Kunst

Der Kunst einen sichtbaren Raum geben

Angela Boeckmann (v. li.), Konrad Horsch und Hennik Gausling eröffnen am 15. November ihre Galerie „ZweiPunktDrei“.

Angela Boeckmann (v. li.), Konrad Horsch und Hennik Gausling eröffnen am 15. November ihre Galerie „ZweiPunktDrei“.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Angela Boeckmann, Hennik Gausling und Konrad Horsch eröffnen ihre eigene Galerie an der Iserlohner Gartenstraße.

In dem Gebäude, das um 1790 an der Gartenstraße entstanden ist, und in dem Raumausstatter Otto Götter einst Nähstube, Gestellwerkstatt sowie Ausstellungslokal betrieben hatte, war bereits während der vergangenen 15 Jahre Kunst zu Hause. Kunsttischler Konrad Horsch und Restaurator Christian Tüshaus hatten dort die Galerie „lignum“ betrieben, Letzterer wollte sich aber neuen Herausforderungen stellen. „Wir arbeiten auch jetzt weiter zusammen“, erklärt Horsch, der die Räume nicht aufgeben wollte.

Schon vor zehn Jahren hatte er den in Dortmund lebenden Bildhauer Hennik Gausling, der seit dem Jahr 2000 in einem Atelier auf Gut Lenninghausen arbeitet, gefragt, ob er sich beruflich in Iserlohn niederlassen wolle. Für den gebürtigen Gronauer war die Waldstadt jedoch noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Als die Frage vor einem Jahr erneut kam, konnte Gausling sich diese Art der Kooperation vorstellen. „Ich arbeite seit zwei Jahren verstärkt mit Holz, das passt gut zu Konrads Arbeiten“, sagt er. Dritte im Bunde ist Malerin Angela Boeckmann, die eigentlich Innenarchitektin ist. Die gebürtige Hohenlimburgerin, die mit ihrem Mann vor vier Jahren von Hemer nach Iserlohn gezogen ist, kennt Konrad Horsch bereits seit 25 Jahren. „Unsere Werkstoffe beziehungsweise Materialien kommen oft zusammen“, erklärt sie, warum sich die drei nicht direkt gesucht, aber punktgenau gefunden haben.

Heute in einer Woche eröffnet das Trio nun seine Galerie „ZweiPunktDrei“. „Der Name ist entstanden, weil wir uns eigentlich ,Galerie 23’ wegen unserer Adresse Gartenstraße 23 nennen wollten. Den Namen gab es aber schon, und so hat uns eine Freundin auf ,ZweiPunktDrei’ gebracht“, erklärt Gausling.

Kontrapunkt setzen zu Leerständen und Discountern

Ein klares Bekenntnis zum lokalen inhabergeführten Geschäftsbetrieb wollen Angela Boeckmann, Konrad Horsch und Hennik Gausling den Leerständen und den großen Discounterläden in der Innenstadt entgegensetzen. „Ausnahmen oder gute Gegenpole sind beispielsweise die Wasserstraße oder der Innenhof, wo ,vonuns’ ist“, erzählt Horsch, der die Gartenstraße mit „reizvoller Nachbarschaft mit fußläufiger Lage zwischen Villa Wessel und Städtischer Galerie“ schätzt.

Angela Boeckmann zeigt in ihren Werken großflächige Farbräume mit Strukturen aus unterschiedlichen Materialien wie Acryl, Steinmehl oder Sand sowie Farben, die an Gesteins- und Holzoberflächen erinnern, gebündelt zu Landschaftsszenarien, die den Betrachter zum Innehalten und Entdecken einladen. Bei zahlreichen Ausstellungen hat sie Interessierten bereits die Möglichkeit dazu gegeben.

Ähnlich verhält es sich bei Hennik Gausling. Er präsentiert Arbeiten aus Holz und Naturstein, die in ihrer filigranen Gestaltung an die Grenzen des Machbaren gebracht wurden und in ihrer farblichen Bearbeitung Überraschungen bieten. Basis seines Schaffens ist der Mensch in abstrakter und konkreter Abbildung.

Konrad Horsch, der in Kalifornien Kunsttischlerei studiert hat, dringt immer wieder in Bereiche der Gestaltung, der Farben und des Spielerischen, die eigentlich Künstlern oder Kindern vorbehalten ist. So ist der von ihm gestaltete Tisch aus Naturholz nicht nur ein Tisch, sondern ein Raum im Raum, der zum Verweilen einlädt. Kunst und Handwerk, diese theoretische Teilung, erfahren unter seinen Händen eine Zusammenführung.

Und diese Zusammenführung unterschiedlicher Bereiche zu einer dauerhaften Präsenz soll einladen und Erwartungen wecken. Noch ist das Trio mit der Umgestaltung der Räume beschäftigt, unter anderem wurde alles neu gestrichen.

Schon beim Ausräumen kamen Nachfragen

Dass das Interesse an den Galerieräumen und vor allem deren Nutzern groß ist, hat Horsch bemerkt, als er mit Tüshaus alles ausgeräumt hatte. „Da kamen gleich die ersten Anrufe und Nachfragen“, sagt er. Und so habe er das Ziel, „Kunst einen sichtbaren Raum“ zu geben, nie aus den Augen verloren und sich zwei Verbündete an seine Seite geholt.

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