Tanz

Tänzerischer Kampf sprengt künstlerische Dimensionen

Rauf Yasit und James Gregg präsentierten mit der Choreographie „Henry & Edward“ einen Kampf mit allen Gliedmaßen.

Rauf Yasit und James Gregg präsentierten mit der Choreographie „Henry & Edward“ einen Kampf mit allen Gliedmaßen.

Foto: Ralph Bodemer

Herne.   Im Rahmen desPottporus-Festivalsfeierte Freitag die Choreographie „Henry & Edward“ in den Flottmann-Hallen Premiere. Was sie besonders macht.

Aus den Boxen fließen sakrale Orgelklänge, sie werden abgelöst von einem urbanen White Noise, wie aus dem Proberaum der Velvet Underground. Stroboskop-Licht flackert. Dann betreten zwei Tänzer den mit weißem Stoff ausgelegten Bühnenboden. Was sich nun in den folgenden 45 Minuten abspielt, erreicht eine künstlerische Dimension, für die der Begriff Tanztheater nicht mehr ausreicht.

Ausdruckstanz auch nicht. Das ist etwas Neues, das Rauf „RubberLegz“ Yasit und James Gregg hier zeigen. Basierend auf Robert Louis Stevensons („Die Schatzinsel“) parabelhafter Novelle „Dr. Jekyll und Mister Hyde“ ringen hier in der Choreographie „Henry & Edward“ zwei Körper um die Oberherrschaft über das eigene Ich. Aber welches Ich? Welche Identität wird die Oberhand gewinnen? Und ist das überhaupt wichtig? Sollte man nicht ohnehin mehrere Identitäten haben? Wenn sich eine als untauglich erweist, greift man eben zu einer anderen.

Stresstest für Sehnen und Gelenke

Es ist ein Kampf, der hier stattfindet. In der „Szene“ nennt man das Battle. Sie zerren aneinander, verschlingen ihre Körper ineinander, stoßen sich weg, ziehen sich an, verknoten sich, befreien sich. Aber sie können nicht wirklich loslassen. Gut ist immer auch Böse. Dieser Kampf, ein Stresstest für Sehnen und Gelenke und ein kräftezehrendes Spiel mit allen Gliedmaßen, ist auch ringende Zärtlichkeit. Es erklingt eine Soul-Version von Soft Cells „Tainted Love“. Das passt. Die beiden Tänzer in identischer Kleidung tanzen ihre eigene Choreographie; schwer vorstellbar, die anderen beizubringen.

Diese kunstreiche Darstellung maximaler Körperbeherrschung strotzte auch an den wenigen „ruhigen“ Stellungen vor einer sinnlichen Kraft, die immer kurz vor der Explosion stand. Diese Vorstellung war geradezu unheimlich stark. Stehende Ovationen waren der Lohn.

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