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Tachokönig: Wanner Student pflegt seinen Mercedes

Tugay Dogan ist viel mit der Limousine unterwegs und legt ebenso viel Wert auf die Pflege des Wagens.

Foto: Rainer Raffalski

Tugay Dogan ist viel mit der Limousine unterwegs und legt ebenso viel Wert auf die Pflege des Wagens. Foto: Rainer Raffalski

Herne.  Tugay Dogan legt großen Wert auf den Zustand seines Mercedes. Auch Wartung und Reparaturen übernimmt der Student aus Wanne selbst.

Einzig und allein das Modell lässt auf das Alter schließen. Außen und innen scheint der Mercedes E, Baureihe 210, wie neu zu sein, doch der Wagen mit dem Stern ist schon seit 22 Jahren auf den Straßen Europas und Kleinasiens unterwegs, derzeitiger Tachostand: 403890 Kilometer.

In das Auto ist Tugay Dogan genauso vernarrt wie sein Bruder und auch sein Vater. Der nämlich hat die Limousine damals nigelnagelneu gekauft und danach penibel gepflegt. Dass Eltern Vorbild sein können, zeigt sich hier. „Drei Mal die Woche wird der Wagen gewaschen und auch innen gesäubert“, erzählt Dogan. Das Fahrzeug sei ihm anvertraut worden und dann kümmere er sich auch darum.

Dogan arbeitet und studiert

Freie Zeit bleibt ihm jedoch wenig. Tugay Dogan studiert Medizintechnik in Gelsenkirchen und arbeitet zusätzlich als Pflegekraft in der Eickeler Psychiatrie der Elisabeth-Gruppe. Über seinen Bruder, der dort als Pfleger tätig ist, hat er die Stelle bekommen. Etwas mit und für Menschen tun zu können, bedeute ihm viel, erzählt Tugay Dogan. Deshalb habe er auch sein anfängliches Studium der Wirtschaftsinformatik wieder beendet. Medizintechnik sei indes ein Fach, das mit seinen Entwicklungen und Produkten den Menschen zugutekomme.

Dass der junge Mann aus Wanne aber durchaus auch technisch versiert ist, lässt sich mit dem Mercedes belegen. Eine Werkstatt hat das Auto ganz selten gesehen. Ob Bremsen getauscht oder Stoßdämpfer erneuert werden müssen, der gebürtige Wanner erledigt die Arbeit selbst. Auch hier ist er ganz der Vater, der zwei Jahre nach dem Kauf des Mercedes den eingebauten Kassettenrekorder gegen ein Navi tauschte, eine neue Antenne samt Halterung auf dem Dach installierte und auch die Kabel im Auto verlegte. Sein Vater, der für eine große Raffinerie im Ruhrgebiet tätig ist, habe schon ein großes technisches Geschick, sagt der Student.

Großer Komfort

Den gesamten Komfort des Mercedes möchte der Student nicht missen. Einen elektrischen Fensterheber, ein Heckrollo, einen Tempomaten, eine Klimaanlage plus Zentralverriegelung habe der Wagen beispielsweise zu bieten, allerdings noch keine Assistenzsysteme. Die waren in den 90er Jahren noch Zukunftsmusik. Zu den großen Vorteilen des Autos gehöre vor allem die Geräumigkeit im Innenraum, erzählt der Wanner. Das steigere den Fahrspaß, sei aber auch auf den langen Touren schon fast eine Notwendigkeit.

Was Tugay Dogan unter solchen Fahrten versteht, hört sich wie folgt an: „Wir fahren fast jedes Jahr einmal in die Türkei, meist legen wir die Strecke mit dem Mercedes zurück. Einmal haben wir eine Rundreise absolviert, die führte erst nach Zonguldak, der Heimat der Großeltern am Schwarzen Meer. Dann ging es weiter über die Zentraltürkei in die Region Antalya und dann wieder zurück ans Schwarze Meer – und anschließend natürlich nach Herne.“

Mercedes ist verlässlich

In vier Wochen habe die Familie 8000 bis 9000 Kilometer zurücklegt. Als Strapaze habe er die Reise nicht empfunden. Und selbst, wenn es mal ein wenig anstrengend war, „wurden wir durch den Ausblick auf tolle Landschaften entschädigt“.

Der Mercedes habe sich stets als verlässliches Auto erweisen und man habe ihn immer wieder gern genutzt. „Bei uns gab es wohl keinen Urlaub, in dem nicht mindestens auf einem Foto der Wagen zu sehen ist“. Getestet hat die Familie allerdings auch schon, ob es sich nicht anbiete, einen Teil der Strecke per Bahn oder Schiff zurückzulegen.

In die Ferne am liebsten per Pkw

Doch weder der Autozug, der damals in Österreich startete, noch die Fähre, mit der man von Italien aus übersetzte, konnten letztlich überzeugen. Es sich im Mercedes gemütlich zu machen und über die Balkanroute das Ziel anzusteuern, „ist uns immer noch am liebsten“.

Manchmal steigt Tugay Dogan auch mit seinen Freunden in seinen Mercedes, um die nähere und weitere Umgebung zu erkunden, Denn auch hierzulande gebe es viele spannende und interessante Ziele.

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