Theater

Theater Kohlenpott lädt Publikum in den Herner Flottmannpark

Jana Deppe (22) ist eine der Darstellerinnen, die die Stationen im Flottmann-Park bespielen. Unerwiderte Liebe macht ihre Figur einsam.

Jana Deppe (22) ist eine der Darstellerinnen, die die Stationen im Flottmann-Park bespielen. Unerwiderte Liebe macht ihre Figur einsam.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Das „Regielabor“ des Theaters Kohlenpott erforscht ein Gefühl: „Alleinsam“. Sieben Stationen im Herner Flottmannpark werden bespielt.

Das Theater Kohlenpott geht mit seinem Publikum auf Wanderschaft. Während andere Kulturschaffende sich auf digitale Formate verlegen oder open air vor coronageschützten Grüppchen spielen, nutzt das „Regielabor“ des Theaters den Skulpturenpark hinter den Flottmann-Hallen für einen Parcours. An sieben Stationen interpretieren junge Darstellerinnen und Darsteller ein Gefühl: „Alleinsam“.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer machen sich am Freitag, 31. Juli, um 19 Uhr mit einem Booklet auf den Weg und mit Audiodateien, die sie bei ihrer Anmeldung heruntergeladen haben. An sechs von sieben Stationen erwarten sie jeweils ein oder zwei Schauspieler, an einer sind sie mit ihrer Audiodatei allein.

„Regielabor“ für junge Talente

Malina Hoffmann (23) und Rami Al-Telawi (26) haben das Projekt entwickelt. Sie hatten das Glück, in diesem Jahr für das „Regielabor“ ausgewählt zu werden, mit dem das Theater Kohlenpott zum vierten Mal jungen Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit geben will, eine eigene Regiearbeit auf die Bühne zu bringen. Mehr als ein Sachkostenbudget gibt es dafür wegen der corobedingten Theaterflaute in diesem Jahr nicht. Für Malina trotzdem „eine einzigartige Chance für Leute ohne abgeschlossenes Regiestudium selbst etwas auszuprobieren“.

Dass die Bühne in diesem Fall eine Wiese sein würde, realisierten die beiden Jungregisseure erst mit Fortschreiten der Corona-Pandemie. Ursprünglich für die Hallen und das Außengelände konzipiert, sollte das Stück technisch komplexer werden, mit der Möglichkeit für jeden Besucher, mit einem Smartphone durch das Geschehen zu navigieren. Nun spielt es nur noch draußen.

Wissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum interviewt

Einen „Spaziergang durch die Einsamkeit“ haben Malina und Rami inszeniert, die sich vom alljährlichen städteübergreifenden „Europefiction“-Projekt kennen. Malina hat bereits 2017 am Regielabor teilgenommen, damals mit Sefa Küskü. Sie geht demnächst nach München, um an der Otto-Falckenberg-Schule Regie zu studieren. Der aus Syrien stammende Rami ist in Stuttgart angenommen worden, wo er Schauspiel und Theaterpädagogik studieren wird. Lasse Borutta (18) hat ihnen assistiert.

Die Texte seien zum Teil auf Recherchen an der Ruhr-Uni zurückzuführen, erzählen sie. „Dort wird viel zu Einsamkeit und sozialer Isolation geforscht“, sagt Malina Hoffmann. „Wir haben mit Psychologen, Soziologen und Sozialwissenschaftlern gesprochen“. Teilweise seien Passagen aus den Interviews übernommen worden, „teilweise haben sie uns zu eigenen Texten inspiriert“. Andere Texte entstanden in der Auseinandersetzung der Beteiligten mit dem Thema.

Audiofiles nach der Anmeldung

Das Theater empfiehlt eine Anmeldung unter alleinsam20@gmail.com. Im Gegenzug bekommen die Zuschauer die Audiofiles zum Stück zugeschickt, die sie sich möglichst schon zu Hause auf ihr Handy laden. Welche Station sie (mit festem Schuhwerk) wann ansteuern, bleibt ihnen überlassen. Die Bilder bauen nicht aufeinander auf und die Schauspielerinnen und Schauspieler wiederholen sie. Geplant ist, das Publikum in drei oder vier kleinen Gruppen loszuschicken.

Und noch etwas ist neu: Der Eintritt ist frei - die Besucher sollen selbst entscheiden, was ihnen der performative Spaziergang wert ist.

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