Kalthof

Nahversorgung nur bis Jahresende?

Zum Start ihrer Radtour sprachen die Mitglieder der SPD Hennen-Kalthof, Bürgermeisterkandidat Martin Luckert und die Stadtverbandsvorsitzende Eva Kitz mit Mix-Markt-Chef Alexander Hein (4. v. re.).

Zum Start ihrer Radtour sprachen die Mitglieder der SPD Hennen-Kalthof, Bürgermeisterkandidat Martin Luckert und die Stadtverbandsvorsitzende Eva Kitz mit Mix-Markt-Chef Alexander Hein (4. v. re.).

Foto: Torsten Lehmann

Kalthof.  Die Lidl-Gruppe ist jetzt Eigentümer des Kalthof-Centers, Aldi darf vorerst drin bleiben, und der Mix-Markt zieht im Januar zur Giesestraße.

Garantiert bis Ende des Monats, vielleicht bis Dezember wird der Aldi im Kalthof-Center geöffnet sein. Wie es dann mit der Nahversorgung dort weitergeht, ist zurzeit offen. Denn der Mix-Markt wird am 31. Dezember schließen – und im Januar an der Giesestraße neu eröffnen, im umgebauten Gebäude des Penny-Marktes, der Ende August dort geschlossen hatte. Die „Stadtbäckerei Kamp“ wird ihre Filiale neben dem Mix-Markt spätestens Mitte 2020 schließen. Für die Mühlen-Apotheke wird derzeit noch nach einer Lösung gesucht. Und die Lidl-Gruppe, die inzwischen tatsächlich Eigentümer des gesamten Kalthof-Centers sein soll, will sich Ende September zu ihren Plänen, also zum Abriss des einen Gebäuderiegels und dem Neubau, äußern.

Das waren am Samstagmorgen die Gesprächsthemen beim Start der Radtour des SPD-Ortsvereins Hennen-Kalthof durch den Iserlohner Norden. Dass der Aldi-Markt über den vorgesehenen Schließungstermin am 6. Juli, der auch so plakatiert war, hinaus geöffnet blieb, haben die Kalthofer natürlich längst gemerkt und ihn genutzt wie eh und je.

Wie lange die Duldung über den am 30. Juni ausgelaufenen Mietvertrag hinaus anhält, ist zurzeit unklar. Dem Vernehmen nach wurde den Aldi-Mitarbeitern vor einigen Tagen mitgeteilt, dass der Markt bis Ende September auf jeden Fall geöffnet bleibt. „Wir hoffen natürlich sehr darauf, dass der neue Eigentümer auch darüber hinaus noch die Nahversorgung durch einen Wettbewerber duldet, am besten bis eine Übergangs-Lösung gefunden ist“, sagte Anja Ihme aus dem SPD-Ortsvereinsvorstand, die sich in den vergangenen Monaten für die Belange der Kalthofer eingesetzt hat.

Bereits geregelt ist aber wohl die berufliche Zukunft der Mitarbeiter. So sollen, wie zu erfahren war, die neun Teilzeitkräfte, die alle aus Kalthof bzw. Iserlohn kommen, auf Aldi-Märkte in der Umgebung verteilt werden, und zwar ihren Wünschen entsprechend, wozu auch gehöre, dass einige gerne gemeinsam in einen anderen Markt wechseln werden, was – Stand jetzt – ebenso erfüllt werden kann. Und auch die einzige Vollzeitkraft, die derzeit noch einen längeren Weg zur Arbeit hat als ihre Teilzeit-Kollegen, soll künftig wohnortnaher eingesetzt werden.

Alexander Hein ist froh, in Iserlohn bleiben zu können

Mit seinem gesamten 20-köpfigen Team wird indes Alexander Hein im Januar ins ehemalige Penny-Gebäude neben den Hellweg-Baumarkt in der Iserlohner Heide wechseln. Im Februar 2012 hatten der Kaufmann und seine Frau den Kalthofer Mix-Markt als Partnerschaftsbetrieb der Kette eröffnet. „Wir werden den Standort hier vermissen“, zeigte sich Hein stets zufrieden mit dem Kalthof-Center, der guten Nachbarschaft mit Bäckerei, Aldi und Apotheke und mit den vielen Stellplätzen. An der Giesestraße werden es immer noch genügend sein, auch wenn der Parkplatz ein wenig kleiner ist, wie auch die Verkaufsfläche. „Wir wollten aber auf jeden Fall in Iserlohn bleiben“, ist Hein froh über den Erfolg bei der Suche.

Bereits seit dem Frühjahr, kurz nachdem die drohende Schließung des Aldi-Marktes und die Übernahme der Immobilie durch die Lidl-Gruppe öffentlich bekannt wurden, hatte er sich gezwungenermaßen umgeschaut und freute sich, den neuen Standort nun klar machen zu können. Denn bevor die Eigentümerin jetzt das gesamte Kalthof-Center wohl an ein Immobilien-Unternehmen der Lidl-Gruppe verkauft hat, hat die bislang zuständige Verwaltung, die Kissel-Gruppe aus Solingen, Ende August noch die weiteren Mietverträge für diesen Gebäuderiegel gekündigt. Hein, der eine sechsmonatige Frist hat, muss also zum 31. Januar 2020 raus.

Stadtbäckerei Kamp müsste erst Mitte 2020 raus

„Wir sind von unserem Vermieter zur Mitte nächsten Jahres gekündigt worden“, berichtet Martin Kamp, der mit seiner Filiale eine längere Kündigungsfrist hat. Der „Stadtbäcker“ war – wie der Aldi – von Beginn an im Kalthof-Center, zunächst als Untermieter vom damaligen „Spar“-Markt, dann acht Jahre lang sogar ohne einen direkten Nachbarn, bis schließlich der Mix-Markt den Leerstand beseitigte. „Der Standort hat all die Jahre funktioniert“, bedauert der Bäckermeister die Kündigung, die aber ja leider auch nicht zu ändern sei. Angesichts des Backwaren-Konzepts von Lidl schließt er aus, dass im Neubau Platz für einen externen Bäcker ist bzw. dass sich das Geschäft für diesen lohne. „Wir müssen mal schauen, wie wir darauf reagieren“, möchte sich Kamp aber auch noch nicht komplett von Kalthof verabschieden. Derweil bemühen sich, wie zu erfahren war, „Menschen aus der Kalthofer Bürgerschaft und der Politik intensiv um die Verwirklichung einer Lösung zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung“ in dem Stadtteil. Dabei soll es mehrere Optionen geben für die Mühlen-Apotheke, die mit einer Kündigungsfrist bis 31. Mai 2022 am längsten bleiben dürfte, zumindest theoretisch.

SPD war unterwegs im Iserlohner Norden

Für Martin Luckert ist es wichtig, dass die Nahversorgung in Kalthof ab 2020 „so unterbrechungsfrei wie möglich“ ist. „Wir hoffen, dass der neue Eigentümer sie im Interesse der Bevölkerung auch in der Bauzeit aufrechterhält, vielleicht über eine Container-Lösung, damit die Kalthofer kurze Wege für den täglichen Bedarf haben“, sagte der SPD-Bürgermeisterkandidat beim Start der Radtour des Ortsvereins Hennen-Kalthof.

Die führte noch zur Ölmühle in Kalthof, dem Gut Nordhausen sowie zur Fass-Schmiede von Jana Lewe. „ Mich macht es richtig stolz, dass wir so drei tolle Unternehmer im Iserlohner Norden haben“, freute sich SPD-Vorstandsmitglied Doris Rickert.

Die regionalen Anbieter findet auch die Ortsvereinsvorsitzende Manuela Rickert gut und wichtig: „Das hat viele Facetten. Das fängt an bei Arbeitsplätzen und Kaufkraft, geht über Klimaschutz bis hin dazu, dass man als Verbraucher weiß, wie und wo die Produkte hergestellt werden.“

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