Nahverkehrsplan

Taktausdünnung auf der Linie 306 bleibt in Herne umstritten

Zankapfel: die Straßenbahnlinie 306. Ein Gutachter soll nun im Auftrag der Stadt Herne unter anderem die Auslastungprüfen. Foto:Ralph Bodemer

Zankapfel: die Straßenbahnlinie 306. Ein Gutachter soll nun im Auftrag der Stadt Herne unter anderem die Auslastungprüfen. Foto:Ralph Bodemer

herne.   Der Herner Rat hat der von Bochum geplanten Taktausdünnung auf der Linie 306 unter Vorbehalt zugestimmt. Die SPD stimmte nicht geschlossen ab.

Der Entwurf zur Fortschreibung des Bochumer Nahverkehrsplans sieht ab dem Jahr 2020 eine Taktausdünnung auf der Straßenbahnlinie 306 der Bogestra vor. Die betroffenen Bezirke Eickel und Wanne hatten dies einstimmig zurückgewiesen. Die Ratsmehrheit hat den Plänen nun vorläufig zugestimmt und ein zusätzliches Gutachten über die Auslastung dieser und anderer Linien in Auftrag gegeben. In der SPD-Fraktion scherte jedoch ein Ratsherr aus.

Wie berichtet, will Bochum den Takt der zwischen Wanne-Eickel Hbf bis Bochum Hbf fahrende Linie 306 von zehn auf 15 Minuten verändern, was zu Protesten in den Bezirksvertretungen und der Bevölkerung geführt hat. Die zweite große Änderung: Die Busse der Bogestra-Linie 368 sollen künftig nur noch alle 30 Minuten statt wie bisher alle 20 Minuten fahren, obwohl Bochum sogar einen 15-Minuten-Takt vorgeschlagen hat.

Gegenstimmen von Linkspartei, Grünen und Piraten-AL

Die Stadt Herne begründet dies damit, dass es parallel zur Linie 368 Verbesserungen bzw. sogar eine von der HCR zu bedienende neue Linie 390 in Röhlinghausen geben soll. Anders als bei Linie 306 stimmten die Bezirksvertretungen Wanne und Eickel mehrheitlich dieser Weichenstellung zu.

Der Rat hat nun gegen die Stimmen von Linken, Grünen und Piraten-AL für die oben genannten Änderungen auf den Linien 306 und 368 gestimmt. Das Ja steht aber noch unter Vorbehalt: Anfang 2018 lässt die Stadt ein Gutachten über diese Linien im Hinblick auf Qualität, Quantität und Auslastung erstellen. Erst dann folge eine abschließende Entscheidung, so die Verwaltung. Mit der Vorläufigkeit des Beschlusses begründen die Ratsfraktionen von SPD und CDU - die sich in Fachausschüssen ebenfalls sehr kritisch zu den 306-Plänen geäußert hatten - ihr Abstimmungsverhalten. „Wir vergeben uns zum jetzigen Zeitpunkt nichts, wenn wir zustimmen“, sagte CDU-Fraktions-Chefin Bettina Szelag auf Anfrage der WAZ. Ähnlich argumentierte der SPD-Stadtverordnete Jürgen Scharmacher.

Vorwurf: Veräppelung der Bürger

Man kann dies aber offenbar auch anders sehen: Der Röhlinghauser SPD-Stadtverordnete Hendrik Bollmann enthielt sich im Rat der Stimme - „meine bisher schwierigste Entscheidung“, sagte er zur WAZ. Er respektiere den Beschluss seiner Fraktion, beurteile den Sachverhalt zurzeit in einigen Punkten aber anders – so wie die Bezirke Wanne und Eickel.

Zur Erinnerung: In der Vorberatung im Planungsausschuss hatten auch Stadtverordnete der rot-schwarzen Ratskooperation harsche Kritik an einer 306-Taktausdünnung geübt. „Das ist kein gutes Signal für die klimafreundliche Mobilität in Herne“, sagte damals Elisabeth Majchrzak-Frensel. Die Pläne würden die Bevölkerung nicht dazu bringen , auf den ÖPNV umzusteigen. Und auch Barbara Merten (CDU) ging hart mit der Verwaltung in Gericht. Der Beschlussvorlage der Stadt stimmten SPD und CDU im Ausschuss am Ende aber zu – und mussten sich anschließend von Daniel Kleibömer (Linke) fragen lassen, ob sie die Bürger „veräppeln“ wollten.

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Die Stadt Herne führte in der Diskussion auch dieses grundsätzliche Argument an: Bei städteübergreifenden Linien wie der 306 seien Kundenbedürfnisse und betriebliche Erfordernisse besonders zu beachten.

Mit „zum Beispiel einem Taktbruch an der Stadtgrenze wäre insbesondere den Kunden nicht gedient“, hieß es. Deshalb seien Kompromisse erforderlich.

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