Konzert

„Swing Glöckchen“ entführt in eine unbeschwerte Ära

„Swing Glöckchen“ im Kulturzentrum Herne.

„Swing Glöckchen“ im Kulturzentrum Herne.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.   Das Casanova Society Orchestra ließ in einer spritzigen Revue die Goldenen 20er lebendig werden. Natürlich war auch Weihnachtliches zu hören.

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„Swing Glöckchen“ war das Motto eines stimmungsvollen Weihnachtskonzertes im Kulturzentrum. Am Freitagabend ließ das Casanova Society Orchestra in einer spritzigen Revue rund um das Thema Weihnachten das Berlin der Goldenen 20er Jahre mit seinem ganz besonderen Flair wieder lebendig werden.

Es ist die Ära des Swing mit seiner unbeschwerten Leichtigkeit und seinem flippig-schnoddrigen Charme, die zum Markenzeichen dieser Zeit werden. Den neuen Stil greifen viele Tanzorchester auf, Berlin wird zu einem Zentrum der Unterhaltung, auch durch den neu aufkommenden Film.

Das Orchester verbreitet Flair der „Golden Twenties“

Diese ganz besondere Atmosphäre beschwört das Casanova Society Orchestra in seiner Revue: Sänger und Moderator Andreas Holzmann im Frack, Sängerin und Geigerin Sonja Firker in einem hautengen, hellen Abendkleid und Pianistin Elizabeth King in einem flippigen Hängekleid mit Stirnband bringen schon optisch die Golden Twenties ins Kuz. Und musikalisch gelingt ihnen dies erst recht. Zusammen mit ihren Kollegen Andreas Hirtler, Almut Lustig, Daniela Steidle und dem kurzfristig eingesprungenen Trompeter Martin Werner präsentieren sie da zum Beispiel den Weihnachtsklassiker „Leise rieselt der Schnee“ in einer zauberhaften Stimmung durch die Xylophonbesetzung.

Doch schnell ändern sich die rhythmischen Akzente, und Andreas Holzmann und sein Casanova Society Orchestra swingen in einem Stil, der an die Comedian Harmonists denken lässt. Der Titel „Winter in Berlin“, den Pianistin und Sängerin Liz alias Elizabeth King aus Florida mit klarer Stimme und klassischen Jazzrhythmen vorträgt, bringt einen internationalen Touch ins Spiel. Echt „Berliner Schnauze“ ist dagegen der Song vom Schiebermax, den Andreas Holzmann als Sänger und Tänzer so schmissig und mitreißend interpretiert, dass das Publikum spontan mitklatscht.

Beim Charleston steht sogar das Publikum auf

Für Stimmung sorgen auch „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder ein flippig-beschwingter Charleston, zu dem das Publikum aufsteht und mitswingt. Eine erotisch-laszive Nachtclubstimmung entsteht, wenn Sängerin Sonja Firker den Klassiker von Marlene Dietrich aus dem Film „Der blaue Engel“ ins Mikro haucht: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ erzählt sie da, mit dunkel-rauchiger und doch klangvoller Stimme. Zickig und kapriziös dagegen zeigt sie sich in dem flotten Song „Benjamin, ich hab’ nichts anzuzieh’n.“

Die Sängerin beherrscht auch die romantischen Töne

Die vielseitige Sängerin beherrscht aber auch die romantischen Töne: „Have yourself a Merry Little Christmas“ fordert sie ihr Publikum in einer sehr intensiven, zutiefst ausdrucksvollen und berührenden Interpretation auf. Weihnachtlich wird auch Andreas Holzmann, wenn er mit seiner geschmeidig über die Melodie gleitenden Stimme über das „Winter Wonderland“ singt und mit Bing Crosbys „White Christmas“ eine zauberhafte weihnachtliche Zeitreise in die Golden Twenties ausklingen lässt.

>>> INFOS ZU DEN 20ern

Der Ausdruck „Goldene Zwanziger“ bezeichnet für Deutschland etwa den Zeitabschnitt zwischen 1924 und 1929. Der Begriff veranschaulicht den wirtschaftlichen Aufschwung der weltweiten Konjunktur in den 1920er Jahren und steht auch für eine Blütezeit der deutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft.


Vor allem in Großstädten wie Berlin kam mit den gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg auch ein ganz neues Lebensgefühl auf, begleitet von Bahnbrechenden Entwicklungen in Wissenschaft und Kunst. Aber auch die Unterhaltungskultur blühte, zahllose Theater und Tanzorchester entstanden.


Die „Goldenen Zwanziger“ wurden von der Weltwirtschaftskrise 1929 beendet.

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