Politik

„Ich mache mir Sorgen um unser Land“

Alexander Langguth und Frauke Petry beim Bildungsforum in Iserlohn 2018.

Alexander Langguth und Frauke Petry beim Bildungsforum in Iserlohn 2018.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Nach dem Aus der Blauen Partei zum Jahresende endet in Iserlohn absehbar auch die politische Zeit der Blauen und von Alexander Langguth

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Ihre Zeit währte nur kurz: Frauke Petrys „Blaue Partei“ hat auf einem Parteitag im sächsischen Döbeln vor wenigen Tagen als Konsequenz aus den schlechten Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen ihre Auflösung zum Jahresende beschlossen. Auch sie selbst werde „konsequent sein“, hatte Petry erklärt – und sich mit Auslaufen ihres Bundestagsmandats 2021 aus der Politik zurückziehen. Was bedeutet das nun für Iserlohn, für die hiesige Blaue Fraktion und deren Vorsitzenden, das Landtagsmitglied Alexander Langguth? Die Antworten: für Iserlohn und die Blauen zunächst wenig, für Langguth seinen mittelfristigen Ausstieg aus der Politik.

Die Blaue Fraktion, die drei Sitze im Iserlohner Stadtrat inne hat, so kündigt Langguth an, werde bis zur nächsten Kommunalwahl weitermachen – und zwar mit vollem Einsatz, wie er betont. Und unter dem bisherigen Namen, der nicht an die Bundespartei gebunden ist. „Was danach passiert, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir wieder antreten, ist aber verschwindend gering.“ An die Fraktion gezahlte übrig bleibende Mittel für die Parteiarbeit werde man dann zurückzahlen.

„Man muss das realistisch einschätzen“, sagt Langguth. Mit dem Ende der Bundespartei fehle der „Background“.

AfD-Vergangenheit der Partei-Mitglieder als Makel

Die Partei sei mit ihren Themen einfach nicht zu den Menschen durchgedrungen. Auch sei die AfD-Vergangenheit der Parteimitglieder ein Makel, mit dem sich nur schwerlich Wahlkampf und Politik machen lasse, die Nische, die man besetzen wolle, schwer zu vermitteln. Anders als im Iserlohner Stadtrat sei die Zusammenarbeit mit den Parteien im Landtag ob der AfD-Vergangenheit schlecht und von Ausgrenzung und fehlender Konstruktivität geprägt. „Ich werde darum nach Ablauf der Landtags-Legislaturperiode wieder zurück in meinen Beruf gehen“, kündigt das nach seinem AfD-Ausstieg 2017 fraktionslose Landtagsmitglied Langguth sein eigenes politisches Ende für 2022 an.

In Bezug auf den eigenen Rückzug aus der Politik und die Vakanz, die mit dem Aus der „Blauen“ weiter bestünde, sagt der 44-Jährige: „Es fällt mir nicht leicht, die Politik zu verlassen. Aber wenn es nicht funktioniert, dann ist das so. Die Lücke in der politischen Landschaft macht das nicht kleiner.“

Die Lücke – das ist aus Sicht des gelernten Kfz-Techniker-Meisters und langjährigen Außendienstlers der Platz für eine liberal-konservative Partei, wie es die Blauen ja eigentlich sein wollten. Und wie er sich die AfD wohl einst gewünscht hat.

Als eine Partei, die es nicht verlernt hat, „den Menschen aufs Maul zu schauen“. So wie die SPD es verlernt habe, die CDU, und andere Parteien, die so aus Sicht von Langguth Rechten, Populisten und Demagogen so das Feld überlassen hätten, die vermeintlich einfache Lösungen anbieten. Mit der Folge einer Verschiebung des Sagbaren. „Ich mache mir Sorgen um unser Land. Die Schwelle zum Skandal ist weg“, sagt Langguth.

AfD profitiert vonden Fehlentwicklungen

Eine Entwicklung, von der vor allem die AfD profitiert, die eine andere sei, als bei ihrer Gründung 2013. „Die CDU hat das mitzuverantworten, weil sie diese desaströse Kanzlerin weiter trägt und offensichtliche Fehlentwicklungen nicht benennt.“

Langguth, der sein politisches Schicksal schon 2017 bei seinem Austritt aus der AfD stark mit der Person Frauke Petrys verknüpft hatte, hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach von der sogenannten „Alternative“ und vor allem von Björn Höcke distanziert. Das Ende von Bernd Lucke, der Austritt von Hans-Olaf Henkel – „davon hat sich die AfD im Grunde nie mehr erholt“.

Nun also der absehbare Rückzug aus der Politik. „Ich kann sagen, ich habe es im Guten versucht. Leider hat es nicht gereicht, das zu bewirken, was wir anfangs eigentlich gewollt haben.“ Ein Beitritt in eine andere Partei stehe für ihn nicht zur Debatte.

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