Musik

Chorische Wucht und Klangkultur

Große Kulisse im Parktheater: Dr. Wolfgang Besler hielt Chor, Orchester und Solisten zusammen.

Große Kulisse im Parktheater: Dr. Wolfgang Besler hielt Chor, Orchester und Solisten zusammen.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Märkischer Motettenkreis meistert Herausforderungen von Mendelssohns Paulus

Das 500-jährige Reformationsjubiläum war bislang nicht arm an musikalischen Glanzpunkten in Iserlohn. Ein weiteres Ausrufezeichen setzte nun der Märkische Motettenkreis mit der Aufführung des „Paulus Oratoriums“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Spätestens seit dem einführenden Vortrag von Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen und Schirmherr dieser Aufführung, weiß man,dass Martin Luther gerade aus den Briefen des Apostels Paulus bahnbrechende theologische Erkenntnisse zog.

Der Chor und sein Leiter Dr. Wolfgang Besler hatten bewusst ihr „Wohnzimmer“, die Johanneskirche am Nußberg, verlassen und wählten das Parktheater als Aufführungsort – und dies, um das Reformationsjubiläum noch stärker heraus aus den Kirchenmauern hinein in die Welt zu tragen.

Parktheater-Akustik machtedem Chor zu schaffen

Das Parktheater mit seiner extrem trockenen Akustik erwies sich für die Ausführenden als echte Herausforderung, und so manches Mal drohte der Chor klanglich hinter dem Orchester zurückzubleiben – spätestens, wenn die Blechbläser hinzukamen. Trotzdem bewältigte der Märkische Motettenkreis die anspruchsvolle Aufgabe mit gewohnter Souveränität und Qualität. Wunderbar gelangen die dynamischen Abstufungen, die dramatischen Passagen bekamen die nötige chorische Wucht, aber auch die lyrischen Elemente wurden mit viel stimmlicher Klangkultur herausgearbeitet.

Das „Neue Bach-Collegium NRW“ präsentierte sich als hochkultivierter Klangkörper, der es verstand, romantisch zu schwelgen aber gleichzeitig auch die barocken Elemente stilsicher und präzise hörbar zu machen. Die Solisten, allesamt renommierte Vertreter ihrer Zunft, fügten sich organisch in das Klanggefüge ein und stellten sich uneitel in den Dienst des Werkes. Bassist Wolfgang Schöne warf seine ganze Routine in die Waagschale und Tenor Lothar Odinius gewann mit seinem strahlkräftigen, klaren Tenor insbesondere den dramatischen Passagen erstaunliche Facetten ab. Ein besonderes Highlight stellten aber dann doch die beiden Solosängerinnen dar. Sopranistin Ute Selbig begeisterte mit ihrem kultivierten, wunderbar klaren Sopran und herrlich mühelosen Spitzentönen. Mezzosopranistin Bettina Ranch hatte die etwas undankbare, weil vom Komponisten selten bedachte Altpartie übernommen und verzauberte die Zuhörer vollends mit einer warmen, runden Stimme, mit der sie herrlichste Legato-Bögen entwickelte – völlig mühelos beim Registerwechsel und absolut sauber in der Tongebung. Leider hatte sie, wie gesagt, nur sehr selten Gelegenheit, weitere Kostproben ihrer Gesangskunst abzuliefern. Hätte Mendelssohn Bettina Ranch damals schon gekannt, wären sicherlich einige Altarien zusätzlich in das Paulus-Oratorium gelangt.

Standing Ovations für außergewöhnlichen Beitrag

Kantor Dr. Besler hielt alle Ausführenden souverän zusammen und verstand es klug, die richtigen Tempi für die spezielle Akustik des Parktheaters auszuwählen.

Standing Ovations und rhythmisches Klatschen waren der verdiente Lohn für einen ganz außergewöhnlichen Beitrag zum Reformationsjubiläum. Der Märkische Motettenkreis kann sich nun wieder auf sein Wohnzimmer, die Johanneskirche am Nußberg, freuen. Zuhause ist es bekanntlich doch am schönsten.

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