Kalthof

Das „gallische Dorf“ im Kalthof-Center

Bis auf wenige Meter ist der Abriss schon an die Bäckerei herangerückt, die aber bis Ende April normal geöffnet bleibt..

Bis auf wenige Meter ist der Abriss schon an die Bäckerei herangerückt, die aber bis Ende April normal geöffnet bleibt..

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Kalthof.  Bis Ende April verkauft die Bäckerei Kamp am alten Standort und eröffnet dann an der Leckingser Straße. Bei Fernholz gibt es jetzt Lebensmittel.

Ende Januar hatte es sich angedeutet (wir berichteten), jetzt ist es endlich in trockenen Tüchern: Nach der Arzneimittel- steht nun auch der weiteren Versorgung der Kalthofer mit frischem Brot und Brötchen nichts mehr im Wege.

Und zwar höchstwahrscheinlich genauso nahtlos und auf jeden Fall neben der Mühlen-Apotheke an ihrem neuen Standort an der Leckingser Straße 198. Und die Stadtbäckerei Kamp wird dort künftig zudem auch ein Café mit 20 Innen-Sitzplätzen sowieso mindestens einem Dutzend draußen vis-à-vis zum Dorfplatz betreiben. „Wir sind guter Dinge, dass wir hier Ende April öffnen können“, sagte Bäckermeister Martin Kamp am Donnerstagmorgen nach einer Baubesprechung mit einigen der beauftragten Handwerkern. Seit Dienstag laufen die Umbauarbeiten auf den 90 Quadratmetern der ehemaligen Räumlichkeiten der Sparkassen-Zweigstelle. Der alte Boden und die Decke sind schon raus, jetzt sind erst einmal das Elektro- und das Sanitärgewerk am Zuge, gefolgt vom Fliesenleger.

Keine Übergangslösung mit Lebensmittel-Bereich

Der Außenbereich des Cafés an der Gebäudeseite wird indes erst später angegangen. Fest steht aber bereits, dass er eine ansprechende Terrassen-Optik und Zugänge sowohl von der Gebäudevorderseite als auch aus dem Laden heraus erhalten soll. „Wichtig ist mir aber jetzt erst einmal, dass wir nicht unten schließen und dann nach einer Unterbrechung des Verkaufs hier neu eröffnen, sondern dass es einen nahtlosen Übergang gibt“, unterstreicht Martin Kamp. Mit dem neuen Besitzer des Kalthof-Centers, der Firma Lidl, hat sich der Hagener inzwischen darauf geeinigt, zwei Monate vor dem eigentlichen Ende seines Mietvertrages auszuziehen, der Ende Juni ausläuft. Dass das Abbruchunternehmen nach der Entkernung des ehemaligen Mix-Marktes bei der Beseitigung der Wände und Decken inzwischen bis auf wenige Meter an seine bisherige Bäckerei-Filiale herangerückt war – bevor jetzt für einige Tage die Arbeiten ruhten –, hat er natürlich aufmerksam verfolgt: „Wir sind jetzt das gallische Dorf“, sagt er mit einem Schmunzeln. Die Abbruchfirma, die als nächstes den leergeräumten Aldi abreißen wird, steht unter Zeitdruck. Schließlich hat Lidl angekündigt, in jedem Fall das diesjährige Weihnachtsgeschäft mitnehmen und daher möglichst schon im Oktober öffnen zu wollen. Die mindestens fünfmonatige Versorgungslücke bis dahin kann Martin Kamp indes nicht schließen: „Wir sind ja eine Bäckerei, kein Markt und müssten nur für diesen Zeitraum einen Extra-Bereich dafür in unseren neuen Räumlichkeiten schaffen.“ Und ihn anschließend wieder zurückbauen.

Lotto, Tabak, Zeitungen, Mehl, Deo und Toilettenpapier

Schon bevor der Aldi am vergangenen Samstag für immer seine Pforten schloss, hat derweil Wolfgang Fernholz in seinem Lotto Toto-Geschäft im anderen Gebäude-Riegel des Kalthof-Centers ein wenig improvisiert und bietet derzeit neben einigen Grundnahrungsmitteln sogar auch ein Sortiment an Drogerieartikeln an. „Wir können natürlich kein Vollsortimenter werden oder gar Aldi oder Lidl ersetzen, aber wir wollten uns mit unserer kurzfristigen Lösung an der Nahversorgung gerade auch für ältere Kalthofer ein bisschen beteiligen“, sagt sein Sohn Nils Fernholz. Durch die Corona-Krise habe das allerdings noch einmal eine ungeahnte Dynamik in den vergangenen Tagen bekommen: 400 Pakete Mehl und einige Paletten Toilettenpapier wurden inzwischen verkauft, und das zu „harmonischen Preisen“. Ein wenig kompensieren konnte das Lotto Toto-Geschäft damit auch den aktuell leicht zurückgehenden Tabak-Umsatz. Das hänge mutmaßlich aber nicht etwa mit gesundheitlichen, sondern wohl eher mit finanziellen Gründen angesichts der wirtschaftlich schweren Zeiten zusammen.

Die Auswirkungen der Corona-Krise bekam auch Apotheker Peter Gollasch zu spüren, allerdings ein wenig anders als man denken würde. Denn nach der Öffnung am neuen Standort vor knapp drei Wochen hätte es zunächst einen sehr großen Kunden-Andrang gegeben. „Darunter waren auch viele neue Gesichter“, freute er sich, und es hätte durchweg äußerst positive Rückmeldungen gegeben, dass er mit seinem Team dem Dorf erhalten bleibe. Erstaunlich diszipliniert hätten sich die Apotheken-Kunden dann auch beim Wahren der nötigen Distanz zu anderen verhalten und seien schon stets von sich aus immer an der Schiebetür stehengeblieben, noch bevor Gollasch das Absperrband angebracht hatte, das jetzt dazu mahnt.

Mühlen-Apotheke inzwischen wieder normal frequentiert

Inzwischen verzeichne er allerdings durch die verschärften Regeln eine Kundenfrequenz, die sich auf das gewohnte Maß einpendelt. Ältere Kunden würden nun doch den Rat befolgen und andere zum Abholen von Medikamenten schicken beziehungsweise den immer schon etablierten und jetzt noch mal ausgeweiteten kostenlosen Lieferservice nutzen. Dass es sich momentan bei ihm nicht so „drubbelt“ wie sonst, ist Gollasch indes ganz recht. Denn einiges ist noch an Arbeiten zu erledigen, bevor die betriebsbereite Apotheke dann auch tatsächlich so aussieht, wie er sich das vorstellt. Neben Kleinigkeiten wie einem fehlendem Brett dort oder einem noch anzubringenden Furnier da ist es vor allem sein künftiges Büro samt der Notdienst-Ausgabeklappe, das neben dem SB-Center der Sparkasse noch eingerichtet wird. „In zwei Wochen sollte aber alles fertig sein“, ist Gollasch guten Mutes. Eine richtige Eröffnungsfeier soll und könnte es dann zusammen mit der Bäckerei Kamp geben.

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