Gericht

Voodoo-Prozess: Verteidiger überrascht mit seiner Aussage

In dem Prozess geht es um Juju-Schwüre und

In dem Prozess geht es um Juju-Schwüre und

Foto: Ingo Otto

Herne.  Mit einer verblüffenden Aussage des Verteidigers ist in Bochum der Prozess um Juju-Schwüre und Zwangsprostitution fortgesetzt worden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit einer verblüffenden Aussage ist in Bochum der Prozess um Juju-Schwüre und Zwangsprostitution fortgesetzt worden. Ein Verteidiger verglich die Arbeit eines Voodoo-Priesters mit der Arbeit eines Notars. „Als ich das erste Mal von den Voodoo-Schwüren gehört habe, fand ich das richtig kriminell und böse“, sagte Bertil Erik Jakobson, der im Prozess den 34-jährigen Hauptangeklagten aus Herne vertritt. „Inzwischen habe ich meine Meinung jedoch grundlegend geändert.“

Auslöser sei ein Zeitungsartikel gewesen, aus dem er erfahren habe, dass wichtige Verträge in Nigeria traditionell bei einem Voodoo-Priester besiegelt würden. Und zwar teilweise sogar unter Beteiligung der Eltern. Wörtlich sagte Jakobson: „Die Arbeit der Priester ist ansatzweise vergleichbar mit der eines deutschen Notars.“

Voodoo-Zeremonie sei Teil des soziokulturellen Lebens

Dass bei dem sogenannten Juju-Schwur Finger- und Fußnägel sowie Schamhaare abgeschnitten werden und im Falle von Ungehorsam mit großem Übel gedroht werde, sei zwar richtig.

Entscheidend sei jedoch, dass die Voodoo-Zeremonie Teil des soziokulturellen Lebens sei. Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, regte Jacobson an, den Verfasser des Artikels als Zeugen zu laden.

Anwältin einer Frau ist anderer Meinung

Ob die Richter das veranlassen werden, ist unklar. Anwältin Henriette Lyndian, die eine der betroffenen Frauen vertritt, hält den Vergleich mit einem deutschen Notar auf jeden Fall schon mal für völlig unangebracht. „Schließlich wurde kein Vertrag mit hochgeklapptem Visier geschlossen“, sagte sie im Prozess. „Keine der Frauen wusste, dass sie als Prostituierte arbeiten müsse.“

Den angeklagten vier Männern und zwei Frauen aus Nigeria wird vorgeworfen, junge Frauen aus ihrer Heimat unter falschen Versprechen ins Ruhrgebiet geschleust und anschließend in Bordellen zur Prostitution gezwungen zu haben – unter anderem in Herne und Castrop-Rauxel. Ihre Gehorsamkeit soll durch den Juju-Schwur erzwungen worden sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben