Corona-Krise

Ostern fällt in diesem Jahr aus

Solche Bilder wird es direkt nach Ostern nicht geben: Erstkommunionen und Konfirmationen werden verschoben.

Solche Bilder wird es direkt nach Ostern nicht geben: Erstkommunionen und Konfirmationen werden verschoben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die Kirchen sagen alle Gottesdienste ab und schließen ihre Gebäude, wollen aber trotzdem weiter für die Menschen da sein

Keine Gottesdienste, keine Osternacht, keine Erstkommunion und keine Konfirmationen. Die Kirchen beider Konfessionen stellen den Maßgaben der Landesregierung folgend sämtliche Aktivitäten ein. Das hat es in dieser Form bisher noch nie gegeben. Ganz gleich, ob Pest, Krieg oder Umweltkatastrophen – die Kirchen waren immer offen und für die Menschen da.

Die Corona-Krise erfordert aber offensichtlich auch in den Kirchen derart drastische Maßnahmen. „Das ist eine komplett neue und ungewohnte Situation, die wir meistern müssen“, sagt Superintendentin Martina Espelöer, die sich am Telefon sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung und deren Auswirkungen auf die seelsorgliche Begleitung zeigt. Sie war am Wochenende und auch am Montag viel unterwegs, in Kindergärten und auch in Kirchen, und es sei schon jetzt spürbar, wie sehr die Situation vielen zu schaffen mache. „Kirche ist für viele ein wichtiger Punkt für Begegnungen, für Kontakte und auch als Zufluchtsort. Wir gehen diesen Weg mit, aber wir versuchen trotzdem, bei den Menschen zu sein und ansprechbar, wenn Hilfe benötigt wird.“

Gottesdienste finden bis zum 19. April nicht statt

Den Weg, den die Kirchen nun mitgehen, wird von dem jüngsten NRW-Erlass vorgegeben: Das öffentliche Leben soll zum Erliegen kommen. Darauf haben sowohl der katholische Pastoralverbund Iserlohn als auch der Evangelische Kirchenkreis gestern reagiert und zunächst bis zum 19. April alle Gottesdienste abgesagt. Das umfasst auch die höchsten Feiertage über Ostern. In der evangelischen Kirche sind auch die feierlichen Einführungen der neuen Presbyterien davon betroffen. Es soll aber auch ohne Einführung eine Regelung getroffen werden, damit die Gemeinden handlungsfähig bleiben. Außerdem haben beide Konfessionen schon jetzt beschlossen, die Konfirmationen, Erstkommunionfeiern und Firmungen auf die Zeit nach den Sommerferien zu verschieben. Wie Martina Espelöer sagt, sei es durchaus möglich, dass schon nach Ostern Schulen wieder öffnen und die Richtlinien gelockert werden. So hätten aber alle Familien schon jetzt Planungssicherheit. Ein möglicher Ausweichtermin für die Konformationen sei beispielsweise der Erntedank-Sonntag am 4. Oktober. Der Pastoralverbund schlägt Christi Himmelfahrt, Pfingsten und den Dreifaltigkeitssonntag für mögliche Ausweichtermine für die Erstkommunion vor.

Beide Konfessionen haben beschlossen, die Kirchen als Orte des persönlichen Gebetes geöffnet zu halten und gegebenenfalls auch eine Einzelseelsorge zu gewährleisten. Der Pastoralverbund zelebriert dazu täglich um 18 Uhr nicht öffentliche Heilige Messen, so dass jedem die Möglichkeit gegeben ist, sich in dieser Stunde geistlich mit dem Geschehen der jeweiligen Eucharistiefeier zu verbinden, wie Pfarrer Johannes Hammer schreibt.

Gottesdienste werden auf Homepage übertragen

Auf der Homepage des Pastoralverbundes wird in diesen Tagen eine Liveübertragung eingerichtet, über die nach vorheriger Ankündigung Gottesdienste der Pastoralverbunds verfolgt werden können. Außerdem verweist Hammer auf Fernseh- und Internet-Gottesdienste, deren Termine ebenfalls unter www.pviserlohn.de veröffentlicht werden.

Kirchliches Leben beinhaltet aber noch viel mehr als Gottesdienste und Seelsorge, wie ein Blick in die evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde in der Iserlohner Innenstadt zeigt. Dort, wie in allen anderen Gemeinden auch, wurden alle Veranstaltungen in den Kirchen und in den Gemeindehäusern bis auf Weiteres abgesagt und alle Gebäude für den Publikumsverkehr geschlossen. Damit findet auch keine Kinder- und Jugendarbeit mehr statt. In Iserlohn ist nicht nur das Lutherhaus, sondern auch das Sozialzentrum „Lichtblick“ und das Jugendcafé „Checkpoint“ davon betroffen.

Wie Pfarrerin Mirjam Ellermann auf Nachfrage sagt, soll allein die Brotausgabe dienstags und donnerstags um 19 Uhr unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen bestehen bleiben. Auch in der Reformierten Kirche, die gerade unter einem neu gegründeten Aktionskreis neue Fahrt aufgenommen hatte, wird es vorerst keine Veranstaltungen mehr geben. Jugendreferent Timon Tesche bietet mit seinem Team unter 0178/9316608 eine Hotline an, um vor allem älteren Menschen zu helfen.

Trauerfeiern im kleinen Kreis und unter freiem Himmel

Eine besondere Rolle kommen den Beerdigungen zu, die sich freilich nicht komplett auf die Zeit nach dem 19. April verschieben lassen. Hier strebt Martina Espelöer eine Sonderregelung mit der Kommune an, um Trauerfeiern stattfinden lassen zu können. Anders als die Stadt Hagen hat Iserlohn dafür keine Personenbegrenzung erlassen. Nach Möglichkeit sollen Trauerfeiern unter freiem Himmel stattfinden. Pfarrer Johannes Hammer erklärt, dass Trauerfeiern ausschließlich im engsten Kreis auf dem jeweiligen Friedhof abgehalten werden sollen – entweder vor der Friedhofskapelle oder am Grab.

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