Hygiene

Wechsel des Kita-Sandes: Träger warnt vor hohen Kosten

Der Austausch des Sandes kostet eine Kita mehrere hundert Euro. Ein jährlicher Austausch ist auch deshalb in Herne unüblich.

Der Austausch des Sandes kostet eine Kita mehrere hundert Euro. Ein jährlicher Austausch ist auch deshalb in Herne unüblich.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Herne.  Muss Sand in Kitas und auf öffentlichen Spielplätzen jährlich erneuert werden? Eine Anfrage im Landtag sorgt in Herne für Diskussion um Hygiene.

Wie häufig muss oder sollte der Sand in Kitas und auf öffentlichen Spielplätzen in Herne gewechselt werden? Eine Anfrage im Landtag NRW hat auch in Herne für Aufmerksamkeit gesorgt: Dort schreibt der SPD-Abgeordnete Gordan Dudas, dass nach einem neuen Erlass von Ende 2018 das NRW-Ministerium vorgeschrieben habe, „den Sand in Kitas jährlich zu wechseln“, statt bislang alle zwei Jahre.

„Wenn es tatsächlich kommt, dass wir jedes Jahr den Sand austauschen müssen, hätten unsere Kitas nur noch einen Sandkasten, der zwei Quadratmeter groß ist.“ Diese deutlichen Worte findet Elisabeth Weyen, Geschäftsführerin der Kindergartengemeinschaft im Evangelischen Kirchenkreis Herne. Die Kosten von mehreren hundert Euro pro Austausch müssten die Träger übernehmen. Ein jährlicher Austausch wäre deshalb „sehr unrealistisch“. Schließlich würden die Sachmittel auch mit der angekündigten KiBiz-Reform nicht erhöht.

Jährlicher Wechsel des Sandes ist eine Empfehlung, keine Vorschrift

Vorerst gibt die Landesregierung in ihrer Antwort Entwarnung: „Die Empfehlung, Spielsand aus hygienischen Gründen mindestens einmal im Jahr auszutauschen, besteht unverändert seit dem Jahr 2000“, heißt es da. Der Erlass sei 2018 lediglich aktualisiert worden. Aber selbst diese Empfehlung findet Elisabeth Weyen „erschreckend“. „Wir haben den Sand mal alle zwei Jahre ausgetauscht, aber selbst das war unnötig“, sagt sie.

Die Erzieherinnen in den evangelischen Kitas schauten morgens nach dem Rechten. Der Sand werde bei größeren Verunreinigungen ausgehakt, aber Proben würden keine genommen, so Elisabeth Weyen. Ähnlich gehen die katholischen Kitas vor: „Wir legen optische Kriterien zugrunde“, sagt Stefan Martin, stellvertretender Geschäftsführer bei den Katholischen Kindertageseinrichtungen Östliches Ruhrgebiet. Es erfolge eine tägliche Begehung des Außengeländes mit einer entsprechenden Sichtung.

Stadt Herne hat 2019 bereits 86.700 Euro für die Reinigung von Sand ausgegeben

Die Stadt ist sowohl für die kommunalen Kitas als auch für die öffentlichen Spielplätze zuständig. Der Sand werde wöchentlich kontrolliert und von grobem Schmutz wie Müll, Scherben oder Blättern befreit, sagt Andreas Rothe, Sachgebietsleiter Bauunterhaltung. „Gewechselt wird der Sand meist in jedem zweiten Jahr.“ Ein Grund für den Austausch sei zum Beispiel, wenn zu viel Unkraut darin wächst und Kinder nicht mehr gut darin spielen könnten. In den anderen Jahren werde der Sand in der Regel mit Maschinen 40 bis 50 Zentimeter tief ausgehoben und gesiebt, um auch tiefer liegenden Schmutz herauszusammeln.

Und das hat seinen Preis: „Im Jahr 2019 hat die Reinigung bisher rund 86.700 Euro gekostet“, sagt Rothe, „dafür wurden über 32.000 Quadratmeter Sandfläche und 528 Quadratmeter Kiesfläche gesäubert.“ Zuletzt geschah dies zum Beispiel beim Spielplatz im Herner Stadtgarten, am Hölkeskampring und im Behrenspark. Gewechselt wurden 908 Tonnen Sand, die etwa 13.000 Euro gekostet haben, so Rothe. Im Jahr 2018 habe die Reinigung des Sandes in städtischen Kitas und bei öffentlichen Spielplätzen insgesamt rund 87.000 Euro gekostet.

Bakterien im Sand bauen Verunreinigungen ab

Den Sand jährlich zu wechseln, sei nicht nur sehr teuer, sondern mache laut Rothe auch keinen Sinn. „Neuer Sand hat nach sechs bis acht Wochen eine ähnliche Kultur nützlicher Bakterien, wie alter Sand. Diese Bakterien bauen Verunreinigungen ab, zum Beispiel Pflanzenteile, die in den Sand geweht werden.“ Und auch Elisabeth Weyen gibt zu bedenken: „Sand ist von Natur aus nicht immer sauber.“ Deshalb sollten Kinder lernen, ihn nicht in den Mund zu nehmen. Sie habe aber noch nie erlebt, dass ein Kind durch dreckigen Sand krank geworden sei.

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