Ammoniak-Lager

Viele Fragen zur geplanten Erweiterung im Herner Evonik-Werk

Die Erweiterung des Ammoniaklagers des Eickeler Evonik-Werks sorgt für Diskussionen.

Die Erweiterung des Ammoniaklagers des Eickeler Evonik-Werks sorgt für Diskussionen.

Foto: Michael Korte

Herne.  Die geplante Erweiterung des Ammoniaklagers bei Evonik in Eickel sorgt für Diskussionen. Nun konnten Anwohner ihre Fragen stellen.

Die geplante Erweiterung des Ammoniaklagers auf dem Gelände des Evonik-Werks in Eickel haben nach ihrem Bekanntwerden bereits für reichlich Diskussionen und Kritik gesorgt. Am Mittwochabend informierte das Unternehmen Anwohner über das Vorhaben. Rund 80 Bürger nutzten die Gelegenheit.

Seit Jahrzehnten kein Störfall in der Anlage

Darum geht es: Am Standort des Chemiewerks, das zu den sogenannten Störfallbetrieben zählt, soll die Kapazität des Ammoniaklagers deutlich erhöht werden - von 170 auf 507 Tonnen. Neben dem bestehenden Lager soll ein weiteres gleicher Bauart mit zwei Behältern entstehen. Das Unternehmen hatte bereits im Vorfeld auf WAZ-Nachfrage mitgeteilt, dass der Grund sei, die Sicherheit der Produktion zu gewährleisten. Standortleiter Alfred Schmidt-Steffen erläuterte dies bei der Infoveranstaltung erneut: Ammoniak sei der zentrale Rohstoff für die Herstellung der Vestamin-Produkte. Da er aus den Beneluxstaaten und den neuen Bundesländern angeliefert werde, seien die Transporte nicht mehr so eng zu takten, wie gewünscht. Deshalb werde das Lager errichtet, um einen Vorrat zu haben. Mit dem Lager sei keine Erhöhung der Produktionskapazitäten geplant.

Schmidt-Steffen erläuterte im weiteren Verlauf die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Anlage. So würden die Mitarbeiter regelmäßig geschult und weitergebildet, die Anlage werde überwacht und regelmäßig überprüft und begangen. Darüber hinaus sei die Werkfeuerwehr ständig vor Ort. Für Notfälle gebe es Alarm- und Gefahrenabwehrpläne. Denn, auch das sagte Schmidt-Steffen klar und deutlich, Ammoniak sei ein gefährlicher Stoff. Allerdings: Es habe seit Jahrzehnten keinen einzigen Störfall gegeben.

Fragen zu Anlieferung, Lagerung oder Temperaturen

Dennoch beschäftigte das Thema Sicherheit - verständlicherweise - die Gäste. Die Antworten auf einige Fragen in der Zusammenfassung: Die Anlieferung des Ammoniak erfolge ausschließlich per Kesselwagen mit der Bahn, dies sei gesetzlich vorgeschrieben. Ein erhöhter Bahnverkehr, um das neue Lager aufzufüllen, sei nicht zu erwarten, es müssten lediglich an einen Zug zusätzliche Kesselwagen angehängt werden. Die Lieferung erfolge an Werktagen einmal pro Tag. In Eickel werde kein Ammoniak hergestellt oder weiterverladen. Die Anlagen seien ausschließlich für die Entladung konstruiert. Das Ammoniak werde flüssig bei bis zu 16 Bar gelagert, die Behälter seien aber mit einer Sicherheitszugabe gebaut. Auch werde kein Ammoniak verbrannt, Schmidt-Steffen: „Wir verbrauchen es für unsere Produkte.“

Auch um die Frage, bei welcher Temperatur Ammoniak gefährlich werde, entsponn sich eine kleine Diskussion. Angesichts der Marke von 40 Grad wiesen Anwohner darauf hin, dass die Temperaturen in diesem Sommer mehrfach diese Marke erreicht hätten. Dies bedeute jedoch nicht, dass das Ammoniak sich so schnell auf diesen Wert erhitze, so Schmidt-Steffen. Erstens seien die Wände der Behälter sehr dick, zweitens würde das Ammoniak vorher verbraucht.

Standortleiter: Wir tun alles dafür, dass es kein Ereignis gibt

Wie sehr das Thema Sicherheit die Anwohner beschäftigt, offenbarte die Frage eines Anwohners: „Können Sie uns versprechen, dass die Chemikalien nie das Gelände verlassen werden?“ Selbstverständlich könne er das nicht versprechen, so Schmidt-Steffen. Er verwies aber erneut auf die Tatsache, dass die Anlage seit Jahrzehnten störungsfrei laufe. Und: „Wir tun alles dafür, dass es kein Ereignis gibt.“

Klaudia Scholz, Ratsfrau der Linken, war anderer Ansicht. Sie hielt Schmidt-Steffen den Umweltbericht vor und sagte, dass es 2016 drei meldepflichtige Unfälle gegeben habe. Doch dabei handele es sich um Arbeitsunfälle, klärte der Standortleiter auf. Scholz ließ sich nicht beirren und fiel ihm mehrfach ins Wort. Die anklagende Art und Weise ihres Auftretens irritierte auch einige Anwohner.

Eine Besucherin kündigt Klage auf Einsichtnahme der Antragsunterlagen an

Anders trat die Besucherin Andrea Pfeifer auf, die Bezirksverordnete für die Grünen in Hamm ist und Verwandtschaft in Eickel hat. Sie kritisierte erneut die Tatsache, dass die komplizierten und mehrere hundert Seiten langen Antragsunterlagen nur in den Sommerferien öffentlich auslagen. Sie forderte das Unternehmen auf, die Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Schmidt-Steffen entgegnete, dass sich das Unternehmen dagegen entschieden habe. Pfeifer kündigte an, die Einsicht einklagen zu wollen.

Auch wenn die Bürger einiges an Erkenntnisgewinn mitnahmen: Die Erweiterung wird in den kommenden Wochen für weitere Diskussionen sorgen.

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