Gewalttat

Kontoauszüge waren mögliche Informationsquelle für den Täter

Die Nutzung dieses Geldautomaten könnte dem weiblichen Opfer zum Verhängnis geworden sein. Die Überwachungskamera (oben im Bild) soll das Tatgeschehen am Bahnsteig aufgezeichnet haben.

Die Nutzung dieses Geldautomaten könnte dem weiblichen Opfer zum Verhängnis geworden sein. Die Überwachungskamera (oben im Bild) soll das Tatgeschehen am Bahnsteig aufgezeichnet haben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Ermittler haben beim Täter vom Stadtbahnhof Bankbelege mit Hinweisen auf Iserlohn als neuen Aufenthaltsort der Getöteten sichergestellt.

Wie hat der 43-jährige Tatverdächtige im Beziehungsdrama vom Stadtbahnhof von Bergisch Gladbach aus herausgefunden, dass seine 32-jährige Ehefrau – eines seiner späteren Opfer – in Iserlohn lebte? Die Ermittler sind sich jetzt sicher, eine mögliche Informationsquelle identifiziert zu haben. „Wir haben bei der Hausdurchsuchung Kontoauszüge sichergestellt, die Abhebungen von einem Bankautomaten am Iserlohner Bahnhof ausweisen“, erklärte Nils Warmbold von der Hagener Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Ob der 32-Jährigen dieses Risiko nicht bewusst war oder sie so dringend Geld brauchte, dass sie sich trotzdem vom gemeinsamen Konto bediente, ist unklar.

Der geständige Täter selbst habe bei seiner ersten Vernehmung keine Aussage dazu gemacht, wie er seine Ehefrau ausfindig gemacht hat, sagte Warmbold. Nach Informationen, die unserer Redaktion vorliegen, soll der Täter außerdem im Zusammenhang mit der Geburt des jetzt zwei Monate alten Kindes seiner getrennt lebenden Ehefrau einen Brief von der Krankenkasse erhalten haben. In dieser Angelegenheit äußerte sich der Staatsanwalt vorsichtig: „Wir haben auch Schreiben von der Krankenkasse gefunden. Ob daraus der Wohnort des Opfers hervorgeht, kann ich derzeit nicht mit Bestimmtheit sagen.“ Hinweise auf ein behördliches Schreiben, das den Aufenthaltsort preisgibt, lägen zum jetzigen Stand der Ermittlungen nicht vor.

Vertraute der getöteten Mutter berichteten dem IKZ, die 32-Jährige habe keinen Zweifel daran gehabt, dass ihr 23-jähriger Partner – das zweite spätere Opfer – der leibliche Vater des gemeinsamen Kindes sei. Der in Hagen in Untersuchungshaft sitzende 43-Jährige habe, so die Staatsanwaltschaft, ausgesagt, nicht mit Sicherheit zu wissen, ob er selbst oder jemand anderes der Erzeuger des Kindes ist. „Jedenfalls hat er von dem Kind gewusst“, so Warmbold. Nach unseren Informationen ist vor wenigen Tagen beantragt worden, die Vaterschaft anhand von DNA- und Blutproben von Täter und Opfern zu verifizieren.

Tote Winkel im Parkhaus verhindern lückenloses Video

Derzeit werden Videoaufzeichnungen ausgewertet, die einen Teil des Tatgeschehens zeigen sollen. „Im Parkhaus gibt es mehrere Überwachungskameras“ erläuterte Warmbold. Diese würden das Zusammentreffen und den Tatverlauf bis zu dem Zeitpunkt zeigen, an dem der Täter und das zweite Opfer das Parkhaus verlassen. „Weil es da tote Winkel gibt, allerdings nicht vollständig.“ Auch von den weiteren Geschehnissen am Bahnsteig existieren demnach Videoaufzeichnungen. Wie viel darauf zu erkennen ist, stand am Donnerstag noch nicht fest.

Noch immer ist unklar, ob es schon vor der Konfrontation am Samstagnachmittag im Bahnhofsparkhaus zu einem Kontakt oder Treffen von Täter und Opfern gekommen ist. Nach unseren Informationen könnte der 43-Jährige seine Ehefrau mit dem Angebot geködert haben, ihr wichtige Dokumente auszuhändigen. Bekannte der getöteten 32-Jährigen berufen sich gegenüber unserer Redaktion auf deren eigene Darstellung, der zufolge ihr Ehemann Unterlagen wie Ausweispapiere unter Verschluss hielt. Damit habe er seine Frau gefügig machen wollen, die vor gewaltsamen Misshandlungen in der Ehe schon in Bergisch Gladbach in ein Frauenhaus geflohen war, wo sie in ständiger Angst vor ihrem Ehemann lebte und aus Sicherheitsgründen bald in Iserlohn aufgenommen wurde.

Übersetzungsaufwand verlangsamt Datenanalyse

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lässt sich diese Theorie bislang nicht bestätigen. Klarheit dürften die vollständige Auswertung der Videoaufzeichnung und der Mobiltelefone der Beteiligten bringen, die den Ermittlern Zugang zu Chatprotokollen und Sprachnachrichten ermöglichen. Dies könnte sich noch eine Weile hinziehen, zumal diese nicht auf Deutsch vorliegen und erst übersetzt werden müssen. „Das erhöht den Aufwand erheblich“, erklärte Nils Warmbold. Laborergebnisse, die Aufschluss darüber geben sollen, ob der geständige Täter zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand, liegen noch nicht vor.

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