Datingportale

Wie die Liebe einen 71-jährigen Herner blind machte

Datingportale sollen Bekanntschaften und im besten Fall den Partner für das Leben vermitteln. Für einen 71-jährigen aus Herne wurde die Mitgliedschaft ziemlich teuer.

Foto: dpa/Thomas Eisenhuth

Datingportale sollen Bekanntschaften und im besten Fall den Partner für das Leben vermitteln. Für einen 71-jährigen aus Herne wurde die Mitgliedschaft ziemlich teuer. Foto: dpa/Thomas Eisenhuth

Herne.  Ein 71-jähriger Herner hat im Internet nach einer Frau gesucht und viel (Lehr-)Geld bezahlt. Verbraucherzentrale und Polizei raten zur Vorsicht.

Seit rund zwei Jahrzehnten ist Konrad S. (Name geändert) geschieden, doch die Suche nach einer festen Beziehung hat er nie aufgegeben. Das Alleinsein sei seine Sache nicht, bekennt der 71-Jährige offen. Werbeclips und Annoncen brachten ihn auf die Idee, es mit Partnerbörsen im Internet zu versuchen. Bekanntschaft hat er am Ende aber auch mit der Polizei geschlossen. Doch der Reihe nach.

Das Portal, über das er Ausschau nach einer Partnerin hielt, wirbt damit, beste Tools für neue Kontakte zu bieten. Solche Versprechungen klangen für den früheren Parfümverkäufer verlockend. Mit einer kleinen Gebühr, „das waren lediglich ein paar Euro“, konnte er sich einloggen und kleidete seine Wünsche nach einer Herzensdame in wenige Worte: 30 bis 50 Jahre alt solle sie sein, eine zierliche Gestalt haben und an einer festen Bindung interessiert sein.

Flugreisen zur kranken Mutter

Schnell bekam er über das Portal Antwort, eine Frau mittleren Alters, gebürtig aus Bulgarien, wie sie schrieb, wolle ihn kennenlernen. Bereits das erste Treffen in Dortmund ließ zwei Herzen höher schlagen – glaubte der Herner zumindest. Dass Liebe schon mal blind machen kann, wurde ihm aber erst klar, als er schon 5000 Euro für die Frau ausgegeben hatte, die sogar einige Monate bei ihm wohnte.

Flugreisen zu ihrer angeblich schwer kranken Mutter im bulgarischen Varna ließ sie sich bezahlen, und bei Schmuck von mehreren hundert Euro konnte der Senior auch nicht Nein sagen. Als sie vorgab, ein Kind von ihm zu erwarten, aber einen gemeinsamen Besuch beim Frauenarzt ablehnte und auch auf Fragen, ob er denn auch wirklich der Vater sei, ausweichend antwortete, sei ihm immer mehr klar geworden, worauf sie es wirklich abgesehen hatte – nämlich sein Geld, erzählt er. Die Schwangerschaft, so stellte sich heraus, war erfunden.

Herner gab die Hoffnung nicht auf

Man habe sich wieder getrennt, so der Bäcker und Industriekaufmann – und buchte bei besagtem Portal die nächste Annonce. Wieder meldete sich eine angebliche Bulgarin, man chattete, er fand Gefallen an ihr – und sie an seinen Finanzen. Wenn sie nach Deutschland kommen solle, müsse er ihr die Reise bezahlen und auch den bürokratischen Aufwand, gab die Frau zu verstehen. Wieder schenkte S. den Geschichten Glauben, schickte mehrere tausend Euro in Richtung Balkan – und bekam die Nachricht von der Angebeteten, sie erhalte keine Ausreisegenehmigung.

Da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt, gab der Herner die Suche nach seiner Traumfrau nicht auf und blieb auch bei dem Portal, das für ihn nach wie vor einen seriösen Eindruck vermittelt. Die Geschichten mit den Damen 3 und 4 sind allerdings dann schnell erzählt, mittlerweile war der Senior doch hellhörig geworden. Es habe sich erst eine Rumänin gemeldet, die ohne große Umschweife auf Schmuck zu sprechen gekommen sei. Und eine Serbin meinte, bei ihnen sei es Tradition, sich zu verloben: 2500 Euro und er würde sie überzeugen.

Frust und Ärger nagen jetzt an dem Herner, der sich schließlich entschloss, bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten gegen die Frauen, denen er sich großherzig und zugleich großzügig erwiesen hat. Dass die Verfahren, wenn es überhaupt zu solchen kommen sollte, im Sande verlaufen, ist ihm schon sehr bewusst. Aber alles auf sich beruhen zu lassen, könne doch auch nicht der richtige Weg sein, sagt er im Gespräch. Manchmal, so der Herner, habe er schon überlegt, ob es wohl so etwas wie Bandenkriminalität gebe, die sich die Annoncen solcher Portale zu Nutze mache.

Wöchentliche Beschwerden

Bei der Verbraucherzentrale in Herne gehen wöchentlich Beschwerden über Partnerschaftsbörsen ein, berichtet Leiterin Veronika Hensing. Größte Vorsicht im Umgang mit den Portalen walten zu lassen, gehöre zu den Grundregeln. Wenn, wie in den geschilderten Fällen, freiwillig im privaten Bereich Geldzahlungen fließen, sei eine rechtliche Handhabe kaum möglich.

Natürlich wisse man auch nicht, ob die Namen und Beschreibungen wirklich „echt“ seien oder es sich um einen „Fake“ handele. Die Polizei führt eigens keine Statistik zu Betrügereien im Zusammenhang mit Datingportalen, so ein Sprecher. Aber auch sie rät dazu, äußerst behutsam nach neuen Kontakten Ausschau zu halten.

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