Prozess

Tatort Europaplatz: Medizinisches Gutachten belastet Herner

Der Prozess wird am Landgericht Bochum geführt.

Der Prozess wird am Landgericht Bochum geführt.

Foto: Kurt Michelis

Bochum/Herne.   Am Landgericht Bochum geht der Prozess um die Prügelattacke auf dem Europaplatz weiter. Das Gutachten des Rechtsmediziners ist eindeutig.

Der Druck auf den Angeklagten wächst: Im Prozess um die folgenschwere Prügelattacke vor dem Archäologiemuseum hat ein Rechtsmediziner eindeutig klargestellt, dass die schweren Kopfverletzungen des 30-jährigen Herners allein auf einen Sturz aus dem Stand zurückzuführen sind. „Der Mann muss ungebremst mit dem Hinterkopf auf den Boden aufgeschlagen sein.

Und das aus dem Stand“, legte sich Rechtsmediziner Andreas Freislederer am Montag am Bochumer Landgericht fest. Dafür spreche die Schwere der später diagnostizierten Verletzung (Bruch des Schädeldaches) ausgerechnet an der so genannten „Hutkrempenlinie“. Einer Stelle des Hinterkopfes, an der gewöhnlich die größte Belastbarkeit vorherrsche.

Nur Aufprall aus Stand erkläre Kopfverletzungen

Als Auslöser dafür, so Freislederer weiter, sei der von dem 20-jährigen Angeklagten zugegebene „Schlag mit mäßiger Intensität“ gegen den Körper des späteren Opfers durchaus denkbar und auch ausreichend gewesen. Möglicherweise sei der attackierte 30-Jährige durch den Faustschlag in eine „Sekundenbewusstlosigkeit“ verfallen – und daher ohne Schutzreflexe auf den Hinterkopf aufgeprallt.

Angesprochen auf das zuletzt im Prozess diskutierte Rettungsbemühen eines Augenzeugen, der zugegeben hatte, dass ihm der Kopf des Opfers beim Hochheben bis auf Kniehöhe aus der Hand gerutscht war, stellte der Rechtsmediziner klar: „Allein durch diesen Aufprall wäre es nie zu einer derartigen Bruchlinie am Hinterkopf gekommen.“ Nichts anderes als ein Aufprall aus dem Stand auf dem Hinterkopf könne die dramatischen Kopfverletzungen erklären.

Angeklagter ist der Polizei bekannt

Der 30-jährige Herner war am 10. Januar an einer Lungenentzündung verstorben. Dass es dazu gekommen ist, bewertete der Rechtsmediziner als „typische Spätfolge“ der wegen des Schädelhirntraumas dringend notwendig gewordenen Beatmungssituation.

Wie bekannt wurde, handelt es sich bei dem Angeklagten um einen polizeibekannten Intensivtäter. Erst zwei Monate vor der Tat im Oktober 2018 war der 20-Jährige aus dem Jugendgefängnis entlassen worden. Die Anklage lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge.

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