Umwelt

Umweltexperte über Suez: Dieser Betrieb ist gefährlich

Die Erweiterung der Bodenreinigungsanlage Suez an der Südstraße 41 stößt auf Proteste. Doch auch der Standort der Anlage wird grundsätzlich in Frage gestellt. Foto:Franziska Gerk

Die Erweiterung der Bodenreinigungsanlage Suez an der Südstraße 41 stößt auf Proteste. Doch auch der Standort der Anlage wird grundsätzlich in Frage gestellt. Foto:Franziska Gerk

herne.   Die Verbrennungsanlage von Suez sei gefährlich, sagt ein Umweltexperte. Es bestünden unkalkulierbare Risiken. Was Bürger dagegen tun wollen.

Die Diskussion über die umstrittene Erweiterung der thermischen Bodenreinigungsanlage Suez RR IWS Remediation in Herne-Süd (wir berichteten) nimmt Fahrt auf. Eine Bürgerinitiative ist in Gründung, der Druck auf den Betrieb soll deutlich erhöht werden. Und: Politik und Stadt sollen stärker in die Pflicht genommen werden.

Diese Signale gingen von einer Veranstaltung des überparteilichen Herner Sozialforums am Donnerstagabend in der Verdi-Zentrale an der Brunnenstraße aus. Zuvor war Oliver Kalusch, Vorstand des Bundesvorstands Bürgerinitiativen Umweltschutz und Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit des Bundesumweltministeriums, hart ins Gericht gegangen mit der Verbrennungsanlage an der Südstraße und auch mit der bisherigen Genehmigungspraxis der Behörden. „Dieser Betrieb ist gefährlich. Hier lauern unkalkulierbare Gefahren“, so seine Botschaft.

Kalusch: Luftbelastung nimmt zu

Das hatte Kalusch jüngst auch in seiner offiziellen Einwendung zum Suez-Antrag deutlich gemacht. Seit der Inbetriebnahme in den 90er-Jahren sei dies der 22. Antrag auf Erweiterung, sagte der Umweltexperte. „Hier ist eine völlig neue Anlage geschaffen worden.“

Den Suez-Antrag hält Kalusch in vielen Punkte für unzureichend, lückenhaft und nicht genehmigungsfähig. Bei einer Erhöhung der Mengen der kontaminierten Stoffe steige auch das Gefahrenpotenzial. Und: Im Sicherheitsbericht seien mögliche Störfälle nicht ausreichend berücksichtig worden. Die beantragte Kapazitätserweiterung von 48 000 auf 65 000 Tonnen würde auch zur Erhöhung der Emissionen und des schon jetzt hohen Stickoxidausstoßes führen. Ein Bürger präsentierte in diesem Zusammenhang die ansteigende Kurve der Krebserkrankungen in Herne.

Appell: Bürger müssen Druck erhöhen

Wie berichtet, steht eine Entscheidung über die 22. Suez-Erweiterung durch die Bezirksregierung Arnsberg in Kürze an. Ob sein Verband BBU im Falle einer Genehmigung das Recht auf Klage wahrnehmen werde, ließ Kalusch offen. Sein Appell an die 30 Zuhörer: „Erhöhen Sie den Druck!“

Doch nicht nur Bürger und Politik seien gefragt. Auch die Verwaltung sei gefragt: „Die Stadt muss ihre Bewohner schützen.“ Das sahen die Zuhörer ebenso. Klaudia Scholz, Linke-Ratsfrau, und Astrid Bick kündigten die Gründung einer Bürgerinitiative an und riefen zur Unterstützung auf. Dafür benötige man einen sehr langen Atem, sagte Oliver Kalusch. Dieser werde bisweilen auch belohnt, berichtete ein Bürger. Hintergrund: Ende 2016 stellte eine umstrittene Metallrecycling-Firma in Essen-Kray den Betrieb ein. Das sei auch eine Reaktion auf Proteste von Bürgern und medialen Druck, hatte der Geschäftsführer damals erklärt.

Suez weist Vorwürfe zurück

„Unsere Anlage ist nicht gefährlich. Sie erfüllt alle Sicherheitsstandards“, erklärt Suez-Geschäftsführer Volker Lohmann am Freitag gegenüber der WAZ. Und: Der Antrag auf Erweiterung der Anlage sei nicht lückenhaft. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg habe alle zur Entscheidung notwendigen Unterlagen. Er gehe fest davon aus, dass der Antrag des Unternehmens positiv beschieden werde.

Lohmann weist zurück, dass die Inbetriebnahme einer solchen Anlage an diesem Standort heute nicht mehr möglich wäre. Zur Erinnerung: Auch die SPD-Ratsfraktion hatte diese Einschätzung geäußert. Suez habe stets alle nach dem jeweiligen Umweltrecht gestellten Auflagen erfüllt, so Lohmann.

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