Freizeit

Mit Feuereifer für die alte Schmiedekunst

In der früheren Gießerei an der Grüner Talstraße hat Markus Balbach eine Schmiede eingerichtet. Hier zeigen Lehrlinge beim Tag der offenen Tür das Handwerk.

In der früheren Gießerei an der Grüner Talstraße hat Markus Balbach eine Schmiede eingerichtet. Hier zeigen Lehrlinge beim Tag der offenen Tür das Handwerk.

Foto: Michael May

Grüne.Messer gehören nicht in die Spülmaschine, besagt eine Haushaltsweisheit. Über den Grund lässt es sich vortrefflich rätseln und diskutieren – allerdings nicht im Gespräch mit Markus Balbach. Der 54-jährige Kunstschmied, Metallbildhauer, Restaurator und Sohn des 2017 verstorbenen Kunstschmieds Eduard Balbach kennt sich aus: „Die Salze im Geschirrreiniger sind aggressiv und greifen billige Legierungen an. Klingen aus unserem Stahl können ohne Weiteres in die Spülmaschine ohne zu rosten. Das ist nur eine Frage der Qualität.“

Mit Fragen von Besuchern wurde Markus Balbach jetzt regelrecht bestürmt, als er zu einem Tag der offenen Tür zur Grüner Talstraße 336 eingeladen hatte, wo sich neben Privatwohnungen der Familie auch ein aktiver Schmiedebetrieb und ein Museum befinden.

Ein Teil der alten Gerätschaften ist ausrangiert oder umfunktioniert worden, Tiegel aus der alten Schmelzerei dienen etwa als Blumentöpfe. Andere sind ausgestellt oder noch immer in Betrieb – oder beides, denn Balbach geht es vor allem darum, das althergebrachte Schmiedehandwerk am Leben zu erhalten. „Einen traditionellen Schmied erkennt man an nach innen gekrempelten Ärmeln. Das verhindert, dass sich Zunder in den Falten festsetzt und die Kleidung in Brand gerät“, erklärt er und deutet auf seinen Oberarm; genau wie er haben auch die heute anwesenden Lehrlinge und der inzwischen in der Normandie selbstständige Schmiedemeister und frühere Wandergeselle Vincent Lecouturier die Ärmel ihrer robusten Hemden sorgfältig auf diese Weise gesichert.

Auch wenn den Besuchern mit Live-Vorführungen an Amboss und Schmiedefeuer kleine Spektakel geboten werden, ist Balbach kein Freund von Effekthascherei. Was hier gezeigt wird, soll nicht nur allen Sicherheitsvorgaben streng genügen, sondern auch traditionelle Techniken korrekt wiedergeben. „Kein echter Schmied würde sich auf einen Mittelaltermarkt stellen“, verbannt Balbach das florierende Geschäft der Ritter- und Wikingerromantik in den Bereich des wohlmeinenden Dilettantismus.

Produkte werden bis Saudi-Arabien geliefert

Von seinem heutigen Firmenhauptsitz im hessischen Laubuseschbach liefert er seit 1991 Damaststahl in alle Welt, sowohl industriell gefertigt als auch in Handarbeit. Den wachsenden Hobbymarkt mit erschwinglichen Replika zu versorgen, habe er nicht nötig, die Nachfrage nach hochwertigen Rohlingen sei groß genug: „Kürzlich ist eine große Bestellung aus Saudi-Arabien reingekommen.“ Es mag ironisch erscheinen, dass ein deutscher Schmied Damaszener Stahl in den Orient liefert, denn über Jahrhunderte war es umgekehrt – als namensgebend für den legendären Werkstoff gilt die Stadt Damaskus, eine wichtige Station auf der Handelsroute, die bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus dem indisch-persischen Raum über das Mittelmeer bis nach Europa führte.

Begehrt waren und sind Produkte aus Damaststahl nicht nur wegen ihrer Widerstandsfähigkeit, sondern auch wegen der charakteristischen Musterung, die im Herstellungsprozess begründet liegt und wahlweise durch Ätzungen sichtbar gemacht werden kann. Das Geheimnis ihrer Herstellung ist wie viele andere Techniken nicht überliefert, lässt sich durch historische und archäologische Untersuchungen jedoch eingrenzen und experimentell nachvollziehen.

„Die Archäologen konnten sich keinen Reim darauf machen“

Markus Balbach hat gute Erinnerungen an die Arbeit als Restaurator für das Landesmuseum Württemberg und berichtet von der spannenden Aufgabe, gemeinsam mit anderen Fachleuten dem Konstruktionsverfahren eines frühmittelalterlichen „Schlangenschwerts“ auf die Schliche zu kommen, das um das Jahr 500 geschmiedet worden sein soll und bei Ausgrabungen in Sindelfingen gefunden wurde. „Die Archäologen konnten sich keinen Reim darauf machen, wie das wellenförmige Motiv in die Klinge gekommen ist“, erklärt der 54-Jährige. Erst eine dreidimensionale Röntgenaufnahme mit einem Computertomografen habe das Team auf die richtige Spur geführt. „Dafür habe ich drei Wochen lang mit zwei Mitarbeitern an Klingenmodellen gearbeitet“, beschreibt er den Aufwand. Diese stellte er dem Museum 2012 kostenfrei zur Verfügung – im Auftrag der Wissenschaft müsse der Ruhm oft genügen, erklärt Markus Balbach: „Heute mache ich das nicht mehr, davon kann man nicht leben. Die Institute haben einfach kein Geld.“

An der Grüner Talstraße konnten Besucher beim Tag der offenen Tür auch fertige Produkte von Abnehmern des Balbach-Stahls besichtigen und erwerben und sich über die Familiengeschichte informieren. Mit Auftragsarbeiten will Balbach hier dem Betrieb in kleinem Rahmen aufrecht erhalten, am liebsten jedoch würde er einen Schmiedemeister finden, der sich hier niederlässt: „Wenn sich jemand findet, verpachte ich gern.“

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