Integration

Virtuelle Realität soll Hemmungen bei Flüchtlingen abbauen

Studienteilnehmerin Djeanbou Balde (16) durchläuft die virtuelle Situation in der Apotheke mit der Virtual Reality Brille in der Stadtbibliothek Herne.

Studienteilnehmerin Djeanbou Balde (16) durchläuft die virtuelle Situation in der Apotheke mit der Virtual Reality Brille in der Stadtbibliothek Herne.

Foto: Kerstin Buchwieser / FUNKE Foto Services

Herne.   Wie finde ich mich als Flüchtling in Alltagssituationen zurecht? Ein Projekt bei der Herner VHS zeigt, wie virtuelle Realität helfen kann.

In der Apotheke nach einem Mittel gegen Kopfschmerzen zu fragen, ist für die meisten eine normale Alltagssituation. Nicht so für geflüchtete Menschen, die die deutsche Sprache noch nicht so gut kennen und unsicher sind. Die Studie „Virtual Reality Digital Project“ (VR-DIP-Studie) vom skip.Institut für angewandte Visualisierung bei der Hochschule Fresenius in Köln soll Aufschluss darüber liefern, ob der Gebrauch von Virtual Reality-Brillen den Lernprozess positiv beeinflussen kann. Die Stadtbibliothek Herne beteiligt sich in Kooperation mit der VHS und den beiden Herner Berufskollegs an der NRW-weiten Studie.

Ingrid von der Weppen, Leiterin der Stadtbibliothek Herne, habe das Projekt entdeckt und war sofort begeistert. Deshalb setzte sie sich mit Elisabeth Schlüter, stellvertretende Leiterin der VHS, zusammen. „Wir haben dann der Dezernentin berichtet, dass wir teilnehmen möchten. Sie hat sich für uns eingesetzt, so dass wir zwei VR-Brillen anschaffen konnten.“ An zwei Tagen konnten nun knapp 90 Teilnehmer der Integrations- und Flüchtlingskurse der VHS sowie Schüler der Internationalen Förderklassen der Berufskollegs in der Stadtbibliothek an der Studie teilnehmen.

„Im Alltag gibt es für Geflüchtete häufig Reibungspunkte, da sie sprachliche Barrieren haben oder kulturelle Unterschiede zum Tragen kommen“, erklärt Dr. Malte Albrecht, wissenschaftlicher Leiter der Studie. „Das Eintauchen mit der VR-Brille in Alltagssituationen soll helfen, Gespräche zu üben und sich sicherer zu fühlen.“ 2017 entwickelten Studenten ein VR-Konzept. Im Rahmen einer Anschlussförderung wurde nun das zweite Projekt möglich. „Ziel ist es, Hemmschwellen zu senken und den Zugang zu Sprache und Kultur zu erleichtern.“

Um ein repräsentatives Ergebnis zu erhalten, werden die Teilnehmer in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Letztere sehe einen fünfminütigen Lehrfilm. „Wir wollen sehen, ob das virtuelle Erlebnis das Wohlbefinden der Geflüchteten hebt und somit ihre Motivation zum Spracherwerb und zur Integration erhöht.“

Begleitet werden Teilnehmer bei ihrem virtuellen Erlebnis von Studenten der Fresenius Hochschule. „Man muss sich erstmal an die Brillen und die 360 Grad-Sicht gewöhnen“, erklärt Robin Wickenden, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Gerade für Ältere sei dies nicht immer einfach. Trotzdem seien erste Rückmeldungen sehr positiv. Zwölf Städte nehmen an der Studie teil. Ihre Erfahrung dokumentieren Studienteilnehmer in Fragebögen, die im Rahmen von Bachelorarbeiten ausgewertet werden. Diese seien Grundlage für weitere Analysen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben