Evangelische Kirche

Unterschriften kopiert: Herner Pfarrer steht vor Verfahren

In  der evangelischen Kirchengemeinde in Herne-Sodingen - hier die Johanniskirche - herrscht Unruhe. Der Pfarrer zieht Konsequenzen aus seinem Handeln und geht.

In der evangelischen Kirchengemeinde in Herne-Sodingen - hier die Johanniskirche - herrscht Unruhe. Der Pfarrer zieht Konsequenzen aus seinem Handeln und geht.

Foto: Wolfgang Quickels / Archiv

Herne.  Ein Herner Pfarrer hat Unterschriften auf Rechnungsbelege kopiert, deshalb droht ihm ein Disziplinarverfahren. Die Gemeinde reagiert betroffen.

Der Pfarrer der Kirchengemeinde Herne-Sodingen steht vor einem Disziplinarverfahren. Der Evangelische Kirchenkreis wirft ihm vor, auf Ausgabenbelege die Unterschriften von Presbyteriumsmitgliedern kopiert zu haben. Das Presbyterium, sagt Kirchenkreis-Sprecher Arnd Röbbelen, könne sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem Pfarrer deshalb nicht mehr vorstellen, das Vertrauensverhältnis sei zerstört. Der 58-jährige Pfarrer habe deshalb einen Versetzungsantrag gestellt. Die Gemeinde, die am Sonntag im Gottesdienst informiert wurde, reagierte betroffen.

Geld, so habe der Geistliche gegenüber dem Kirchenkreis angegeben, habe er nicht veruntreut. Er habe nur einen Verwaltungsvorgang beschleunigen wollen. Zur Sache: Laut Kirchenkreis seien sechs Ausgabenbelege des Pfarrers mit Unterschriften von Presbyteriumsmitgliedern aufgetaucht, die diese aber nicht geleistet hätten. Dabei handele es sich um Belege für Fahrtkosten oder Honorare für kirchenmusikalische Vertretungsdienste. Die Erstattungen stünden dem 58-Jährigen zu. Statt die Belege aber Mitgliedern des Kirchenvorstands vorzulegen, habe er ihre Unterschriften auf die Belege kopiert.

„Das geht gar nicht“, sagt Röbbelen, Sprecher des Kirchenkreises, zur WAZ. Bei Belegen gelte ein Vier-Augen-Prinzip, und das habe der Pfarrer verletzt. Aufgefallen seien die Kopien beim Jahresabschluss, als Mitglieder des Presbyteriums über Unterschriften gestolpert seien, die sie nie geleistet hätten. In einer „zeitlichen Drucksituation“, so die Worte des Beschuldigten, habe er „einen Verwaltungsvorgang beschleunigen“ wollen, so habe der Pfarrer seinem Arbeitgeber gegenüber sein Handeln begründet. Er habe „einen schweren Fehler gemacht“, habe er mittlerweile eingesehen.

Landeskirche will Rechnungen und Belege prüfen

Bisherige Recherchen des Kirchenkreises bestätigten, dass der Mann nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet habe. Nun werde die Rechnungsprüfung der Landeskirche seine Rechnungen und Belege – auch aus vergangenen Jahren – prüfen, kündigt er an. Nach Auskunft von Röbbelen werde in Fällen wie diesen ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Der Geistliche, seit knapp 26 Jahren Pfarrer an der Mont-Cenis-Straße, hat Konsequenzen gezogen. Bei der Evangelischen Kirche von Westfalen habe er einen Versetzungsantrag gestellt. Ihm tue es leid, dass er durch sein Verhalten Menschen verletzt habe, so der Mann zu seinem Arbeitgeber.

Superintendent Reiner Rimkus kritisiert das Verhalten: „Er hat durch das Einfügen von Unterschriften das Vier-Augen-Prinzip, das bei jeder Rechnungsstellung erforderlich ist, verletzt.“ Er könne nachvollziehen, dass sich das Presbyterium eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen kann und begrüße die Entscheidung des Pfarrers, dass er von sich aus Konsequenzen gezogen und einen Versetzungsantrag gestellt hat.

In der Gemeinde herrscht nun Unruhe

Wer nun als Nachfolger an die Johanniskirche komme, sei „noch völlig offen“, sagt Sprecher Röbbelen. In der Gemeinde sei aber mit Paul Hering aktuell ein weiterer Pfarrer beschäftigt. Hering war es auch, der am Sonntag den Gottesdienst abgehalten hat. Kurz vor dem Ende hat Frank Köhler, Vorsitzender des Presbyteriums, die Gemeinde über die Vorfälle informiert. „Die Besucher waren betroffen, aber nicht schockiert“, sagte er anschließend zur WAZ. Gleichwohl herrsche in der Gemeinde nun Unruhe, sie müsse die Nachrichten „erst mal verdauen“. Das Presbyterium, betont Köhler, sei aber stabil, ein finanzieller Schaden sei, Stand jetzt, nicht entstanden, und eine Person sei nicht geschädigt worden.

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