Politgeflüster

Warum Hernes SPD-Bürgermeister die Linke unterstützt

Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) - hier mit  Erich Leichner bei einer früheren Weihnachtsaktion in der Lutherstadt - tritt zur Wahl am Sonntag nicht mehr an. Sozialdemokrat Leichner unterstützt nun die Kandidatin einer anderen Partei.

Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) - hier mit Erich Leichner bei einer früheren Weihnachtsaktion in der Lutherstadt - tritt zur Wahl am Sonntag nicht mehr an. Sozialdemokrat Leichner unterstützt nun die Kandidatin einer anderen Partei.

Foto: OH

Herne.  Warum ein prominenter Herner Sozialdemokrat „fremdgeht“, Westfalia Herne Respekt gebührt und ein Polizist irrt: der politische Wochenrückblick.

Herne wählt am 13. September 2020 einen neuen (oder den alten) Oberbürgermeister, die Partnerstadt Eisleben kürt bereits am Sonntag eine neue Stadtspitze - Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (SPD) tritt nicht mehr an. Die SPD hat jedoch in der Lutherstadt aus taktischen Gründen keinen eigenen Kandidaten gegen die Bewerber von AfD und CDU aufgestellt, sondern unterstützt Kathrin Gantz (51) von der Linkspartei. Die städtische Führungskraft - sie leitet unter anderem die Bereiche Schule, Sport und Wirtschaft - erhält auch aus Herne Rückenwind. Und zwar nicht nur von der Linkspartei, sondern auch von Bürgermeister Erich Leichner (SPD). „Als Person, nicht als Bürgermeister“ unterstütze er Gantz, so Leichner, dessen Name sich unter einem Wahlaufruf findet. Der 68-Jährige wird bereits am Samstag mit seiner Gattin Livia nach Eisleben fahren. Er wird nicht nur am Wahlabend vor Ort mitfiebern, sondern am Tag darauf auch an einem Wirtschaftsforum Eisleben-Herne („gelebte Partnerschaft“) teilnehmen. Zur Dienstags-Demo gegen Rechts wolle er aber wieder in Herne sein, so Leichner.

Orientierungsprobleme

Apropos: Wer demonstriert in Herne eigentlich gegen wen? Das wollte am vergangenen Demo-Dienstag auf der Bebelstraße ein 14-jähriger Horsthauser von einem Polizisten wissen. Dessen Antwort: „Links gegen Rechts.“ Zum Glück wurde ein Bürger - konkret: ein Mitglied der „Politgeflüster“-Redaktion - Zeuge dieses Gesprächs und klärte den Schüler der Mont-Cenis-Gesamtschule anschließend auf: „Hier demonstriert Mitte-Links gegen Rechts.“

Irre: Lob für Ziemiak

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Jan Böhmermann hat am Donnerstag in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ den CDU-Generalsekretär und in Herne angedockten Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak einmal nicht durch den Kakao gezogen, sondern (vorsichtig) gelobt. Und zwar für dessen klare Kante gegen die AfD („Höcke ist für mich ein Nazi und die AfD mit ihm auf dem Weg zur NPD 2.0“) und gegen mit der AfD liebäugelnden Thüringer Christdemokraten („irre“).

Spieglein, Spieglein

… an der Wand, wer hat das schönste Rathaus im Land? Das will das NRW-Heimatministerium herausfinden und hat einen entsprechenden Wettbewerb ausgeschrieben. OB Frank Dudda kündigte auf Facebook an, dass auch Herne mit dem Schmuckstück am Friedrich-Ebert-Platz ins Rennen gehen wird. Setzt man die Herner Brille ab, muss man allerdings feststellen, dass es sogar noch schönere Rathäuser in NRW gibt. Zum Beispiel: in Duisburg.

Respekt!

Westfalia Herne setzt ein Zeichen „gegen Rassismus und Ausgrenzung“ und unterstützt die „Respekt“-Kampagne von OB Frank Dudda. Ein Mannschaftsfoto der Fußballer mit einem entsprechenden Banner findet sich auf der Facebook-Seite von Westfalia. Darunter gibt es neben Zustimmung von OB Dudda auch böse Kommentare - unter anderem von einem führenden Mitglied der selbsternannten „besorgten Bürger“. Heißt: alles richtig gemacht, Westfalia!

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