Lokalpatriotismus

Tattoo: Wanne-Eickeler lässt sich Mondritter-Wappen stechen

Die „Mondritter“ Horst „Graf Hotte“ Schröder und Gerd Herzog, Tattoo-Künstlerin Jessica Kerzel und Fan Frank Göttlicher (v.l.) mit dem fertigen Wappen.

Die „Mondritter“ Horst „Graf Hotte“ Schröder und Gerd Herzog, Tattoo-Künstlerin Jessica Kerzel und Fan Frank Göttlicher (v.l.) mit dem fertigen Wappen.

Foto: Alexa Kuszlik / FUNKE Foto Services

Herne.  Liebe zur Heimat kann man auf verschiedene Weise zeigen. Der Wanne-Eickeler Frank Göttlicher hat sich ein Tattoo stechen lassen – ein Unikat.

Lokalpatriotismus lässt sich auf verschiedene Weise ausdrücken. Mit Aufklebern etwa oder dem Autokennzeichen. Oder eben mit einem besonderen Tattoo.

Montagmittags in Wanne-Eickel: Die Nadel im „Herzenswunsch“-Tattoo-Studio surrt bereits seit fast einer Stunde ununterbrochen. „Und es wird noch etwa vier Stunden dauern, bis das Tattoo fertig ist“, schätzt Inhaberin und Tattoo-Künstlerin Jessica Kerzel. Das Tattoo, das Kerzel vorher mit Matritzenpapier auf die Haut ihres Kunden Frank Göttlicher gepaust hat, ist 25 mal 15 Zentimeter groß.

„Frank ist hart im Nehmen, aber man sagt mir auch nach, dass ich besonders sanft tätowiere“, sagt die 42-Jährige lachend. Frank Göttlicher verzieht keine Miene: „Ich merke nur ein leichtes Kribbeln“, sagt der 52-Jährige. Und: „Auch wenn ich jetzt nur noch die Jugendmannschaft der Schalker Haie trainiere, ich hab’ vorher 30 Jahre aktiv Eishockey gespielt“, begründet er seine Schmerztoleranz.

Herne: Jugendsünde wird in einem Aufwasch versteckt

Göttlicher wird voraussichtlich niemanden treffen, der dasselbe Tattoo trägt: Es ist das Wappen der Wanne-Eickeler-Mondritterschaft. Deshalb haben auch Entertainer Horst „Graf Hotte“ Schröder und „Currywurst-König“ Gerd Herzog – beides Mondritter – Göttlicher ins Studio begleitet.

„Schon vor Jahren habe ich beschlossen, mir ein neues Tattoo stechen zu lassen“, erzählt Göttlicher. Er wollte nämlich seine Jugendsünde, eine tätowierte Echse, mit einem neuen Tattoo verdecken lassen, erklärt er, „das nennt man dann ‘Cover-up’.“ Ende vergangenen Jahres sei dem Regierungsangestellten dann die Idee mit dem Mondritter-Tattoo gekommen. Aufgrund der Größe und Farbe sei es sehr gut als Cover-up geeignet.

Bei den Mondrittern bewundere er vor allem deren soziales Engagement: „Die Seepferdchen-Aktion, die Therapiehund-Finanzierung und vieles andere“, zählt er auf, „es ist ein Wahnsinn, was die für Wanne-Eickel und für die Menschen hier tun.“

Anerkennung fürs soziale Engagement

Diese Anerkennung rührt besonders Horst Schröder: „Als ich von Franks Anfrage bei uns gehört habe, war ich erst mal geplättet. Das macht mich schon stolz!“ Persönlich gekannt hätten sich die Männer bis Anfang des Jahres nicht, ergänzt Herzog. Damals sei Göttlicher einfach in seinen Currywurst-Laden gekommen. „Er sagte wortwörtlich: ,Ich hab’ da eine bekloppte Idee!’“ Nämlich das Mondritter-Tattoo, wie sich herausstellte. Das Mondritter-Wappen hätten sich sie schützen lassen. „Frank musste uns also fragen, um es fürs Tattoo nutzen zu können.“

Ihre Zustimmung knüpften die Wanne-Eickeler aber an zwei Bedingungen: Zum einen sollten alle Mondritter Frank kennenlernen, sagt Herzog grinsend, „wenn der schon Reklame für uns laufen will.“ Zum anderen sei ihnen die Wahl des Tätowierers wichtig gewesen: „Wenn, sollte nur Jessica das Tattoo stechen, uns war halt wichtig, dass das Tattoo hinterher auch gut aussieht“, so Schröder.

Tattoo-Profi Jessica Kerzel machte sich an die Arbeit: Das Wappen musste leicht abgeändert werden, damit es als Tattoo realisiert werden konnte. „Sonst wären die kleinen Schriftzüge im Logo mit der Zeit nicht mehr entzifferbar gewesen, sie waren zu fein“, sagt Jessica Kerzel. Als nächstes folgte der etwa viereinhalbstündige Stech-Termin. „Und bis es komplett abgeheilt ist, dauert es nochmal sechs bis acht Wochen“, gibt sie an.

Ein Tattoo mit Bedeutung

Beim zweiten Gespräch mit der WAZ-Redaktion, etwa zwei Wochen nach dem Stech-Termin, zeigen sich alle Beteiligten begeistert von dem Tattoo, besonders natürlich Frank Göttlicher: „Es ist einfach absolut sensationell geworden, und die Echse ist auch nicht mehr zu erahnen“, freut er sich. Dass Göttlicher das Tattoo mal bereuen könnte, könne er sich nicht vorstellen: „Weil dies ein Tattoo mit Bedeutung ist, so wie auch das Tribal mit Schriftzeichen auf dem anderen Arm, das sind die Anfangsbuchstaben meiner drei Kinder.“ Die, wie alle in seinem Umfeld, finden das Tattoo super. „Ich wurde nun auch schon oft auf das Tattoo angesprochen“, erzählt er begeistert.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben