Prozess

Urteil: Arzt aus Herne betäubte Frauen vor Vergewaltigung

Foto: Kerstin Kokoska

Essen/Herne.   Ein ehemaliger Herner Arzt, der Frauen laut Urteil vor dem Sex betäubt hatte, soll für fünf Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

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Ein Arzt, der in gehobener Position in einer medizinischen Einrichtung in Herne gearbeitet hatte, muss wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen ins Gefängnis, entschied am Dienstagabend das Landgericht Essen. Die VII. Strafkammer verurteilte ihn zu fünf Jahren und neun Monaten Haft, verhängte auch ein dreijähriges Berufsverbot. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Fast fünf Lebensjahrzehnte war der promovierte Mediziner ein angesehener Bürger. Als er vor Jahren seinen Job im Ruhrgebiet antrat, stellte sein Arbeitgeber ihn voll des Lobes der Öffentlichkeit vor: Der persönliche Umgang mit dem Menschen liege ihm am Herzen, hieß es.

K.o.-Tropfen und Narkosemittel

Das Landgericht warf ihm jetzt vor, bei seinen Sexualpartnerinnen, darunter eine Ex-Patientin, K.o.-Tropfen oder Narkosemittel eingesetzt zu haben, um mit den bewusstlosen Frauen zu schlafen und Fotos anzufertigen. Einige sollen eingewilligt haben, weil ihn „die Wehrlosigkeit einer Frau“ gereizt habe.

Richter Nils Feldhaus begründete das Berufsverbot mit dem „Missbrauch des Berufs als Arzt“ durch den Angeklagten. Er habe zudem in einem Fall die Dankbarkeit einer Patientin ausgenutzt. Gegen 100.000 Euro Kaution bleibt der Arzt auf freiem Fuß.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt

Das Strafverfahren hatte Anfang des Jahres begonnen, große Teile verliefen unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Grund sind „schutzwürdige“ Interessen der Zeuginnen und des Angeklagten. Die Vorschriften für den Ausschluss sind vor allem seit dem Kachelmann-Prozess verschärft worden.

So blieben auch die Plädoyers den Zuhörern verborgen. Staatsanwältin Sabine Vollmer beantragte sieben Jahre Haft, Verteidiger Rüdiger Deckers dürfte im Kern Freispruch vom Vergewaltigungsvorwurf gefordert haben. Zu Beginn der Hauptverhandlung im Januar hatte der Angeklagte nur den äußeren Rahmen einiger Handlungen bestätigt, jede böse Absicht aber bestritten.

I-Pad auf seine Partnerin geworfen

Das Gericht lehnte es am Dienstag ab, das Urteil ohne Öffentlichkeit zu verkünden. Verurteilt wurde der Arzt neben der Vergewaltigung auch für Körperverletzungen. Einmal hatte er, so das Gericht, im Streit einen I-Pad auf eine seiner Partnerinnen geworfen und sie an der Hüfte verletzt. Außerdem soll er einer anderen Frau das Narkosemittel Propofol gespritzt haben. Das Gericht begründete das Berufsverbot damit, dass er das Mittel ohne ausreichende Aufklärung über gesundheitliche Gefahren injiziert habe. Dabei soll er auch unter Alkohol gestanden haben, was ebenfalls nicht der ärztlichen Kunst entspricht.

Der Haftbefehl ist gegen 100 000 Euro Kaution außer Vollzug gesetzt. Damit bleibt der Arzt frei, muss sich aber einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Außerdem verlangt das Gericht, dass er seinen Reisepass abgibt und nicht ins Ausland reist. Alkohol und Rauschmittel sind ihm ebenfalls untersagt.

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