Varieté

Unterhaltsames Varieté Nouveau bei Flottmann in Herne

Multi-Instrumentalist Markusen bei der Straßentheater-Show VariO in den  Flottmann-Hallen Herne.

Multi-Instrumentalist Markusen bei der Straßentheater-Show VariO in den Flottmann-Hallen Herne.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Herne.  Eine Handstandkünstlerin, ein Clown und ein Multi-Instrumentalist trafen sich am Freitagabend bei Flottmann. Das Publikum hatte etwas zu staunen.

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Für gewöhnlich ziehen sich Straßenkünstler in den Wintermonaten in ihre Hobbykeller zurück, um an ihren Shows zu feilen. Denen, die von Brot alleine jedoch nicht leben können, boten die Flottmann-Hallen am Freitag ein Dach über dem Kopf und mit VariO - Varieté Nouveau - eine Bühne im Foyer mitsamt Publikum.

Moderiert und zusammengehalten vom Multi-Instrumentalisten Marcos Andreu-Gasol alias Markusen, bietet der Abend gewohnt geschmackvolle Unterhaltung und Klamauk auf hohem Niveau. Und das genreübergreifend, wie die Handstandartistin Natalie Reckert beweist, die vorerst ihren liebsten Handstandturm vorführt und sich spielerisch in Form bringt.

Geschichten zum Handstand

Schwerelos und scheinbar ohne Mühe richtet sie ihren Körper mit bloßer Kraft ihrer Arme auf und kommentiert dabei ihre Bewegungen mit ruhiger Stimme. Halb wissenschaftlich, halb albern, erzählt Natalie Reckert aus ihrer Kindheit zwischen Schokokuchen und dem ersten Handstand und wird dabei selbst zu einem Bilderbuch der Bewegungen.

Ihr anschließender Belastungstest für Eier führt ihren scheinbar kindlichen Ausdruck auf den absurden Höhepunkt, als sich aus dem Handstand heraus auf die ausgelegten Eier kracht, bis ein letztes außergewöhnliches übrig bleibt. Das erklärt sie zum Sieger, schwer atmend und vor positiv irritierten Publikum.

Daniel Ward als tolpatschiger Clown

Zeit zum Durchatmen verschafft ihr Daniel Ward in seiner Rolle als buckliger Clown Dado. Ungelenk trippelt er durch seine kleine Manege und lässt Konfetti aus der Hosentasche regnen, begleitet von einem unmotivierten Tusch. Der Höhepunkt der sich dramatisch aufbauenden Musik ist dann auch nur ein Ballon, der knatternd in die Luft steigt. Dado weiß zu enttäuschen, jedoch auf die gute, komische Art. Dann kommt auch noch Pech dazu, als der Plastikball zwischen den Zähnen als Mundtrommel zwar ein paar Töne von sich gibt, dann blöderweise aber verschluckt wird.

Etwas Konfetti soll vom Missgeschick ablenken und löst beim Publikum schallendes Lachen aus, immer wieder angefeuert von hohen Jauchzern, die der Tollpatsch ausstößt, als der Ball wieder hochgewürgt wird. Für eine besonders erfreute Dame aus dem Publikum, die sich gar nicht mehr einkriegen möchte, gibt es einen Handkuss und eine selbst gebastelte Blume aus Ballons, was mit einer dankenden Umarmung dem Clown die Röte ins Gesicht treibt. Gewürdigt wird das urkomische Spektakel mit begeistertem Applaus und Tränen vor lauter Lachen.

Zusammengebastelte Schlagzeugkonstruktion

Für ein musikalisches Zwischenspiel schwingt sich anschließend Markusen hinter seine selbst zusammengeschusterte Schlagzeugkonstruktion, aus der zwei Didgeridoos herausragen. Nur mit analogen Instrumenten wie Tamburin, Bassdrum und Snare baut er einen beeindruckend elektronisch klingenden Sound zusammen, der sich auf keiner Technoparty verstecken müsste. Das bringt die Füße der Gäste zum Wippen und füllt die Hallen mit wohligem Wummern.

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