Berufsporträt

Nicht nur ein Job, sondern eine Berufung

Im Arbeitsalltag bleibt für Eugenia Anhalt genügend Zeit, um sich auch mit einzelnen Kindern intensiv zu beschäftigen.

Im Arbeitsalltag bleibt für Eugenia Anhalt genügend Zeit, um sich auch mit einzelnen Kindern intensiv zu beschäftigen.

Foto: Carolin Meffert

Iserlohn.   Die Erzieherinnen der Kita Schloss Einstein fördern täglich die Entwicklung der Kinder.

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Donnerstagvormittag um 11 Uhr: Aus einem Raum der Kita Schloss Einstein schallen Trommelklänge, in einem anderen findet eine Bastelstunde mit Eltern statt, drei Kinder spielen im Bällebecken und in der Gruppe „Drachenhöhle“ findet die gemeinsame Morgenrunde statt. Dass in der Kita am Hombruch rund 80 Kinder betreut werden, ist kaum vorstellbar, bleibt der Geräuschpegel doch verhältnismäßig niedrig.

In der „Drachenhöhlen“-Gruppe betreuen Syreeta Jones-Koch (32), Eugenia Anhalt (28) und Julia Kolodziej (32) zu dritt rund 20 der 80 Kinder. Syreeta Jones-Koch arbeitet seit zwölf Jahren als Erzieherin. Für sie ist es auch nach mehr als einem Jahrzehnt nicht nur ein Job – es ist eine Berufung. Ein gewisses Gespür braucht man ihrer Erfahrung nach für den Beruf jedoch auch. „Der Beruf der Erzieherin ist mehr als nur rumsitzen und Kaffee trinken, wie vielleicht so mancher denken könnte. Man ist für die Entwicklung der Kinder mit verantwortlich und erzieht sie zur Selbstständigkeit.“ Und die Entwicklung wird in der Kita auf unterschiedliche Art gefördert. Da rund 80 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund besitzen, liegt ein besonderer Fokus auf der Sprachentwicklung. In gemeinsamen Runden werden daher auch Spiele wie „Wer hat den Keks aus der Dose geklaut?“ oder „Fünf kleine Fische“ gespielt, um die Sprachfähigkeiten zu verbessern. „Man sagt, dass ein Kind 3400 Wiederholungen benötigt, bis es etwas verinnerlicht hat“, erklärt Eugenia Anhalt.

Routine und das Miteinander sind für die Kinder wichtig

Aber auch die Neugierde am Forschen wird gefördert. Derzeit beobachtet die Gruppe die Entwicklung von Raupen, die sich gerade in der Puppenphase befinden.

Das Aufgabengebiet einer Erzieherin ist dabei weit gefächert. „Das Schöne an dem Beruf ist, dass man nicht nur Erzieherin ist. Man ist auch ein Stück weit Handwerker, Künstler oder Forscher“, ergänzt Eugenia Anhalt.
In der Freispielphase, die auf die Morgenrunde folgt, können sich die Kinder selbst beschäftigen und mit ihren Freunden spielen, bis sich alle zum gemeinsamen Mittagessen wieder zusammen finden. „Es ist sehr wichtig, dass die Kinder jeden Tag diese Routine haben. Wenn mal etwas nicht nach Plan läuft, bekommen die Kleinen das mit“, erklärt Syreeta Jones-Koch.

Kinder, die noch nicht gefestigt sind, wirft es auch mal aus der Bahn, wenn diese Rituale nicht stattfinden. Besonders wichtig ist auch das Miteinander und dass die Kinder in die Tagesplanung mit einbezogen und ihre Wünsche berücksichtigt werden. „Das sind teilweise auch die größten Herausforderungen im Erzieheralltag, dass man jedem Kind gerecht wird“, berichtet die Erzieherin. Doch es ist ihnen auch mal ohne Probleme möglich, sich zwischendurch mit einem einzigen Kind intensiver zu beschäftigen, da die Gruppe mit drei Erzieherinnen gut besetzt ist. „Dass wir zu dritt die Gruppe betreuen, ist perfekt. Sollte einer von uns krankheitsbedingt ausfallen, kann man immer noch zu zweit die Arbeit stemmen“, erklärt Syreeta Jones-Koch.

Das Berufsfeld der Erzieherin hat sich in den letzten Jahren jedoch auch stark verändert. „Es ist viel mehr Schreibarbeit hinzugekommen. Wir müssen verstärkt die Portfolios der Kinder erstellen, dazu gehören auch unter anderem die ,BaSIK’-Bögen, in denen die sprachliche Entwicklung der Kinder festgehalten wird.“

Erziehermangel macht sich nicht bemerkbar in Iserlohn

Kitas in Nordrhein-Westfalen schreien händeringend nach Fachkräften. In den städtischen Kindertagesstätten in Iserlohn ist die Situation noch nicht ganz so dramatisch. Von Erziehermangel kann hier kaum gesprochen werden. „Bei uns in den städtischen Kitas ist der Personalmangel noch nicht bemerkbar“, berichtet Christine Schulte-Hoffmann, Pressesprecherin der Stadt Iserlohn. „Das liegt auch daran, dass wir mit der Friederike- Fliedner-Schule und dem Berufskolleg Hansaallee selbst ausbilden, so dass genug Nachwuchs vorhanden ist.“ Sollte es doch mal zu einem Engpass kommen, stellt die Stadt sogenannte Springer, die dann vorübergehend die Kitas unterstützen.

Doch warum ist der Beruf der Erzieherin scheinbar nicht so attraktiv? „Ich könnte mir vorstellen, dass es an der Ausbildung liegt. Die ist sehr schulisch ausgelegt und erst ab dem dritten Jahr, dem Anerkennungsjahr, wird die Ausbildung vergütet“, sagt Eugenia Anhalt. Hinzu kommt, dass niedrige Gehälter keinen großen Anreiz schaffen. Syreeta Jones Koch fügt hinzu: „Das kommt jedoch auch auf den Träger an. Wir haben das Glück, dass wir bei der Stadt nach Tarif bezahlt werden. Es gibt aber auch andere Kitas, wo die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen wesentlich schlechter sind.“

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