Festival

Tage Alter Musik: Eindrucksvoller Auftakt mit Neobarock

Die Echo-Klassik-Preisträger Neobarock eröffneten am Donnerstag die Tage Alter Musik in Herne mit „Das Vaterunser Deutsch“.

Foto: Thomas Kost

Die Echo-Klassik-Preisträger Neobarock eröffneten am Donnerstag die Tage Alter Musik in Herne mit „Das Vaterunser Deutsch“. Foto: Thomas Kost

herne.   Das fängt ja gut an: Zum Auftakt der Tage Alter Musik gastierten Neobarock und die Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland in der Kreuzkirche.

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„Das Vaterunser Deutsch“ heißt das Auftaktkonzert der Tage Alter Musik in der Kreuzkirche. Zusammen mit der norwegischen Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland stellte das Ensemble Neobarock hier am Donnerstagabend geistliche Werke von Reformatoren aus Norddeutschland und Skandinavien vor.

Filigrane Klanggespinste

Zu den engen Freunden Martin Luthers gehörte Johann Walter (1496-1570), der 1524 das erste Gesangbuch in Druck gab und 1526 in Torgau die erste Kantorei gründete. Auszüge aus seinen „Sechs und zwantzig Fugen auff die acht Tonos“ zeichnen sich in der Interpretation des Ensembles Neobarock durch eine faszinierende Klangschönheit und Transparenz aus, in höchster atmosphärischer Dichte entfalten sich ungemein filigrane Klanggespinste.

Sehr eindrucksvoll ist auch das Vaterunser von Christian Geist (um 1650 -1711). Kanonartig setzen die Streicher ein, in nahezu unirdischer Klarheit schweben die in sich ruhenden Klänge durch den Raum. Stürmisch und leidenschaftlich-aufgewühlt, voll tiefster Bewegung und dramatischem Ausdruck gestaltet Marianne Beate Kiellands dunkel getönter, bei aller Fülle doch schlank geführter Mezzosopran die eindringliche Bitte an Gott um Vergebung der Sünden.

Unruhige, einschneidende Erregung bebt sowohl in ihrer Stimme als auch in dem bewegten Streichersatz, bevor das Gebet in die Bekräftigung der Allmacht Gottes mündet.

Lautmalerische Textausdeutung ist ein Charakteristikum des Deutschen Vaterunsers von Christian Ritter (um 1650 – um 1730). Dunkel und ruhig gestaltet Marianne Beate Kielland entsprechend der musikalischen Rhetorik des Barock das Glaubensbekenntnis, in jubilierenden Melodienketten blüht ihre Stimme im Gotteslob auf, um dann in wundervoller Harmonie mit den Streichern auszuklingen.

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