Gleichstellung

„Gleichstellung geht nur in Vollzeit“

Carmen Kowski und Anna Müller, Sprecherinnen der Iserlohner Frauen-AG, wünschen sich eine Wiederbelebung der Gleichstellungsarbeit durch die jetzt einzustellende Nachfolgerin von Judith Mühlenhoff.

Carmen Kowski und Anna Müller, Sprecherinnen der Iserlohner Frauen-AG, wünschen sich eine Wiederbelebung der Gleichstellungsarbeit durch die jetzt einzustellende Nachfolgerin von Judith Mühlenhoff.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Frauenhaus-Leiterin Anna Müller: Eine 27-Stunden-Stelle für eine Gleichstellungsbeauftragte ist für eine Stadt mit 1700 Bediensteten zu wenig.

„Für eine Stadt der Größenordnung Iserlohns mit 1700 Bediensteten ist die Einstellung einer Gleichstellungsbeauftragten als Teilzeitkraft inakzeptabel“, erklärt Frauenhaus-Leiterin Anna Müller. „Das ist Tenor der jüngsten Sitzung der Arbeitsgemeinschaft der Iserlohner Frauengruppen. Das muss der Stadt Iserlohn eine nachhaltig gelingende Frauenarbeit wert sein.“

Verwaltungskraft hielt zwischenzeitlich die Stellung

Die Frauen-AG hat in der Vergangenheit vom Bürgermeister eine Lösung gefordert, die durch lange Krankheit der bisherigen Stelleninhaberin und den Weggang ihrer Mitarbeiterin vernachlässigte Arbeit bestmöglich sicherzustellen. Zwischenzeitlich hielt eine Verwaltungsangestellte stundenweise die Stellung. Dem Vernehmen nach war der Bürgermeister mit ihrer Arbeit zufrieden. „In den zwölf Stunden, die ihr zugestanden wurden, war sie oft nicht erreichbar“, weiß aber die Sprecherin der Frauen-AG Anna Müller. Sie berichtet, dass in der Zwischenzeit telefonische Anfragen in der Gleichstellungsstelle nicht beantwortet worden sein sollen.

Zum 1. März hat, wie berichtet, Patricia Da Cruz Santos die Beratungsarbeit in der Gleichstellungsstelle aufgenommen. Die Nachfolgerin von Susanne Bruns ist für die Beratung von Frauen und Mädchen zuständig. Sie stellte sich nun der Arbeitsgemeinschaft vor. „Wir sind froh, dass nach langer Pause wieder Frauen- und Mädchenberatung angeboten wird“, berichtet Carmen Kowski vom Vorstand der Frauen-AG.

Die Frauen-Arbeitsgemeinschaft kritisiert aber, dass jetzt für die Nachfolgerin der bisherigen Gleichstellungsbeauftragten Judith Mühlenhoff in der Stellenausschreibung nur noch eine Wochenarbeitszeit von 27 Stunden vorgesehen ist: „Wir wollen, dass die Gleichstellungsarbeit mit der Fachkraft in Vollzeit wiederbesetzt wird“, betont Anna Müller. „Die Weiterbeschäftigung der Verwaltungskraft Nicole Ackermann soll zunächst ergänzend dabei bleiben.“ Denn die neue Gleichstellungsbeauftragte müsse einiges aufarbeiten und brauche Zeit, um kreativ neue Konzeptionen zu entwickeln.

Frauen-AG lobt engagierte Judith Mühlenhoff

Die Frauen-AG lobte die bisherige Stelleninhaberin Judith Mühlenhoff, die sich „engagiert vor Ort und über die Stadtgrenzen hinaus mit Veranstaltungen wie dem Runden Tisch gegen häusliche Gewalt, dem Lila Salon und ihrer integrativen Arbeit einen hervorragenden Ruf erarbeitet hatte“, berichtet Anna Müller weiter.

„Der Anforderungskatalog in der Stellenausschreibung an die berufliche Vorbildung für ihre Nachfolgerin entspricht dem der Ausschreibung im Jahr 2012, mit dem Unterschied, dass es sich damals um eine Vollzeitstelle handelte“, weiß Carmen Kowski von der Arbeitsgemeinschaft der Frauen. Erwartet wird ein abgeschlossenes Studium in Sozialwissenschaften, Politik­wissen­schaften, Rechts­wissen­schaften oder sonstigen Geistes­wissen­schaften – oder ein Abschluss als Verwaltungsfachangestellte sowie eine langjährige einschlägige Berufserfahrung in gleichstellungsrelevanten Bereichen bei Projekten, in Verbänden, Kirchen, Kommunen oder Gewerkschaften.

Das Frauenstadtbuch von 2012 soll aktualisiert werden

Bis eine Bewerberin durch das Auswahlverfahren gefunden und eingestellt werde, seien eineinhalb Jahre vergangen, bis die Arbeit wieder volle Fahrt aufnehmen könne, war der Tenor. „Die Netzwerke, die von Judith Mühlenhoff, Helena Haack und Mechtild Beike aufgebaut wurden, sind mittlerweise nicht mehr aktiv“, weiß Anna Müller. Das letzte Frauenstadtbuch ist im Jahr 2012 erschienen und müsste aktualisiert werden.

„Wir wünschen uns eine Frau, die eine Stelle für Gleichstellungsarbeit mit vernünftigen Rahmenbedingungen vorfindet“, unterstreicht Anna Müller die Forderung der AG. Sie appelliert an den Bürgermeister und die Politik, die Stelle aufzustocken. Zudem solle eine Vertreterin der Frauen-AG an den Auswahlgesprächen zur Einstellung der Gleichstellungsbeauftragten beteiligt werden, ebenso wie Vertreter der Politik bei der Einstellung von Patricia Da Cruz Santos. Die Bewerbungsfrist für die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten endet am 28. April.

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