Denkmalschutz

Denkmäler auf dem Hauptfriedhof erhalten

Denkmalwürdige Grabstätten auf dem Iserlohner Hauptfriedhof wie diese von Carl August Michael Schuchart sollen nach dem Wunsch der SPD restauriert und erhalten werden.

Denkmalwürdige Grabstätten auf dem Iserlohner Hauptfriedhof wie diese von Carl August Michael Schuchart sollen nach dem Wunsch der SPD restauriert und erhalten werden.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.   Die SPD regt Erinnerungstafeln für Iserlohner Revolutionär und „Kino-König des Sauerlandes“ an.

Einen erneuten Vorstoß in Sachen Denkmalschutz unternimmt jetzt die SPD-Fraktion, nachdem bereits im Zuge der mittlerweile gestoppten Buntmetalldiebstahlserie auf dem Hauptfriedhof bereits eine Liste der zu sichernden Denkmäler und Kulturgüter angelegt worden war.

SPD-Ratsfrau Annegret Simon und Bürgervertreter Dr. Walter Wehner regen für den Kulturausschuss an, dass die Stadt beauftragt wird, eine Liste der denkmalwürdigen Grabstätten bedeutender Iserlohner zu erstellen. Die offizielle Denkmalliste für den Friedhof umfasst 41 Grabmäler. Außerdem sollen Kosten für Reparatur, Wiederherstellung und Pflege ermittelt und in den städtischen Haushalt eingestellt werden. Die Genossen regen eine Dokumentation in Form eines Flyers mit den wichtigen Grabstätten und Grabfeldern an. Diese Aufstellung soll auch digital zur Verfügung stehen.

Gräber gehören zum Gedächtnis einer Stadt

„Gräber bedeutender Persönlichkeiten erzählen Geschichte. Ebenso wie Straßennamen gehören sie zum kollektiven Gedächtnis einer Stadt. Diese müssen in der Öffentlichkeit präsent und zugänglich sein. Dem Reichtum an Geschichte, auch und gerade lokalen Geschehnissen während zentraler gesamtdeutscher Ereignisse muss Rechnung getragen werden“, begründen Annegret Simon und Dr. Walter Wehner ihren gemeinsamen Antrag an den Kulturausschuss.

Für sie haben erste Priorität das durch Vandalismus und Diebstahl zerstörte Grab der Familie Giebe und das Grab von Carl August Michael Schuchart, an dem nur noch ein Bildnis an den im Jahr 1869 Verstorben erinnert. Um wen es sich handelt, ist für die Besucher des Friedhofes nicht zu erkennen, da die Inschrift herausgebrochen wurde und nur noch zwei Löcher im Sandstein erahnen lassen, wo die Lebensdaten verankert waren.

Willy Giebe besaß ab 1918 das Theater-- und Kinogebäude „Schauburg“ und ab 1928 die „Reichshallen-Lichtspiele“ (1938 umbenannt in „Gloria-Theater“). Er war mit seiner jüdischen Frau Martha Giebe, geborene Anspacher, verheiratet und wurde 1937 wegen „jüdischer Versippung“ gezwungen, beide Häuser an ein NSDAP-Mitglied in Hagen zu verpachten. Martha Giebe wurde im Dezember 1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das Familiengrab auf dem Hauptfriedhof ist mittlerweile aufgelöst. Als Textvorschlag für eine Erinnerungstafel empfehlen Annegret Simon und Dr. Walter Wehner folgenden Wortlaut: „Zum Gedenken an den Kino-König des Sauerlandes, Eigentümer von Schauburg, Reichhalle/Gloria und Union.“ Nach einer Ruhefrist von 40 Jahren war die Grabstätte, auf der eine bronzene Filmrolle an die Familie erinnerte, im Jahr 2012 von den Nachfahren aufgegeben worden, war in der Friedhofsverwaltung zu erfahren.

Der Justizkommissar Carl August Michael Schuchart war Mitglied des Vorparlaments und Beteiligter der Revolution von 1848/49 in Iserlohn. Schuchart gründete nach seinem Austritt aus der katholischen Kirche in Iserlohn die deutsch-katholische Gemeinde, „die sich als Erscheinung des Vormärzes gegen die als reaktionär empfundenen christlichen Konfessionen richtete und insbesondere Mitglieder in der Arbeiterschaft gewinnen konnte“, heißt es in dem Antrag der SPD-Fraktion.

1948 gehörte er dem Vorparlament an, das die Frankfurter Nationalversammlung vorbereitete. Im Jahr darauf spielte er eine wichtige Rolle beim Iserlohner Aufstand. Er wurde nach der Niederwerfung durch die preußischen Truppen am 17. Mai 1849 mit anderen Gefangenen bis zum Dezember 1849 im Iserlohner Zeughaus gefangen gehalten. Nach der Revolution war er zunächst des Hochverrats angeklagt, wurde aber freigesprochen und arbeitete weiter als Anwalt in Iserlohn. Wie dem Iserlohn-Lexikon zu entnehmen ist, engagierte sich Schuchart für Geldammlungen für politisch Verfolgte, ist aber in der politischen Bewegung der 1860er Jahre nicht mehr hervorgetreten. Schuchart starb am 10. Oktober 1869 in Iserlohn.

An ihn erinnert ein Grabstein auf dem historischen Teil des Friedhofs. Die Inschrift mit seinen Lebensdaten soll nach dem SPD-Antrag wiederhergestellt werden.

Denkmal für die Opfer der Iserlohner Revolution

Unweit von seinem Grab befindet sich in der historischen Abteilung des Hauptfriedhofes das Denkmal für die Toten des „blutigen Himmelfahrtstages“ 1849, gestaltet von Oskar Escherich. Sie trägt die Inschrift: „1848/49. Den Vorkämpfern für Demokratie. Den Opfern der Iserlohner Revolution.“

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