Musikfestival

Tage Alter Musik verschoben: Künstler müssten in Quarantäne

Sie eröffneten die Tage Alter Musik in Herne im vergangenen Jahr: Das Ensemble La Reverdie aus Italien.

Sie eröffneten die Tage Alter Musik in Herne im vergangenen Jahr: Das Ensemble La Reverdie aus Italien.

Foto: Thomas Kost / ©Thomas Kost

Herne.  Zu dem renommierten Festival Tage Alter Musik reisen jedes Jahr Künstler aus ganz Europa nach Herne. Das geht wegen Corona gerade nicht.

Die Entscheidung fiel in der vergangenen Woche: Die 45. Tage Alter Musik, die in diesem Jahr vom 12. bis 15. November mit reduziertem Publikum unter dem Motto „Zurück zur Natur“ stattfinden sollten, werden ins nächste Jahr verschoben. Als neuer Termin wird der 11. bis 14. November 2021 genannt. Thematischer Schwerpunkt sind klangliche Naturinterpretationen vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Fünftägige Quarantäne für Einreisende

Die Kernfrage war: „Wie können die Künstler einreisen?“, berichten sowohl Festivalleiter Richard Lorber vom WDR als auch Thomas Schröder vom Kulturbüro der Stadt Herne. „Die Musikinstrumentenmesse hätte wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr ohnehin nicht stattgefunden,“ stellt Schröder klar. Aber das Festival stand auf dem Programm, alle Planungen liefen.

„Die Tage Alter Musik sind ein europäisches Festival, viele Künstler reisen aus anderen europäischen Ländern ein. Die neuen Quarantänebestimmungen der Regierung, die ab 8. November in Kraft treten sollen, sehen eine fünftägige Quarantäne für Einreisende vor.

Erst danach kann man sich testen lassen, und nur bei negativem Ergebnis ist die Einreise möglich. Musiker müssten also fünf bis zehn Tage vorher anreisen, das macht ein Festival unmöglich,“ erläutert Richard Lorber. „Und so wie sich das Infektionsgeschehen aktuell leider entwickelt, wäre es unverantwortlich, so viele Besucher, Mitarbeiter und Künstler auf so engem Raum zusammenzubringen.“

Hygieneregeln wären zu erfüllen gewesen

Alles war vorbereitet, so Lorber: „Die Hygiene auf der Bühne hätten wir hinbekommen, auch Backstage und im Zuschauerbereich. Ich hab’ alle Künstler angeschrieben: ,Schaut euch die Bühne an, wie könnt ihr euch positionieren, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können? Aber wenn die Gesetzeslage die Einreise von Künstlern verhindert, hilft kein Hygienekonzept.“

„Wir sind traurig über die Verschiebung, aber unter diesen Umständen sind der WDR und wir als Stadt Herne damit unserer Verantwortung für die Gesundheit der Menschen gerecht geworden“, betont auch Thomas Schröder vom Kulturbüro. Der Zeitpunkt für die Absage sei gut gewählt gewesen: „Vorverkauf und Flyerversand waren noch nicht angelaufen, insofern fallen keine Stornos an.“ Auch die Künstler hatten jetzt noch keine Reisetickets gebucht. „Ich stehe mit allen Künstlern im Gespräch, sie haben großes Verständnis gezeigt, oft sogar Erleichterung“, sagt Lorber.

WDR zahlt Teil des Honorars schon jetzt

Dabei bringen solche Absagen freiberufliche Künstler in eine dramatische Situation, wie Richard Lorber weiß. „Viele haben extreme Umsatzeinbußen während der Pandemie. Deshalb will der WDR einen Teil des Honorars jetzt auszahlen, der Rest folgt dann nach dem Konzert. Das ist der Plan, das prüfen die zuständigen Stellen im WDR gerade.“

Für das Radiopublikum bietet WDR 3 vom 13. November bis zum 10. Dezember eine Best of-Retrospektive aus den Jahren 2011 bis 2019 an.

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