Talent-Kolleg Ruhr

Wie das Talent-Kolleg Herne begabte junge Menschen fördert

Naua Saleh, Dominik Robert und Eda Kurnali (v.l.) haben Unterstützung vom Talent-Kolleg Ruhr erhalten.

Naua Saleh, Dominik Robert und Eda Kurnali (v.l.) haben Unterstützung vom Talent-Kolleg Ruhr erhalten.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Das Talent-Kolleg Ruhr besteht seit fünf Jahren. Drei dieser Talente erzählen, wie das Kolleg ihre Bildungslaufbahn beeinflusst hat.

Es ist der erste kleine runde Geburtstag. Das Talent-Kolleg Ruhr, das seinen Sitz in Herne hat, ist vor wenigen Tagen fünf Jahre alt geworden. In dieser Zeit hat das Kolleg rund 2000 junge Menschen auf ihrer Bildungslaufbahn betreut. Drei dieser „Talente“ haben der WAZ geschildert, wie das Kolleg ihren Lebensweg beeinflusst hat.

Dominik Robert zum Beispiel: Er habe „ganz normal“ die Realschule besucht, seinen Abschluss gemacht und sei dann auf das Ost-Vest-Berufskolleg in Datteln gewechselt. Doch seine Lehrer hätten ihm zuvor von diese Wechsel abgeraten, denn sie seien der Meinung gewesen, dass er das Kolleg nicht schaffen würde. Informatik sei ziemlich schwer, das werde wohl nichts. Wie sich die Lehrer täuschen sollten...

Ein Studium erschien Dominik Robert „hochgegriffen“

...denn schon in der Unterstufe habe er einen Notendurchschnitt von 1,4 gehabt, erzählt Dominik im Gespräch mit der Herner WAZ-Redaktion. Deshalb sei ein Lehrer auf ihn zugekommen und habe gesagt, dass es da ein Programm gebe für Schüler, die gut seien und eventuell studieren könnten. „Das habe ich erst abgelehnt, weil bei in meiner Familie noch nie jemand studiert hatte.“ Ein Studium sei ihm „hochgegriffen“ erschienen. Er habe nicht geglaubt, dass er das Zeug dazu hätte. Doch der Lehrer sei hartnäckig geblieben. Also ging der Recklinghäuser doch zur Beratung eines Talentscouts, der ihm später den Weg zum Talent-Kolleg gewiesen hat.

Mit der Folge, dass er regelrecht durchgestartet ist: Er legte nicht nur sein Fachabitur ab und verband das mit der Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten, sondern machte parallel noch den Fachinformatiker für Systemintegration. Für diese Ausbildung absolvierte er eine Ausbildung bei einer Dortmunder Versicherung - und während des Praktikums warb ihn sein Chef ab. Jetzt arbeitet der 22-Jährige dort als Fachinformatiker. „Nebenbei studiere ich noch Informatik an der Fernuniversität Hagen und arbeite als Lehrbeauftragter für das Talent-Kolleg.“ Das Talent-Kolleg habe ihm die Augen geöffnet, dass er studieren könne und habe ihm Orientierung bei der Suche nach einem Studiengang gegeben. Großen Einfluss für die Entscheidung für ein Studium habe gehabt, dass er einen Tag lang einen Studenten der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen begleiten konnte.

Von der Förderklasse zum Medizinstudium nach Sofia

Naua Saleh startete mit gänzlich anderen Voraussetzungen. Im Schuljahr 2016/2017 besuchte er eine internationale Förderklasse. Das muss man erklären. Der 21-Jährige wurde zwar in Deutschland geboren und besuchte hier auch den Kindergarten, lebte aber später zehn Jahre in seiner Heimat im Nordirak, bevor die Familie wieder nach Deutschland kam. Deshalb konnte er kaum Deutsch sprechen. In der Förderklasse war er Klassenbester, weil er viel vom Stoff schon kannte, zum Beispiel Mathe oder Englisch.

Deshalb machte ihn sein Lehrer auf das Talent-Kolleg aufmerksam. Dort holte sich der Gelsenkirchener Orientierung - die Richtung Studium wies. Da sein Interesse der Medizin gilt, suchte er mit Hilfe des Kollegs nach einem Studienplatz im Ausland und fand ihn in Sofia. Neben der Orientierung habe ihm das Talent-Kolleg die nötige Qualifizierung in Englisch und Deutsch geboten. „Und es hat mich motiviert und ermutigt weiterzumachen. Und jetzt bin ich hier.“ Durch das Kolleg habe er sich mehr zugetraut. Und hier ist der Gelsenkirchener nicht mehr. Inzwischen ist er nach Sofia aufgebrochen.

Erst eine Fünf in Deutsch - jetzt ein Germanistikstudium

Deutsch und Englisch - das waren nicht die Lieblingsfächer von Eda Kurnali. Während die Lehrer ihrer Hertener Gesamtschule nichts vom Kolleg in Herne wussten, lotste ein Talentscout sie dorthin. Dort nahm sie an den Qualifizierungskursen teil, und ihr sei klar geworden, dass es sich nicht um ein Nachhilfeinstitut handele. „Dahinter steckt viel mehr.“ Es sei Beratung gewesen, es habe Spaß gemacht - und sie habe den Faden bekommen, um alles miteinander zu verknüpfen. Mit einem überraschenden Ergebnis: Obwohl sie in der Schule ein Fünf in Deutsch hatte, studiert sie nun Germanistik und Anglistik in Essen. Die Mitarbeiter des Kollegs hätten ihr die Augen geöffnet und ihr neben einer Berufsberatung auch eine Lebensberatung gegeben. „Die haben meine Hand festgehalten bei Sachen, von denen ich keine Ahnung hatte.“ Und so sei auch sie die erste in der Familie, die studiere.

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