Johanneskirche Hennen

Eine kleine Verschnaufpause für „Gloria“

Im Gewölbe über dem Altarraum der Hennener Johanneskirche verläuft ein markanter Riss mitten durch die Deckenmalerei.

Im Gewölbe über dem Altarraum der Hennener Johanneskirche verläuft ein markanter Riss mitten durch die Deckenmalerei.

Foto: Michael May

Hennen.  Im Vorfeld einer gewünschten Innenrenovierung durchläuft die Johanneskirche in Hennen eine „große Inspektion“.

Schön seit längerem liebäugelt die Evangelischen Kirchengemeinde Hennen mit einer umfänglichen Innenrenovierung der geschichtsträchtigen Johanneskirche, die nach heutigen Erkenntnissen vermutlich zwischen 1150 und 1175 erbaut worden ist. Die eine oder andere Kostbarkeit wie beispielsweise Deckengemälde ist verblasst, dazu kommen mehrere Risse in Wänden und Gewölben, die längst nicht mehr nur mit der Lupe zu erkennen sind. Nun, da die Pläne konkreter werden, hat man sich dazu entschlossen, das gesamte Gebäude vorher gründlich zu untersuchen. Gestern standen dabei das Dach und der Glockenstuhl im Mittelpunkt der „großen Inspektion“, wie es Markus Campen, Architekt des Evangelischen Kreiskirchenamtes Sauerland-Hellweg formulierte.

Durch den „Gebäude-Check“ soll erreicht werden, dass die Gemeinde auch lange Freude an der kostspieligen Innenrenovierung hat – also Risse nicht schnell wieder auftreten oder Feuchtigkeit den Renovierungserfolg bei Zeiten wieder gefährdet. Den Zustand von „Dach und Fach“ abzuklären, ist die Aufgabe von Benedikt Egert von der Firma Prange aus Brilon, erfahren in der Restaurierung und Instandsetzung von Baudenkmälern. Egert war mit einer Kameradrohne erschienen, um den Zustand des Schieferdaches ohne Gerüst und Leiter möglichst genau dokumentieren zu können. Nun wird es seine Aufgabe sein, einen Mängelbericht zu erstellen und Sanierungsvorschläge zu unterbreiten. Zunächst einmal gilt es nun, das Fotomaterial genau auszuwerten. Seine erste Einschätzung vor Ort: Eine Grundsanierung sei wohl nicht fällig, eine „Wartung“ mit entsprechenden Reparaturen aber schon empfehlenswert.

Der zweite externe Experte, der zum Ortstermin eingeladen ist, ist Dr. Claus Peter. Pfarrerin Christine Grans, Kirchbaumeisterin Helga Brach und Architekt Markus Campen lauschen aufmerksam, was er zu sagen hat. Denn Dr. Peter ist Glockensachverständiger der Evangelischen Kirche von Westfalen und des Landesamtes für Denkmalschutz. Man könnte sagen, er ist auf diesem Gebiet ein „wandelndes Lexikon“. Über steile verwinkelte Holzstiegen geht es rauf zum Glockenstuhl. An einer Maueröffnung wird Station gemacht. Der Durchgang führt in den Zwischenraum zwischen den Gewölben und dem Dachstuhl. „Vor einem Jahr haben wir hier mehrere Tonnen Schutt herausgeholt, den wohl Handwerker über die Jahrhunderte hinterlassen haben“, berichtet Christine Grans. Und sie lenkt die Aufmerksamkeit auf einen stegartigen Gang aus Holz, der durch den Zwischenraum führt. Der ermöglicht es, die Gewölbe und den Dachstuhl gefahrlos inspizieren zu können.

Detaillierte Fragen zuden Läut-Gewohnheiten

Es folgen weitere verwinkelte Stufen, dann ist der Glockenstuhl erreicht. Es dauert nicht lange, bis sich Dr. Claus Peter zu folgendem Satz hinreißen lässt: „Sie haben hier einen äußerst wertvollen Bestand.“ Dabei bezieht er ausdrücklich den hölzernen Glockenstuhl aus dem Barock mit ein. Der Experte befragt Christine Grans detailliert nach den Läut-Gewohnheiten in der Gemeinde. Geradezu akribisch werden seine Nachfragen, wenn es es um die dicke „Gloria“ geht. Sie stammt aus dem Jahr 1705, ist also ein echter Schatz. Warum Dr. Claus Peter so genau nachfragt: „Wir wissen heute, dass auch das Leben von Glocken endlich ist.“ Auch wegen des längeren Einsatzes von „Gloria“ bei Beerdigungen rät er dazu, die alte Dame künftig etwas sparsamer einzusetzen. Er weiß aber auch, warum „Gloria“ gerne und häufig eingesetzt wird: „Sie hat sicherlich die schönste Intonation.“ Aber es gibt ja auch noch „Friede“ und „Freude“, etwas kleiner und deutlich jünger als „Gloria“, aber bestimmt nicht schwach bei „Stimme“. Diese beiden Glocken kamen 1950 in den Turm der Johanneskirche. Einst haben neben „Gloria“ Glocken mit einem vergleichbaren Alter geschlagen. Sie wurden aber im Ersten Weltkrieg entfernt und 1921 eingeschmolzen. Die Nachfolger wiederum überlebten den Zweiten Weltkrieg nicht. 1950 kamen dann – wie gesagt – „Friede“ und „Freude“. Dr. Claus Peter setzt die Glocken in Gang. Alle halten sich die Ohren zu, auch Claus Peter. Er hört aber dennoch genug, um ein Urteil abzugeben. „Friede“ und Freude“ klingen solide, gleichwohl schlägt der Glockenexperte die eine oder andere Nachjustierung vor. Und die Antriebskette von „Gloria“ sei zu locker, sie müsse dringend gespannt werden. „Gloria“ wird nun rund vier Wochen schweigen, bis die Reparatur ausgeführt ist.

Wieder unten im Kirchenschiff: Christine Grans zeigt auf die bereits erwähnten Risse. Besonders schmerzlich ist ein großer Riss im Gewölbe über dem Altarraum, der mitten durch ein Deckengemälde verläuft. Es sind bereits kleine runde Gipsmarken gesetzt worden. Sie sollen aufzeigen, ob sich die Risse noch vergrößern. Einige der Gipsmarken haben bereits ihrerseits einen Riss. Architekt Markus Campen spricht aber nicht von einem „akuten“ Problem. Keiner müsse Sorgen haben, wenn er die romanische Kirche betritt. Wichtig sei es nun, mit diversen Maßnahmen Ursachenforschung zu betreiben. Eine Möglichkeit sei es, an den Außenwänden zu schachten, um zu schauen, ob die Fundamente tief genug sind. Es gebe aber auch andere „Stellschrauben“, um mögliche Probleme in den Griff zu bekommen.

Es sollen Förderanträgegestellt werden

Es gibt also noch einige Unwägbarkeiten, folglich kann auch noch nicht über die Kosten gesprochen werden. Christine Grans hofft, dass vielleicht im übernächsten Jahr mit der Renovierung begonnen werden kann. Zuvor müssten auch diverse Förderanträge gestellt werden. Da steht Einiges in Aussicht, schließlich steht die Johanneskirche ja unter Denkmalschutz. Und am Ende stehe dann die Frage, welche Summe die Gemeinde tragen müsste und ob sie dazu in der Lage sei. „Vielleicht gibt es da ja auch die eine oder andere zusätzliche Unterstützung aus dem Umfeld“, sagt Christine Grans. „Gloria“ würde bestimmt mit einem „Ständchen“ danken.

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