu erwarten – zwar fallen die Personalkosten durch den Einsatz von Langzeitarbeitslosen teilweise geringer aus, die Gastwirtschaft (für die IGW und AWO noch eine gGmbH gründen wollen) soll sich aber von selbst tragen, betont Pestl: „Zumindest die schwarze Null sollte es schon sein.“

Lob für das Projekt findet auch Caritas-Quartierslotse Uwe Browatzki, der sich wünscht, dass den Teilnehmern der Qualifizierungsmaßnahmen so weit als möglich Vollzeitstellen angeboten werden: „Das gelingt oft nicht, wäre für die Menschen aber sehr wichtig, damit sie von ihrer Arbeit leben können und eine echte Chance erhalten, den Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen.“

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