Homeschooling

Plan B konnte beim Stenner in der Schublade bleiben

Das Abrufen der E-Mails und der Aufgaben kann bei "IServ" auch über das Handy erfolgen.

Das Abrufen der E-Mails und der Aufgaben kann bei "IServ" auch über das Handy erfolgen.

Foto: Privat

Iserlohn. Nach holprigem Start Anfang der Woche läuft am Stenner-Gymnasium der digitale Unterricht über die Plattform „IServ“.

Sicherlich sei das frustrierend und auch ärgerlich gewesen. Gerade das Gymnasium An der Stenner, das seit fast zwei Jahren, und damit lange vor Corona und dem aktuell ja vorgeschriebenen Distanzunterricht, mit der Nutzung von „IServ“ einer der Vorreiter bei der Digitalisierung in den Iserlohner Schulen war, hatte zu Beginn der ersten Schulwoche im neuen Jahr unter den bundesweiten Technik-Problemen der Schulplattform zu leiden.

„Heute läuft es aber abgesehen von einem fünfminütigen Ausfall des Systems ganz gut“, stellte Schulleiter Stefan Schmoldt fest und hatte bis zum späten Mittwochvormittag zumindest noch von keinen größeren Problemen gehört. „Ich hatte selbst zwei Videokonferenzen, die liefen heute technisch einwandfrei“, berichtete Schmoldt. Schon am Dienstag habe es nur noch bei einer von seinen zwei Konferenzen ein kleines Problem gegeben, nachdem die Video-Funktion zuvor ja komplett ausgefallen war. „Wir hatten daher schon einen Plan B, nämlich den Umstieg auf eine reine Videokonferenz-Plattform, auf den wir jetzt aber wohl erst mal nicht zurückgreifen müssen“, sagte der Leiter der Europaschule.

Generell sollten die Videokonferenzen auch nur eine Begleitmöglichkeit für den Unterricht sein. Die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern laufe zudem über jeweils für die Klassen oder Kurse eingerichtete Foren, über E-Mail und Messenger und vor allem über das Aufgaben-Modul. Während dabei in der Sekundarstufe II jeder Lehrer selbst den Zeitpunkt bestimme, wann er die Aufgaben zur Verfügung stelle (und bis wann die Schüler ihre Antworten hochzuladen haben), wäre bei den Klassen 5 bis 10 immer der Mittwoch der entscheidende Tag. „Insofern dürften wir da durch die ,IServ‘-Probleme keine Zeit verloren haben“, sagte Schmoldt, der gleichwohl in einer Mail ans Kollegium darauf hinweisen möchte, den Schülern auch eine entsprechende Karenzzeit aufgrund des holprigen Starts einzuräumen.

Die von „IServ“ an anderer Stelle am Dienstag geäußerte Erklärung, dass veraltete Technik in den Schulen für Probleme beim Einloggen und dem Laden von Seiten verantwortlich sei, kann auf das Stenner-Gymnasium nicht zutreffen. Beim Internetanschluss habe man bereits in den vergangenen Monaten eine Nachjustierung vorgenommen, so dass es dort zu keinerlei Engpässen mehr kommen kann. „Und unsere Hardware ist von ,IServe‘“, sagt Schmoldt. Die Anschaffungskosten für den Server seien 2019 nur ein verhältnismäßig kleiner Posten in der großen Investitionssumme von 16.000 Euro gewesen. Die laufenden Kosten liegen indes bei jährlich nur vier Euro pro Schüler. Ein zweitägiger Ausfall, so ein Ärgernis er mit Blick auf die Unterrichts- und Tagesplanung auch sei, falle da nicht groß ins Gewicht. „Wenn es häufiger vorkommen sollte, was wir nicht hoffen, müssen wir natürlich mit denen mal reden.“ Generell reagiere das Braunschweiger Unternehmen stets sehr schnell, wenn man Probleme melde.

Schmoldt persönlich hatte übrigens in den letzten Tagen nur zwei Rückmeldungen aus der Elternschaft: eine E-Mail und ein „sehr konstruktives Telefonat“ mit einem Vater. „Vieles wird aber sicherlich auch bei den Lehrern aufgelaufen sei “, vermutet der Schulleiter. Und es war natürlich auch Thema in den sozialen Netzwerken, und das bisweilen auch mal mit einem Augenzwinkern wie bei Sandra-Maria Erdmann, die am Dienstag in ihrer Instagram-Story schrieb: „Oha! Das Homeschooling-Portal der Jungs ist schon an Tag 2 in die Knie gegangen . . . Dann gehe ich mal ganz oldschool ein paar Vokabeln abfragen.“ Das würden die beiden aber sowieso zwischendurch immer auch so machen, erzählt die Autorin, deren Söhne in die Klassen 7 und 8 der Europaschule gehen, während ihre Schwester die Realschule Letmathe besucht. „Da lief der digitale Unterricht übrigens bislang ganz problemlos, und auch am Montag hatten wir mit ,IServ‘ noch keine größeren Probleme“, berichtet Sandra-Maria Erdmann. Überhaupt gehöre ihre Familie jetzt sicherlich auch nicht zu diejenigen, bei denen Homeschooling prinzipiell Probleme bereite: Durch ihre freiberufliche Tätigkeit könnte sie die Kinder derzeit gut daheim betreuen. Außerdem hätten alle den nötigen Raum, die Ruhe und vor allem auch die technische Ausstattung, um am digitalen Unterricht teilzunehmen: „Aber das ist ja leider nun einmal nicht in jeder Familie so.“
An dieser Stelle möchte die Heimatzeitung nachhaken: Schildern Sie uns Ihre und die Erfahrungen Ihrer Kinder und Jugendlichen im derzeitigen Homeschooling. Sie erreichen uns unter Telefon 02371/822-222 oder per E-Mail an redaktion@ikz-online.de. Bei der Berichterstattung kann auf Wunsch auch auf die Nennung Ihres Namens verzichtet werden.

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