Planung

Überkapazität: Herne will Bau neuer Pflegeheime verhindern

Herne hat im Jahr 2025 einen Bedarf von 2300 Plätzen in vollstationären Pflegeeinrichtungen, so Berechnungen des Landes. Um drohende Überkapazitäten zu verhindern, will die Stadt den Bau neuer Heime steuern.

Herne hat im Jahr 2025 einen Bedarf von 2300 Plätzen in vollstationären Pflegeeinrichtungen, so Berechnungen des Landes. Um drohende Überkapazitäten zu verhindern, will die Stadt den Bau neuer Heime steuern.

Foto: Christophe Gateau, dpa

Herne.   In den nächsten Jahren sollen elf neue Pflegeheime in Herne gebaut werden. Die Stadt tritt nun auf die Bremse, um Überkapazitäten zu verhindern.

Elf neue vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit insgesamt 899 Plätzen sollen in den kommenden Jahren in Herne entstehen, meldet die Stadt (siehe Grafik). Weil damit der Bedarf an Plätzen voraussichtlich mehr als gedeckt werden kann, will die Stadt auf die Bremse treten und den Bau beziehungsweise die gesetzliche Förderung weiterer Einrichtungen verhindern.

Der Sozialausschuss hat dazu am Mittwoch im Rathaus Wanne einen entsprechenden Beschluss für einen sogenannten Pflegebedarfsplan gefasst. Der Rat muss dies in der nächsten Sitzung am 27. November noch formal bestätigen.

Grundlage der neuen Berechnungen ist eine Prognose des Landesbetriebs für Statistik IT.NRW. Demnach sind in Herne im Jahr 2025 aufgrund der demografischen Entwicklung rund 2300 vollstationäre Pflegeplätze erforderlich. Zwar gibt es aktuell „nur“ 1851 Plätze in 19 Herner Einrichtungen, doch angesichts der elf Anmeldungen für Neubauprojekte geht die Stadt bis zum Jahr 2025 unterm Strich von einer Überkapazität von 160 Plätzen aus.

Zustimmung aus der Politik

„Bisher ist die Stadt ohne einen Pflegebedarfsplan ausgekommen“, berichtete Sozialdezernent Johannes Chudziak im Sozialausschuss. Die Steuerung sei über ein Beratungsmodell erfolgt, was auch funktioniert habe. Da aber umliegende Städten in den vergangenen ein, zwei Jahren zunehmend Pflegebedarfspläne verabschiedet hätten, habe auch Herne reagieren müssen. Durch die verbindliche Pflegebedarfsplanung könnten „ein Zustrom“ aus anderen Kommunen und ein Anstieg der Sozialkosten für die Stadt verhindert werden.

Ein Pflegebedarfsplan erschwere es potenziellen Betreibern erheblich, weitere Pflegeheime über die elf bereits gemeldeten hinaus zu errichten, erklärte der Dezernent. Solche Investitionen wären dann nämlich weniger rentabel, weil kein Anspruch auf Förderung durch den Landschaftsverband mehr bestünde. Der Pflegebedarfsplan sei bis 2021 gültig und müsse jedes Jahr angepasst und neu beschlossen werden, so Chudziak. Aus der Politik gab es breite Zustimmung. „Diese Planung ist nachvollziehbar“, sagte CDU-Ratsherr Heiner Kranemann.

Zahl der hochbetagten Menschen nimmt zu

Weitere Zahlen: Nach Angaben des Landesamtes für Statistik stieg die Zahl der Pflegebedürftigen in stationären Herner Einrichtungen von 1585 Menschen im Jahr 2011 auf 1752 Menschen im Jahr 2015.

Den prognostizierten Bedarf von 2300 Pflegeplätzen in Heimen im Jahr 2025 führt IT.NRW vor allem darauf zurück, dass die Zahl der „hochbetagten“ Menschen über 80 Jahre deutlich zunehmen werde. Und: Bis zum Jahr 2050 sei in NRW laut einer Modellrechnung mit einer Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen um bis zu 68 Prozent zu rechnen.

>> >> INFO: 19 vollstationäre Pflegeeinrichtungen

In Herne gibt es aktuell nach Angaben der Stadt 19 vollstationäre Pflegeeinrichtungen.

Die Gesamtkapazität der 19 Seniorenheime liegt derzeit bei 1851 Plätzen.

Im Stadtbezirk Herne-Mitte gibt es die mit Abstand größte Zahl der Pflegeheime, nämlich neun. Der Bezirk Eickel hat derzeit fünf, Sodingen drei und Wanne zwei vollstationäre Einrichtungen.

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