Schöffengericht

Bewährung für Iserlohner Ladendieb

Das Schöffengericht tagte unter Vorsitz von Dr. Michael Ozimek mit Alexandra Carius und Christian Lewis hinter Spuck-Wänden. Die Staatsanwältin und der Verteidiger konnten auf Distanz frei sprechen. Cornelia Merkel

Das Schöffengericht tagte unter Vorsitz von Dr. Michael Ozimek mit Alexandra Carius und Christian Lewis hinter Spuck-Wänden. Die Staatsanwältin und der Verteidiger konnten auf Distanz frei sprechen. Cornelia Merkel

Iserlohn.  Das Iserlohner Schöffengericht verurteilt arbeitslosen Gelegenheitsarbeiter zu 80 Sozialstunden.

Zu einer Bewährungsstrafe und 80 Sozialstunden hat das Schöffengericht Iserlohn am Donnerstag einen 56-jährigen Angeklagten wegen Hausfriedensbruchs und Ladendiebstahls mit Waffen verurteilt. Der verschuldete Gelegenheitsarbeiter war im November aus Polen nach Deutschland gezogen, weil ein Bekannter ihm in Dortmund einen Job versprochen hatte. Daraus wurde aber nichts, so dass er seine Probleme immer wieder in Alkohol ertränkte, wie der Angeklagte dem Gericht erklärte.

Vier Wochen nach der Einreise erwischte ihn ein Ladendetektiv bei Kaufland in Iserlohn das erste Mal, weil er zwei Flaschen Wodka mitgehen ließ, ohne diese zu bezahlen. An das bei dieser Gelegenheit von dem Ladendetektiv erteilte Hausverbot konnte sich der Mann aber gestern vor dem Schöffengericht nicht mehr erinnern. Er war bereits zwei Wochen später erneut im besagten Iserlohner Supermarkt beim Ladendiebstahl erwischt worden: Dieses Mal hatte er Brot, Brötchen und eine Flasche Wodka eingepackt und sich an der Kasse vorbei gemogelt, war wieder erwischt worden. Die herbeigerufene Polizei stellte ein Teppichmesser und ein Küchenmesser bei ihm sicher – für das Gericht gefährliche Werkzeuge, die ihm bei der Strafzumessung „Minuspunkte“ einbrachten.

Ein Polizeibeamter erkannte den Angeklagten, der seit dem Vorfall am 14. Februar in Untersuchungshaft gesessen hat, sofort wieder: „Bei seiner Festnahme war der Mann stark alkoholisiert gewesen“, berichtete der Zeuge, der bei ihm nach beiden Ladendiebstählen die Anzeige und Personalien aufgenommen hatte. Ein Alkoholtest ergab 2,14 Promille am Nachmittag der Festnahme. Ein Ladendetektiv beschrieb den Dieb damals als ungepflegt und stark angetrunken.

„Es tut mir leid. Dass ich betrunken gestohlen habe, dafür schäme ich mich“, gestand der Angeklagte vor Gericht. „Das hat meine Pläne vereitelt“, ließ er über eine Dolmetscherin mitteilen. Die dreimonatige Untersuchungshaft habe Eindruck hinterlassen: „Die Beschränkung der Freiheit ist nicht so schön“, bagatellisierte er die Zeit im Gefängnis, wo er wegen geringer Deutschkenntnisse isoliert gewesen sei. Er will jetzt mit Hilfe von Verwandten aus Wuppertal Arbeit suchen, um seine Schulden begleichen zu können, sagte er zu seinen Zukunftsplänen. Sein Anwalt Martin Düerkop bot an, dem geschiedenen dreifachen Familienvater Fahrtgeld zu geben, damit er zu seinen Verwandten in seine Heimat zurückkehrt.

Das Gericht verhängte eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dr. Michael Ozimek erklärte abschließend: In der dreijährigen Bewährungszeit muss er mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten, der ihm eine Stelle für den Sozialdienst besorgen werde.

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